Pfropfbastarde und Chimären

  • Richard Goldschmidt

Zusammenfassung

In der letzten Vorlesung sind uns bereits die vegetativen Mutationen begegnet, die zu Individuen führen, die ein Mosaik verschiedener genetischer Beschaffenheit darstellen. Außerdem sind uns bereits mehrfach genetische Mosaiks in bezug auf die Geschlechtschromosomen, die Gynandromorphen begegnet. Das führt nun zu der Frage, ob es möglich ist, auf dem Wege über Mosaiks auf somatischem Wege, ohne Befruchtung, Bastarde zu erzeugen, ein Problem das im Zusammenhang mit den sogenannten Pfropfbastarden viel erörtert wurde. Im Tier- wie im Pflanzenreich gelingt es ja bekanntlich, Teile verschiedenartiger Individuen miteinander zu einer Einheit zu verbinden, indem sie mit künstlich gesetzten Wundflächen aufeinander geheilt werden. Im Tierreich nennt man das Verfahren meist Transplantation, besonders wenn nur kleine Gewebs- oder Organteile des einen Individuums dem andern einverleibt werden, im Pflanzenreich ist diese vegetative Vereinigung als Okulierung und Pfropfung allgemein bekannt. Die Frage ist nun die, ob bei einer derartigen Vereinigung von Individuen verschiedener Art oder Rasse die Gewebe dauernd getrennt nebeneinander bestehen bleiben, ob sie sich zu einem Bastardgewebe vereinigen können oder ob vielleicht durch eine der Befruchtung vergleichbare vegetative Zellverschmelzung der Ausgangspunkt für eine Bastardentwicklung gegeben werden kann.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur zur achtzehnten Vorlesung

  1. Baur, E.: Das Wesen und die Erblichkeitsverhaltnisse der Varietates albomarginatae hort. von Pelargonium zonale. Zeitschr. f. indukt. Abstammungs- u. Vererbungslehre 50. 1909. — Ders.: Pfropfbastarde. Biol. Zentralbl. 30. 1910. — Ders.: Pfropfbastarde, Periklinalchimaren und Hyperchimaren. Ber. d. dtsch. botan. Ges. 27. 1910.Google Scholar
  2. Buder, J.: Studien an Laburnum Adami. Zeitschr. f. indukt. Abstammungsu. Vererbungslehre 5. 1911.Google Scholar
  3. Goetsch, A.: Chimarenbildung bei Coelenteraten. Zool. Anz. 59. 1924.Google Scholar
  4. Haberlandt, G.: Sind die Crataegomespili von Bronvaux Verschmelzungspfropfbastarde oder Periklinalchimären. Biol. Zentralbl. 47. 1927.Google Scholar
  5. Harrison, R. G.: Embryonic Transplantation and development of the nervous system. Anat. Record. 2. 1908.Google Scholar
  6. Issajew, W.: Vererbungsstudien an tierischen Chimaren. Biol. Zentralbl. 43. 1923.Google Scholar
  7. Jörgensen, C. A. and Crane, M. B.: Formation and Morphology of Solanum chimaeras. Journ. of Genetics 18. 1927.Google Scholar
  8. Korschelt, E.: Regeneration und Transplantation. 1907. 3. Aufl. 1927.Google Scholar
  9. Noll, F.: Pie Pfropfbastarde von Bronvaux. Sitzungsber. d. Niederrhein. Ges. f. Natur- u. Heilk. zu Bonn. 1905. — Ders.: Neue Beobachtungen an Laburnum Adami Poit. Ebenda. 1907.Google Scholar
  10. Spemann, A.: Die Erzeugung tierischer Chimaren usw. Arch. f. Entwicklungsmech. d. Organismen 48. 1921.Google Scholar
  11. Strasburger, ED.: Über die Individualitat der Chromosomen und die Pfropfhybridenfrage. Jahrb. f. wiss. Botanik 1907.Google Scholar
  12. Tanaka, T.: Bizzaria, a clear case of periclinal chimera. Journ. of Genetics 18. 1927.Google Scholar
  13. Winkler, H.: Solanum tubingense, ein echter Pfropfbastard zwischen Tomate und Nachtschatten. Ber. d. dtsch. botan. Ges. 1908. — Ders.: Weitere Untersuchungen iiber Pfropfbastarde. Zeitschr. f. Botanik 1909. — Ders.: Über die Nachkommenschaft der Solanum-Pfropfbastarde und die Chromosomenzahl ihrer Keimzellen. Ebenda. 1910. — Ders.: Über das Wesen der Pfropfbastarde. Ber. d. dtsch. botan. Ges. 28. 1910. — Ders.: Untersuchungen über Pfropfbastarde. I. Die unmittelbare gegenseitige Beeinflussung der Pfropfsymbionten. Bd. 1. Jena: G. Fischer 1912. — Ders.: Über die experimentelle Erzeugung von Pflanzen mit abweichenden Chromosomenzahlen. Zeitschr. f. Botanik 8. 1916.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1928

Authors and Affiliations

  • Richard Goldschmidt
    • 1
  1. 1.Kaiser Wilhelm-Instituts für BiologieBerlin-DahlemDeutschland

Personalised recommendations