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Das Formensehen

  • Franz Bruno Hofmann

Zusammenfassung

Die Empfindungen, welche durch die Regungen der Einzelelemente des Empfangsapparates des Sehorgans ausgelost werden, gelangen, wenn überhaupt (vgl. oben S. 66), dann höchstens ganz ausnahmsweise voneinander gesondert zum Bewußtsein. Meist sind sie vielmehr miteinander zu höheren Einheiten verbunden, so die durch eine kontinuierliehe Reihe von gereizten Elementen vermittelten Empfindungen zu der eines geraden, gezaekten oder gekrümmten Striches, die durch Reizung einer größeren Zahl nebeneinander liegender Elemente ausgelösten zu einer flacheilhaften Empfindung. Diese Verknüpfung der Erregung mehrerer Elemente des somatischen Sehfeldes miteinander stellt den Inhalt jener besonderen Leistung des Sehorgans dar, die, wir oben schon als das Form ensehen vom Auflosungsvermogen abgetrennt haben. Ein schlagender Beweis für die Sonderstellung dieses Vorganges scheint durch eine Mitteilung von Goldstein und Gelb (140) erbracht zu sein, die an einem Patienten mit verletztem Okzipitalhirn bei gut erhalt ener zentraler Sehschärfe, vorhandener Wahrnehmung der gegenseitigen Lage isolierter Sehdinge und normalem Augenmaß den Verlust des Vermogens nachwiesen, die Form der gesehenen Gegenstände zu erkennen. So war der Patient z. B. nicht imstande, eine quadratische Flachevon einer Kreisflache oder einem Dreieck zu unterscheiden, auch erkannte er Umrißzeichnungen, Buchstaben usf.

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1919

Authors and Affiliations

  • Franz Bruno Hofmann

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