Der Tastsinn

  • W. v. Buddenbrock
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 19)

Zusammenfassung

Wer etwas spät in der Nacht nach Hause kommt, tastet sich, um die Mitbewohner nicht zu stören, ohne Licht zu machen, vorsichtig den langen Korridor entlang, bis er in seinem Schlafzimmer geräuschlos verschwindet. Aus dieser Situation erhellt, wozu wir den Tastsinn in erster Linie gebrauchen: bei Ausschluß der anderen Sinne sich im Räume zurechtzufinden, ohne daß wir an den harten Sachen uns stoßen, die nach Schillers bekanntem Wort den Raum erfüllen. Mancher Kulturmensch kommt nur selten in die geschilderte Lage, aber im Freileben der meisten Tiere ist der Tastsinn, besonders zur Nachtzeit, ein wichtiger und unentbehrlicherFreund. Wie das Heer seine Vorhut voraussendet, so haben sehr viele Organismen besondere Tastorgane entwickelt: Fühler, oder Schnurrhaare, deren Aufgabe es ist, erstmal das Gelände zu prüfen, ehe das Gros des Körpers nachkommt Außerdem ist aber bei den meisten Tieren auch der übrige Körper tastempfindlich. Beim Menschen verteilen sich über die ganze Haut die sogenannten Druckpunkte, feinste unter der Haut gelegene Sinnesendigungen. Man kann sie mit einem Reizhaar abtasten und dabei feststellen, daß sie nicht überall gleich dicht stehen. An manchen Stellen, wie an der Hand oder im Gesicht, sitzen sie sehr dicht beieinander, an anderen, wie am Rücken, sind die freien Zwischenräume größer; aber überall sind diese so klein, daß der gewöhnliche Mensch der Täuschung anheimfällt, daß seine ganze Körperoberfläche gleichmäßig tastempfindlich sei. Man hat berechnet, daß ein Mensch insgesamt etwa 640 000 derartige Druckpunkte besitzt.

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© Julius Springer in Berlin 1932

Authors and Affiliations

  • W. v. Buddenbrock
    • 1
  1. 1.Universität KielDeutschland

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