Advertisement

Einwirkung der Fusion auf schwebende Verträge, insbesondere auf elastische Verbindlichkeiten

  • Robert Goldschmidt
Part of the Rechtsvergleichende Abhandlungen book series (RA)

Zusammenfassung

Die Rechte und Pflichten aus den von der untergehenden Gesellschaft geschlossenen Verträgen gehen grundsätzlich unverändert auf die übernehmende über, sofern sich nicht aus der Natur des Vertrages etwas anderes ergibt4. Um nur einzelne Fälle herauszugreifen, so gehen die Ansprüche aus Dienstverträgen trotz § 613, S. 2 BGB. über. Denn eine Aktiengesellschaft ist etwas Unpersönliches, so daß im Zweifel gleichgültig ist, welcher Aktiengesellschaft die Dienste zu leisten sind; daher sind hier grundsätzlich die Ansprüche auf die Dienstleistungen übertragbar5. Das gilt nicht nur für Arbeiter und Angestellte6, sondern grundsätzlich auch für die Mitglieder des Vorstandes1. Hier kann jedoch der Fall so liegen, daß diesen, nicht etwa der Gesellschaft, gemäß § 675 in Verbindung mit § 6262 ein Kündigungsrecht aus wichtigem Grunde gegeben ist, d. h. wenn ihnen infolge der veränderten Umstände die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses nicht zugemutet werden kann, so etwa bei der Aufnahme durch eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, wenn der Vorstand unter die Komplementäre gestellt wird3. Natürlich kann die Vertretungsmacht (§ 231, III HGB.) jederzeit widerrufen werden, unbeschadet des Lohnanspruches. Im übrigen sind diese Fragen rein theoretischer Natur, da gerade dieser Punkt in allen Verträgen besonders eingehend geregelt wird.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Wie hier: Ploetz: S. 36; Kohler: S. 313; Schulze: S. 14; vgl. auch v. Tuhr: AllgT. II, 1, S. 86; Martin Wolff: SachR., §45, I 3b und Anm. 13, der den ähnlich liegenden Fall des Ehevertrages anführt, a. M. Eckhardt: ZHR. 92, S. 477; Hafner bei Holdheim: 22, S. 234 für Immobilien, jedoch erfolgt nach ihm der gutgläubige Erwerb erst nach Ablauf des Sperrjahres. Das ist sicher falsch, da der Erwerb, wenn überhaupt, sofort erfolgt. Vgl. auch Schmitt: S. 90/94.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. RG. 9, S. 19.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. § 419 BGB.; RG. 71, S. 380.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. etwa § 514 BGB.Google Scholar
  5. 5.
    So auch Blum: Zbl. f. HR. 1927, S. 326, der hier von einer Umkehrung der Beweislast spricht; Schmitt: S. 103 und die meisten; vgl. jedoch auch Friedländer: S. 106; Kaskel: ArbR., S. 111 und 160.Google Scholar
  6. 6.
    Hier mag auf einige arbeitsrechtliche Fragen hingewiesen werden. Insbesondere ist zu betonen, daß laufende Einzelarbeitsverträge unter der Herrschaft eines Tarifvertrages unverändert bleiben, auch wenn die übernehmende Aktiengesellschaft nicht tarifgebunden ist. Denn, wenn sie es auch nicht ist, solange sie nicht dem betreffenden Arbeitgeberverband beitritt, so behalten doch die Verträge ihren bisherigen Inhalt (vgl. Kaskel: S. 39 und Anm. 3 für den Fall der Veräußerung und der Erbschaft). Ob die Arbeitnehmer der übernommenen Aktiengesellschaft eine neue Betriebsvertretung wählen müssen, ist überhaupt keine Folge der Fusion, sondern der Betriebsverschmelzung (vgl. Kaskel und Hueck: Betriebsvertretung und Fusion, NZfA. 1928, Sp. 659ff.). So führt Kaskel (Sp. 664) mit Recht aus: „Geht ein Betrieb in dem andern auf, so geht seine Betriebsvertretung unter, die der aufnehmenden bleibt unberührt. Bilden mehrere Betriebe einen neuen Betrieb, so gehen alle bisherigen unter.