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Die Operationen an den Harn- und Geschlechtsorganen

  • O. Kleinschmidt

Zusammenfassung

Die Geschichte der Nierenchirurgie ist eine verhältnismäßig kurze. Abgesehen von Spaltungen paranephritischer Abscesse, die gelegentlich auch bis in die Niere hinein fortgesetzt wurden, ist bis in die neueste Zeit über Nierenoperationen nichts bekannt geworden. Nach Trendelenburg hat der Engländer Fearon schon Ende des 18. Jahrhunderts im Anschluß an den Obduktionsbefund eines größeren Nierentumors, der sich ohne Verletzung des Peritoneums aus der Leiche herausnehmen ließ, für möglich gehalten, auch beim Lebenden eine erkrankte Niere zu entfernen. Die Ausführung der Operation wurde aber scheinbar nicht gewagt, bis Simon am 2. August 1869, nachdem er vorher sich an der Leiche von der technischen Möglichkeit der Nierenexstirpation überzeugt hatte und nachdem er durch zahlreiche Experimente am Hund festgestellt hatte, daß die Nierenfunktion auch von einer Niere geleistet werden konnte, zum ersten Male eine Niere aus dem Körper eines lebenden Menschen entfernt, und zwar handelte es sich um eine gesunde Niere, deren Ureter bei einer gynäkologischen Operation durchtrennt worden war, und die eine Urinfistel nach der Scheide und nach außen unterhielt. Die Operation verlief glücklich. Nach Simon haben dann im Jahre 1870 Durham und Gunn versucht, Steine aus dem Nierenbecken zu entfernen, die Operation aber abgebrochen, weil sie nach Freilegung der Niere keine Steine entdecken konnten. Ähnlich erging es im August 1871 Simon selbst, der wegen einer Steinpyonephrose durch Lumbaischnitt die erkrankte Niere freilegte und die Entfernung der Steine aus der Niere durch Incision oder durch Exstirpation der Niere in Aussicht genommen hatte. Auch Simon konnte in der freigelegten Niere keine Steine palpieren. Erst nach Exstirpation der Niere und Eröffnung des Nierenbeckens wurden 18 bis 20 Steinchen gefunden. Nach anfänglich günstigem Verlauf ging die Kranke nach 3 Wochen im Anschluß an die Sondierung der Wunde an Peritonitis zugrunde. Trotz des ungünstigen Ausgangs war durch die beiden Fälle der Beweis erbracht, daß die Niere operativ entfernt werden konnte, und nach verhältnismäßig kurzer Zeit wurde die Operation aus den verschiedensten Gründen auch von anderen Seiten erfolgreich wiederholt. Nach dem lumbalen Wege wurde dann auch der transperitoneale Weg besehritten (Martin, Czerny). Beide Wege sind auch heute noch gangbar. Im allgemeinen wird aber der lumbale vorgezogen. Um die weitere Ausbildung der Nierenchirurgie haben sich besonders deutsche Chirurgen verdient gemacht (Czerny, Israel, v. Bergmann, Kümmell, Kocher u.a.). Von ausländischen Chirurgen sind besonders zu nennen Albarran, Tuffier, Jaboulay, Rovsing u. a. In neuester Zeit haben sich hauptsächlich Kümmell, Casper, Wildbolz, Wossidlo, Volhard, Völcker, v. Lichtenberg und Zondek um die Ausbildung der Diagnose, Indikationsstellung und Operationstechnik Verdienste erworben.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1927

Authors and Affiliations

  • O. Kleinschmidt
    • 1
  1. 1.Chirurgischen AbteilungStädtischen KrankenhausesWiesbadenDeutschland

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