Soda. Ätznatron. Natriummetall

  • Bernhard Neumann

Zusammenfassung

Kohlensaures Natrium findet sich in verschiedenen Mineralien und als Auswitterungsprodukt in vulkanischen Gesteinen, ferner in manchen Mineralwässern (Karlsbad, Vichy, Aachen), es sammelt sich in großen Mengen in Natronseen und scheidet sich in deren Nähe vielfach in Krusten ab, oder die ganzen Seen vertrocknen und hinterlassen Salzkrusten eines stark verunreinigten Produktes. Diese „natürliche Soda“, bekannt unter dem Namen: Natron, Trona, Urao, ist stets ein mehr oder weniger mit erdigen, teilweise auch roten organischen Substanzen verunreinigtes Gemenge von Natriumcarbonat mit Bicarbonat, Sulfat und Chlorid. Die reine Trona ist eine Soda der Formel Na2C03 · NaHCO3 · 2H2O · (sog. Vierdrittelcarbonat 3 Na2O · 4 CO2 · 5 H2O). Einige dieser Vorkommen waren ehemals für den Handel von großer Wichtigkeit, da sie in früheren Jahrhunderten die einzige Bezugsquelle für Soda bildeten. Das älteste bekannte Sodavorkommen dieser Art ist das von Wady Atrun oder Natrun in Unter-ägypten, es liegt 40 km westlich vom Nil in einer Bodensenkung, unter dem Meeresspiegel, und besteht aus 11 einzelnen Seen mit einer Seefläche von 1200 ha, die keinen Abfluß haben. Das zufließende sodahaltige Wasser (mit 0,0377% Soda) verdunstet, wodurch ein jährlicher Zuwachs von etwa 15000 t Soda erfolgt. Die im Wadygebiet aufgespeicherten Natriumsalze („gem natron“ oder „Sultani“ mit 37% Na2CO3 und 29% NaHCO3 und „Kortay“ mit 36% Na2CO2 und 17% NaHCOg) schätzt man auf 21/2Mill. t. Dieses Sodavorkommen hat den alten ägyptern schon vor 4000 Jahren den Rohstoff für ihre Glaserzeugung geliefert. Auch heute noch werden große Mengen davon exportiert. ähnliche Vorkommen finden sich in Armenien, in der Mandschurei, in Tibet, in Indien, im ungarischen Steppengebiet, in Südafrika, in Mittel- und Südamerika. Besonders in Nordamerika gibt es einige ganz gewaltige Natronseen, so der MonoLake und namentlich der Owens-Lake, beide in Kalifornien. Letzterer hat eine Fläche von 28500 ha, ist 15 m tief und hält etwa 50 Mili. t Soda. Der Sodagehalt des Mono-Lakes ist noch größer, etwa 90 Mill. t. Das Wasser des Owens-Lakes enthält 27,9 g Soda und 4,4 g Bicarbonat neben 11g Sulfat und 31,4 g Chlorid im Liter; es wird zum Zwecke der Sodagewinnung in Verdunstungsbecken bis zur Krystallisation eingeengt und gibt eine Ware mit 49% Na2CO3 und 30,6% NaHCO3, welche geglüht eine etwa 70%ige Soda liefert. 1902 wurden schon 22000 t dieser natürlichen Soda in den Handel gebracht. Auch heute noch geht ein Teil dieser unreinen Soda nach San Franzisko in die Erdölraffinerien. Man stellt aber auch reine Soda her, indem man die Salzkrusten in Seewasser löst, an der Sonne bis zu einer gewissen Konzentration eindampfen läßt, Kohlensäure einleitet, das gebildete Bicarbonat abfiltriert und dieses im Drehrohrofen calciniert. Der Owens- und Searles-See lieferten 1920: 25392 t, 1925: 45910t, 1929:102900t, 1931: 78530t, 1934: 88325t Soda, die größtenteils in die Glasindustrie ging. Das bedeutendste Vorkommen von Natursoda jedoch ist der Magadi-See in Britisch-Ostafrika, nicht weit von der Grenze von Deutsch-Ostafrika. Der Magadi-See wurde 1904 entdeckt, man schätzt den Sodavorrat auf 200 Mill. t.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1939

Authors and Affiliations

  • Bernhard Neumann
    • 1
  1. 1.Technischen Hochschule BreslauDeutschland

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