Einfluß der Erfahrung auf die Lokalisation im ebenen Sehfeld

  • Franz Bruno Hofmann

Zusammenfassung

Das Ergebnis, zu dem wir bei der Erklärung einer Anzahl geometrischoptischer Täuschungen schließlich gelangt sind, daß es sich bei ihnen um eine Änderung der Raumempfindung durch die Gestaltauffassung, also durch einen zweifellos auf individueller Erfahrung beruhenden Vorgang handelt, widerspricht der weit verbreiteten Annahme, daß eine eigentliche Sinnesempfindung durch Erfahrungsmotive nicht abgeändert werden könne. Auf diesem Standpunkt fußte insbesondere Helmholtz, der es als allgemeine Regel aussprach, „daß nichts in unseren Sinneswahrnehmungen als Empfindung anerkannt werden kann, was durch Momente, die nachweisbar die Erfahrung gegeben hat, im Anschauungsbilde überwunden und in sein Gegenteil verkehrt werden kann“ (I, S. 438). Träfe diese Annahme zu, so könnten wir demnach, wenn wir nach dem Vorhergehenden eine Änderung der Lokalisation unter dem Einfluß der Erfahrung als erwiesen betrachten, die optische Lokalisation nicht auf die gleiche Stufe stellen, wie die sonstigen Empfindungsqualitäten. Sie würde dann nicht zum eigentlichen Empfindungsinhalt selbst gehören, sondern nur einen durch die Erfahrung zur eigentlichen „reinen„ Empfindung, die nur aus der Farbe bestehen würde, hinzugefügten, am voll ausgebildeten Sehorgan allerdings untrennbar mit ihr verbundenen Anhang bilden. In der Tat folgert Helmholtz aus dem oben zitierten allgemeinen Satz, daß, wenn wir dieser Regel folgen, „nur die Qualitäten der Empfindung als wirkliche reine Empfindungen zu betrachten sind, bei weitem die meisten Raumanschauungen aber als Produkt der Erfahrung und Einübung“.

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Authors and Affiliations

  • Franz Bruno Hofmann

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