Höchstdruckkessel

  • Friedrich Münzinger

Zusammenfassung

Auch die Amerikaner messen der Anwendung sehr hochgespannten Dampfes viel Bedeutung bei, haben aber bisher noch keinen größeren Höchstdruckkessel gebaut oder gar schon Betriebserfahrungen gesammelt. Sie befürchten, daß die hohen Anlage- und Unterhaltungskosten die wärmetechnischen Vorteile von Höchstdruckdampfwerken großenteils ausgleichen. Im Jahre 1921 wurden 25 at als oberster, im praktischen Betrieb erprobter und zulässiger Kesseldruck angesehen. Das Teesbank-Kraftwerk der New Castle Supply Co (England) mit 32 at Frischdampfdruck galt zugestandenermaßen in hohem Maße als Versuchsanlage. In Deutschland sind zur Zeit mehrere Anlagen mit Drücken über 30 at, darunter eine Steilrohrkesselanlage für 32 at in einer großen chemischen Fabrik in Ausführung, die im ersten Ausbau aus 12 Hanomag-Kesseln von je 600 m2 Heizfläche mit Unterwindwanderrosten besteht, und zahlreiche andere Werke planen die Einführung von Dampfdrücken von 30–35 at. An sich sehen die amerikanischen Kesselfirmen im Bau von Kesseln bis zu 35 at und mehr keine Schwierigkeit, meinen aber, daß bisher ein Bedürfnis nach solchen Kesseln nicht bestehe. Die General Electric Co. ist der Ansicht, daß grundlegende Änderungen gegenüber der heutigen Bauweise von Kesseln, Turbinen und der gesamten Einrichtung eines Kraftwerkes nötig wären, wenn man die Vorteile von Höchstdruckdampf in vollem Umfang ausnutzen wollte und daß die Quecksilber-Zweistoffturbine wahrscheinlich größere Vorteile biete, ohne daß die Gesamtanlage verwickelter werde als bei Höchstdruckdampf. Sie baut zur Zeit eine Quecksilberdampfkraftanlage für die Hartford Electric Light Co., die einen 565 m2-Kessel ersetzen soll. Der zugehörige Kessel braucht ebensoviel Grundfläche und dieselben Feuerraumabmessungen wie ein normaler Dampfkessel. Der Quecksilberdampf von 2,5 at und 430°C wird nach seiner Arbeitsleistung in der Turbine in einem Kondensator durch Wasser niedergeschlagen. Der erzeugte Wasserdampf von 14 at wird nach vorheriger Überhitzung durch die Abgase des Quecksilberkessels gleichfalls zur Krafterzeugung ausgenutzt. Die Quecksilberturbine soll etwa 1800 kW, die zugehörige Wasserdampfturbine (unter Zugrundelegung eines Dampfverbrauches von 5 kgkWst-1) etwa 2500 kW leisten.

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© Julius Springer in Berlin 1923

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  • Friedrich Münzinger

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