Zusammenfassung

Jeder Ingenieur hat das Bestreben, seine Entwürfe und Konstruktionen möglichst genau berechnen zu können. Häufig sind seine Berechnungen allerdings nur eine Selbsttäuschung zur eigenen Gewissensberuhigung. Stellt sich später heraus, daß die Vorausberechnung nicht richtig war, wenngleich sie keinen Zahlenfehler enthielt, so wird die Schuld in der Regel dem Gegensatz von Theorie und Praxis zugeschoben. Eine auf physikalischen Tatsachen in mathematischer Form entwickelte Theorie kann aber nicht falsch sein, da die Mathematik auf reiner Logik aufgebaut ist. Die Schuld liegt vielmehr darin, daß die der Theorie zugrunde liegenden Vereinfachungen und die ihr damit gesetzten Grenzen nicht immer klar genug übersehen und daher zu weitgehende Verallgemeinerungen vorgenommen werden. Vielfach liegt ein Mangel auch darin, daß die Anwendung der vorhandenen Theorien zu umfangreiche Rechenarbeiten erfordert. Der Ingenieur sieht sich dann gezwungen, empirische, d. h. nicht auf den Elementen der Physik und Mechanik aufgebaute Formeln zu verwenden. Der Anwendungsbereich solcher empirischen Formeln ist natürlich nur auf die zufälligen Umstände beschränkt, die bei den zugrunde liegenden Meßergebnissen vorhanden waren, er ist der Formel später nicht mehr anzusehen. Diese Undurchsichtigkeit wird noch erhöht, wenn sich die empirisch entwickelte Formel in unvollkommener Weise an ein Gesetz der Physik oder Mechanik anlehnt.

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Literatur

  1. 1.
    Siehe Schocklitsch: Grundbau S. 70ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag OHG in Berlin 1943

Authors and Affiliations

  • R. Hoffmann
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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