Zusammenfassung

Aus der Geschichte der Chirurgie wissen wir, daß es eine Zeit gab, in der man zwischen „höherer“und „niederer“Chirurgie unterschied. Die erstere lag in den Händen der Fachchirurgen, letztere wurde hauptsächlich von Laien ausgeübt. Zu den sogenannten „niederen Operationen“gehörte damals nicht bloß das Zahnziehen, sondern auch noch die Blasenstein- und die Bruchoperation. Neben „Zahnbrechern“zogen „Stein- und Bruchschneider“auf den Jahrmärkten herum und boten ihre Kunst dem leidenden Publikum an. Es war rohe und roheste Empirie, was da getrieben wurde, neben viel Scharlatanerie und Schwindel, der sich hier breitmachte, gab es unter den Bruchschneidern aber auch hochbegabte Leute, es sei nur an den berühmten Peter Franco in Lausanne erinnert, zu dem mancher Jünger der Medizin in die Lehre ging. Nichtsdestoweniger konnten sich die Fachchirurgen lange Zeit hindurch nicht entschließen, sich mit diesen „niederen Operationen“, welche auch von Nichtärzten ausgeführt werden durften, zu befassen. Als sie aber später damit anfingen, auch dieses Gebiet in den Bereich ihrer Tätigkeit einzubeziehen, da wurden unter den Händen der allmählich immer mehr naturwissenschaftlich, insbesonders anatomisch sich bildenden Ärzte, die nun daran gingen,4 die Verhältnisse theoretisch klarzulegen, aus der empirischen Bruch- und Steinschneiderei nach und nach auf wissenschaftlich medizinischer Grundlage aufgebaute chirurgische Operationen.

Copyright information

© J. F. Bergmann 1911

Authors and Affiliations

  • B. Mayrhofer
    • 1
  1. 1.Allgemeinen KrankenhaufeInnsbruckÖsterreich

Personalised recommendations