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Die Operationen an Gaumen und Kiefern

  • O. Kleinschmidt

Zusammenfassung

Der Verschluß der die Sprache und Nahrungsaufnahme störenden Gaumenspalte wurde zuerst durch Obturatoren besorgt. Schon Hippokrates soll einen Obturator verwendet haben. Im 16. Jahrhundert wurden Obturatoren wahrscheinlich zum Verschluß syphilitischer Gaumenspalten oder Gaumendefekte verwendet. Für die angeborene Gaumenspalte scheint der erste Obturator von Fauchard (1728) konstruiert worden zu sein. Ein brauchbares Modell stammt aber erst von Suersen (1864) und neuere Modelle sind von Wolff und Schildsky (1881) empfohlen. Die operative Behandlung der Gaumenspalte beginnt mit dem Jahre 1816. Zuerst hat v. Gräfe und nach ihm Roux durch Anfrischung der Wundränder und Zusammennähen derselben die Gaumenspalten zum Verschluß zu bringen versucht. Die Erfolge scheinen nicht ermutigend gewesen zu sein. Erst Krimer (1824) ist es gelungen, durch plastische Verschiebung der Schleimhaut der einen Gaumenseite den Defekt zu decken. Von größerer Bedeutung sind erst die Arbeiten Dieffenbachs (1834/48), der nicht nur bei kleineren Spalten durch Anfrischung und Naht, sondern auch durch die Anwendung von seitlichen Entspannungsschnitten und Abmeißelung der horizontalen Gaumenplatte die Gaumenspalten erfolgreich verkleinerte. Grundlegend für die ganze Folgezeit bis in unsere Tage wurden jedoch auf dem Gebiete der Gaumenspaltenoperation die Arbeiten von Bernhard v. Langenbeck (1861). Durch Ablösung des mukös-periostalen Gaumenüberzuges und Verschiebung der vollständig beweglich gemachten Lappen gelang ihm der Verschluß der Gaumenspalten wesentlich besser als seinem Vorgänger. Die Methode v. Langenbecks ist bis heute die erfolgreichste geblieben und auch die letzte größere Aussprache über dieses Kapitel auf dem Chirurgenkongreß 1925 brachte die Vorzüge der Langenbeckschen Methode zum Ausdruck. Freilich wurde seit der Empfehlung von Langenbeck manche Verbesserung der Methode vorgeschlagen. So wurde die Abtragung des Hamulus pterygoideus vorgeschlagen (Roux, Billroth). Dann wurde bei breiteren Spalten künstliche Annäherung der beiden Gaumenspaltenränder der Operation vorausgeschickt (Sébilleau, Codivilla, Helbing, Brophy, Schoemaker). Diese Annäherungen hatte, wie schon oben erwähnt, Dieffenbach bereits erstrebt. Die späteren Autoren griffen mit ihren Operationen entweder an den Processus alveolares oder noch höher an den Kiefern an. Die Verschiebung wurde entweder durch operative Ablösung oder durch redressierende Apparate vorgenommen oder beides wurde miteinander kombiniert. Die operativen Verfahren sind fast alle wieder aufgegeben worden, und zwar deshalb, weil schwere Deformitäten des Gaumens und Störungen der Zahnentwicklung die Folge waren. Dagegen wird auch heute noch die redressierende Apparatbehandlung vielfach der eigentlichen Gaumenspaltenoperation vorausgeschickt. Am meisten Anklang scheint die Methode von Brophy gefunden zu haben, die allerdings nur im Säuglingsalter zur Anwendung kommen kann.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1927

Authors and Affiliations

  • O. Kleinschmidt
    • 1
  1. 1.Chirurgischen AbteilungStädtischen KrankenhausesWiesbadenDeutschland

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