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Holƶnahrung und Symbiose

  • Paul Buchner

Zusammenfassung

Immer schärfer treten auf dem Gebiet der Symbioseforschung große Kategorien der Verbreitung hervor und vor kurzem noch als merkwürdige Einzelfälle dastehende Vorkommnisse werden durch neue Entdeckungen zu Gliedern solcher Kategorien. Seit der tschechische Zoologe Śulc und der italienische Forscher Pierantoni 1910 gleichzeitig und unabhängig voneinander die bedeutsame Entdeckung gemacht hatten, daß der altbekannte, aber bis dahin so völlig rätselhafte Pseudovitellus der Homopteren ein mannigfach variiertes, aber stets von pflanzlichen Mikroorganismen bewohntes Organ darstellt, hat sich Überraschung an Überraschung gereiht, und heute wissen wir, daß alle Pflanzensäfte saugenden Tiere, Homopteren in gleicher Weise wie Heteropteren, Symbiontenträger sind, ferner, daß offenbar alle Wirbeltierblut saugenden Tiere sich ihnen als nicht minder mannigfache Gruppe anschließen. Denn zu den Tausenden von Schildläusen, Blattläusen, Psylliden, Aleurodiden, Zikaden, Baum- und Blattwanzen gesellen sich die Pedikuliden, die Glossinen, die Pupiparen1), die Culiciden, die Bettwanze, Arachnoiden, wie die Ixodiden und Gamasiden, sowie Hirudineen, deutlich jeweils durch das Band gleicher Nahrungsquelle vereint, das sich dort mit dem System deckt, hier aber Glieder der verschiedensten systematischen Stellung zusammenfaßt.

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Anmerkungen

  1. 3).
    Wallin, Ivan E.: Symbionticism and the origin of species. London 1927. Eine eingehende Darlegung und Widerlegung der Wallinschen Ideen würde hier zu weit führen. Wir werden uns an anderer Stelle ausführlicher dazu äußern.CrossRefGoogle Scholar
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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1928

Authors and Affiliations

  • Paul Buchner
    • 1
  1. 1.BreslauPolen

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