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Einleitung

  • Adolf Gottstein
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 5)

Zusammenfassung

Der griechische Bildhauer hat mit ergreifender Wahrheit die verzweifelnde Niobe dargestellt, die ihre jüngste Tochter, ihr letztes Kind, vergeblich mit den Gewändern vor den tötenden Pfeilen rächender Götter zu schützen sucht. Die griechische Welt konnte sich die jähe Vernichtung blühender Menschen durch den Seuchentod nur als Folge eigener Schuld und als Walten übernatürlicher Mächte erklären. Und von der Bibel und weiter durch alle Völkersagen bis in die Urgeschichte finden wir die Auffassung, daß das Massensterben etwas anderes ist als die gewöhnliche Krankheit. Durch das ganze Mittelalter mit seinen dauernden und furchtbaren Seuchenverheerungen blieb die Auffassung von der Hilflosigkeit fortbestehen. Nur die Pflege Erkrankter blieb als einzige Aufgabe übrig, mit zahlreichen Vorbildern edelster Selbstaufopferung in der Versorgung der Seuchenkranken, die hauptsächlich von den Dienern der Kirche und von Frauen geübt wurde. Erst als mit dem Ende des Mittelalters wieder eine wissenschaftliche Auffassung entstand, die ohne vorgefaßte Meinungen die Erscheinungen beobachtete und zu erklären versuchte, kam dieser Fortschritt allmählich auch der Erforschung der Seuchen zugute.

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1929

Authors and Affiliations

  • Adolf Gottstein
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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