Zusammenfassung

Während meiner 10 jährigen Tätigkeit bei den werbenden Unternehmungen der Städte Bromberg, Bielefeld, Bernburg und Rüstringen bin ieh öfters in der Lage gewesen, zu beobachten, wie in derselben Stadt private und städtische Werke nebeneinander in friedlichem und auch feindlichem Wettbewerb betrieben wurden und wie sie von der einen Hand in die andere übergingen. In Bromberg war das Gaswerk und das Wasserwerk in kommunalen Handen, das Elektrizitatswerk und die Straßenbahn in Privatbesitz; beide Unternehmungen nahmen wenig Notiz von einander, standen in friedlichem Wettbewerb und entwickelten sich im Verhältnis der Ausdehnung der Stadt und der steigenden Inanspruchnahme der Bürger. In Bielefeld wurden alle 4 Unternehmungen in städtischer Regie betrieben; sie waren von der Stadt selbst errichtet. Die Folge war einesteils geringe Verschuldung, weil keine hohen Kauf-summen für Übernahme von Privaten in städtischen Besitz bezahlt werden brauchten, anderenteils zweckentsprechende Abgrenzung der Interessensphären der verschiedenen Werke und praktische gegenseitige Ergänzungen sowie einheitliche und übersichtige Lei-tung. In Bernburg a. S. besaß die Stadt bis zum Jahre 1903 nur das Wasserwerk, aber sie war bereits verschiedentlich mit dem privaten Konzessionar wegen Kauf des Gaswerks in Unterhandlung getreten; die Forderung des Privaten war jedoch so hoch, daß schließlich die Stadt die Verhandlungen abbrach und ein eigenes Werk baute; dieses wurde 1903 in Betrieb genommen. Es setzte jetzt ein sehr erbitterter Kampf ein, der darin gipfelte, daß die Stadt das Gas fur 5 Pfg. pro cbm verkaufte und der Private immer 10% unter den städtischen Preisen lieferte; abgesehen von der Ver-schwendung von Nationalvermögen und den wirtschaftlichen Nach-teilen: doppelte Erzeugungsstation, Verteilungsleitung, Hausan- schlüsse, Zahler etc., zeitigte der Konkurrenzkampf auf beiden Seiten auch andere sehr unliebsame Begleiterscheinungen, wie fort-währender Aufbruch der StraBen, üibergroBe Ausnutzung des kom-munalen Einfhisses etc. Der Kampf endigte mit der Übernahme des privaten Werkes zum halben ursprünglichen Kaufpreis und seiner Stillegung. Der überaus billige Gaspreis hatte zwar dem Gase große Verbreitung verschafft, aber die Stadt hat doch einige Zeit unter den Folgen des Konkurrenzkampfes gelitten. Die Konzession zum Bau und Betrieb eines Elektrizitätswerkes und einer Straßen-bahn war im Jahre 1895 einem Privaten auf die Dauer von 50 Jahren erteilt. Der Konzessionsvertrag hatte im Laufe der Zeit erhebliche Lücken zum Nachteile der Stadt gezeigt, so daß man es freudig begrüßte, als die Deutsche Continental Gasgesellschaft Dessau als Betriebspächterin des Elektrizitätsverbandes Anhalt G. m. b. H. in Cöthen im Jahre 1911 mit der Stadt und der Aktiengesellschaft Straßenbahn und Elektrizitätswerk Bernburg in Unterhandlung trat wegen Anderung des Vertrages; bei dieser Gelegenheit hat die Stadt sich einen erheblichen EinfluB einräumen lassen auf die Be-dingungen üiber die Zulassung von Installateuren, üiber den Anschluß an das Leitungsnetz und ßiber die Festlegung der Tarife.

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Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1915

Authors and Affiliations

  • Edmund Harms
    • 1
  1. 1.Betriebsamtes der Stadt RüstringenDeutschland

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