“(Keine analoge Anwendung des §43 BRG.) Vgl. aber auch RArbG. in JW. 1928, S. 2649 bis 2650, mit Anm. von Oppermann.Google Scholar
  7. 1.
    Staub-Pinner: § 306, Anm. 14; Schmitt: S. 106.Google Scholar
  8. 2.
    Vgl. auch § 628, II.Google Scholar
  9. 3.
    Staub-Pinner: § 306, Anm. 14, § 231, Anm. 32; Münster: Einfluß der Fusion auf bestehende Vertrags Verhältnisse. Heidelberger Dissertation 1911, S. 62, N. 4; Rosendorff: Rechtliche Organisation der Konzerne, S. 117.Google Scholar
  10. 4.
    Staub-Pinner: §306, Anm. 14, §243, Anm. 8.Google Scholar
  11. 5.
    Vgl. RG. 81, S. 154.Google Scholar
  12. 6.
    Vgl. Wolff: SachR. § 152, Anm. 11; Friedländer: S. 106; OLGRspr. 34, S. 217; a. M. Predari bei Gruchot 58, S. 101; Blum: S. 326.Google Scholar
  13. 1.
    So Münster: S. 62, N. 4.Google Scholar
  14. 2.
    Der hiergegen erhobene Einwand Blums: S. 326, beweist höchstens, daß auch das von ihm gezeigte Ergebnis bedauernswert ist.Google Scholar
  15. 3.
    Vgl. auch Schmitt: S. 106ff.Google Scholar
  16. 4.
    Vgl. Staub-Pinner: §306, Anm. 14.Google Scholar
  17. 1.
    Vgl. Münster: a. a. O.; Friedländer: S. 105; Künstler: JW. 1929, S. 1105, mit weiterer Literatur.Google Scholar
  18. 2.
    Vgl. auch Münster: S. 62, N. 4.Google Scholar
  19. 3.
    Dagegen BayObLG. vom 20. Juni 1924, in zwei Entscheidungen, zitiert bei Künstler: a. a. O.Google Scholar
  20. 4.
    Vgl. RG. 69, S. 5611., 72, S. 16ff.; OLG. Düsseldorf bei Bauer: 16, S. 8; Gumbel in LZ. 09, S. 130; Fuld bei Holdheim: 16, S. 1; Kohler: S. 314; Friedländer: S. 108.Google Scholar
  21. 5.
    Kohler: S. 310.Google Scholar
  22. 6.
    So Flechtheim: JW. 1927, S. 1060.Google Scholar
  23. 7.
    ArchBürgR. 40, S. 310 ff.Google Scholar
  24. 1.
    Zuletzt JW. 1927, S. 1060ff.Google Scholar
  25. 2.
    Vgl. Kohler: S. 314; Friedländer: S. 96.Google Scholar
  26. 1.
    Vgl. ferner ders.: Rechtliche Organisation der Kartelle, S. 306; JW. 1927, S. 1061/62; ebenso Isay: Allg. BergG. II, S. 416; Isay-Tschiersky: KartellVO. §8, Anm. 61; Staub-Pinner: §306, Anm. 14; für das RG. offenbar: Friedländer: S. 100; sowie ferner Brodmann: §306, Anm. ib, und Weisbart bei Ring-Schachian: S. 513.Google Scholar
  27. 2.
    Zustimmend neuestens auch Haussmann: Unternehmenszusammenfassung, im Handwörterbuch der Rechtswissenschaft Bd. 6, S. 258. 1929.Google Scholar
  28. 3.
    Kipp: JW. 1926, S. 1809.Google Scholar
  29. 4.
    Vgl. JW. 1927, S. 1066.Google Scholar
  30. 1.
    So auch RG. 89, S. 357; Staub-Pinner: §306, Anm. 14; Kohler: S. 316; Friedländer: S. 349.Google Scholar
  31. 2.
    a. a. O., S. 1063.Google Scholar
  32. 3.
    Kartellrecht, S. 306.Google Scholar
  33. 1.
    Vgl. JW. 1926, S. 1809 mit Anm. von Kipp.Google Scholar
