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Schwere Staublungenerkrankungen (Silikose)

Zusammenfassung

Staubbeimischungen zur Atemluft können die Atemwege, die Lungen, den Gesamtorganismus in der verschiedensten Weise schädigen. So können je nach der Art des eingeatmeten Staubes Schleimhautkatarrhe, Lungenentzündungen, asthmatische Zustände, Vergiftungen entstehen. Als Staublungenerkrankung in engerem Sinne (Pneumonokoniose) wird die nach der Einatmung bestimmter gewerblicher Staubarten auftretende Fibrose der Lungen bezeichnet. Da die schweren Formen dieser Erkrankung fast ausschließlich nach der Einatmung quarzhaltigen Staubes beobachtet werden, so hat sich neuerdings die Bezeichnung „Silikose“ dafür eingebürgert (Quarz = Siliciumdioxyd). Durch die Verordnung vom 11. II. 1929 sind diese Silikosen, soweit sie in bestimmten, der Gefährdung durch Quarzstaub besonders ausgesetzten Betrieben erworben sind, als entschädigungspflichtige Berufskrankheiten anerkannt worden. In der Verordnung sind folgende Betriebe aufgeführt:
  1. a)

    Betriebe der Sandsteingewinnung, Bearbeitung und Verarbeitung. Es fallen hierunter die Arbeiten in den Sandsteinbrüchen selbst, in denen nicht nur die Steine gebrochen, sondern auch größtenteils schon zu Blöcken, Mühlsteinen und anderem bearbeitet werden, die Arbeiten in den außerhalb der Steinbrüche gelegenen Steinmetzwerkstätten und schließlich alle, am Ort der Verwendung (z. B. Häuserbau) geschehenden Sandsteinbearbeitungen.

     
  2. b)

    Metallschleifereien. Die Gelegenheit zur Entstehung der Staublunge gibt hier besonders die Arbeit am Schleifstein aus Sandstein, und zwar scheint das Naßschleifen in dieser Hinsicht gefährlicher zu sein als das Trockenschleifen (Lochtkemper). Schleifen am künstlichen Schleifstein, der aus Korund oder Siliziumkarbid besteht, Polieren, Pliesten bedingen geringere Entwicklung eines Staubes, der nur wenig Quarz enthält und schädigen die Lunge weniger.

     
  3. c)

    Porzellanbetriebe. Das Porzellan wird aus einer Mischung von Kaolin, Feldspat und Quarz gewonnen. In den Arbeitsräumen ist daher Gelegenheit zur Einatmung quarzhaltigen Staubes gegeben. Die eigentlichen Porzellanarbeiter (Porzelliner) sind der Schädigung mehr ausgesetzt als Porzellanmaler, Packer usw.

     
  4. d)

    Betriebe des Bergbaues. Die Gefahr der Silikose ist besonders für diejenigen Bergarbeiter gegeben, die in quarzreichem Gestein (Sandstein) Bohrungen und Sprengungen vornehmen. Im Kohlenbergbau sind es vorwiegend die sogenannten Gesteinshauer, die in das zwischen den Kohlenflözen liegende, oft quarzhaltige Gestein mit Preßlufthämmern Bohrlöcher bohren und das Gestein sprengen, während die eigentlichen Kohlenhauer der Einatmung von Quarzstaub weniger ausgesetzt sind. Der Kohlenstaub allein pflegt kaum schwerere Lungenfibrosen hervorzurufen. Da neuerdings auch mitunter die Kohlenhauer bei der Entfernung des „Nebengesteins“ Gesteinsbohrungen ausführen, so können auch sie unter Umständen quarzhaltigen Staub in beträchtlichen Mengen einatmen. Ob das seit einigen Jahren geübte Ausstreuen von Gesteinsstaub zum Schutz gegen Kohlenstaubexplosionen auf die Lunge schädigend einwirkt, läßt sich bei der Kürze der Beobachtungszeit bisher nicht sagen.

     

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1930

Authors and Affiliations

  • Böhme
    • 1
  1. 1.BochumDeutschland

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