  34. 2.
    Vgl. darüber im einzelnen unten § 15.Google Scholar
  35. 1.
    Ähnlich auch Friedländer: S. 103, unter Hinweis auf §§ 1024, 1060, 1090, II BGB., was freilich, wie Flechtheim mit Recht betont, nicht einmal erforderlich ist.Google Scholar
  36. 2.
    Vgl. Blum: S. 327.Google Scholar
  37. 1.
    Vgl. Lenel: ArchZivPr. 79, S. 60; Zitelmann: ebenda Bd. 99, S. 103; RGZ. 70, S. 393.Google Scholar
  38. 2.
    v. Tuhr: S. 545.Google Scholar
  39. 3.
    Über einzelne Fälle vgl. auch noch Friedländer: S. 104/5.Google Scholar
  40. 4.
    Flechtheim: S. 1067.Google Scholar
  41. 1.
    So Münster: S. 62, N. 2; v. Cosel: S. 144; vgl. hierzu auch RG. in JW. 1926, S. 1809.Google Scholar
  42. 2.
    Vgl. auch den ähnlich liegenden Gedankengang bei Planck-Siber: Vorb. III 3 c zu §§ 275 – 292 BGB. über die Heranziehung der Grundsätze über Unmöglichkeit bei Befreiung des Schuldners infolge wichtiger Gegeninteressen oder überobligationsmäßiger Schwierigkeit auf Grund eines von ihm zu vertretenden Umstandes.Google Scholar
  43. 1.
    Vgl. Drumm: JW. 1927, S. 2976.Google Scholar
  44. 2.
    ZVersWiss. 1916, S. 23ff.; LZ. 1916, S. 584ff.Google Scholar
  45. 3.
    LZ. 1916, S. 442ff.Google Scholar
  46. 4.
    Zustimmend Stolzer in der Festschrift für Prange: S. 298ff.Google Scholar
  47. 5.
    LZ. 1916, S. 990ff.Google Scholar
  48. 6.
    RückversZ. 1924, Nr. 1. und JW. 1928, S. 547/48.Google Scholar
  49. 7.
    LZ. 1916, S. 885ff.; JW. 1927, S. 2976 (gegen ihn: Ehrenberg: LZ. 1916, S. 989ff.).Google Scholar
  50. 8.
    Weitere Ansichten noch bei Ritter: Das Recht der Seeversicherung 1924, S. 1187; ferner bei Weisbart: a. a. O., S. 513, der den § 745 BGB. analog anwenden will.Google Scholar
  51. 9.
    Vgl. auch Josef.Google Scholar
  52. 1.
    a. a. O. und bei Düringer-Hachenburg: S. 339, Anm. 8; vgl. auch Staub-Pinner: § 335, Anm. 2, § 339, Anm. 11; Heymann (Bremen): ZHR. 92, S. 228/29.Google Scholar
  53. 1.
    Vgl. Passow: S. 305.Google Scholar
  54. 2.
    Vgl. hierüber Staub-Pinner: § 179, Anm. 23ff., insbesondere Anm.27; Schmalenbach: S. 130ff.; Flechtheim: S. 1069.Google Scholar
  55. 3.
    Vgl. Weisbart bei Ring-Schachian: S. 514.Google Scholar
  56. 4.
    Vgl. hierzu auch Staub-Pinner: a. a. O., Anm. 27.Google Scholar
  57. 5.
    Es sei auch auf eine französische Parallele hingewiesen betr. die Rechte der parts de fondateurs = parts bénéficiaires. (C’est un titre, le plus souvent négociable, donnant droit à une quote-part des bénéfices de la société sans faire partie de son capital et sans permettre aucune immixtion dans son administration.) An einer gesetzlichenReglung fehlt es. (Vgl. Houpin-Bosvieux: Bd. 1, N. 512, S. 533.) — Es wird den Inhabern keine Klage auf Nichtigkeit der Fusion gewährt, wohl aber eine Schadensersatzklage, wenn die Fusion erfolgt aus anderen Gründen, que par la simple convenance des actionnaires. (Vgl. Houpin-Bosvieux: Bd. 1, N. 559, S. 580 und Anm. 2.)Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1930

Authors and Affiliations

  • Robert Goldschmidt
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

Personalised recommendations