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Zusammenfassung

Wie ich an anderer Stelle1 dargelegt habe, lassen sich aus den Krankheitsfällen, welche auf solchen vorwiegend erblichen Verbildungen der Keimanlage beruhen, die sich ausschließlich oder vorzugsweise am Zentralnervensystem auswirken, nur Typen, keine Krankheitseinheiten herausheben. Zwischen den am häufigsten vertretenen Typen, welche nach dem hervorstechendsten Symptom bezeichnet werden und als „Krankheiten“ gelten, gibt es sowohl zahlreiche fließende Übergänge als auch Kuppelungen; und nur soviel kann vorläufig als gesichert gelten, daß nicht alle denkbaren Zwischen- und Mischformen vorkommen. Daher wird es meines Erachtens die Aufgabe der nächsten Zukunft sein müssen, ein System der (wie ich es genannt habe) Lieblingsverbindungen zu schaffen, aus dem auch, wie Negativ aus Positiv, abzulesen ist, in welchem Maße bestimmte Typen sich gegenseitig ausschließen. Solange wir selbst darüber noch im Unklaren sind, ob das, was wir als erbliche Nervenleiden — mutatis mutandis gilt dies ja auch von den Seelenleiden! — originär oder symptomatisch ist, d.h. ob die Wurzeln dieser Krankheitsbilder wirklich in ursprünglich fehlerhaften Anlagen des Zentralnervensystems liegen oder aber anderer Systeme des Organismus — etwa bestimmter innerer Drüsen —, welche sich nur mit Vorliebe an jenem auswirken und damit das äußere Bild beherrschen, können wir ruhig die vorwiegend nach den Erscheinungsgebieten jahrzehntelanger Arbeit von der Neurologie herausgearbeiteten Typen zu Ausgangs- bzw.

Literaturhinweise

  1. 1.
    Dtsch. Zeitschr. f. Nervenheilk. 82, 9. 1924. Kehrer, Erblichkeitskreis I.Google Scholar
  2. 1.
    Wollten wir ganz korrekt sein, müßten wir künftighin immer statt „Hunting-tonsche Chorea“ „Huntingtonscher Typenkreis“ sagen. Da mir aus den dargelegten Gründen die Bezeichnung „Huntingtonsche Krankheit“ (Entres) nicht richtig erscheint, behalte ich statt dieser neuen Bezeichnungen die alt eingebürgerte bei.Google Scholar
  3. 2.
    Ich darf darauf hinweisen, daß ich mich um die Darlegung dieser Tatsache in der Monographie: Veranlagung zu Seelenstörungen (1924) ebenso bemüht habe wie in meinem Referat über die erblichen Nervenleiden (1924).Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1928

Authors and Affiliations

  • F. Kehrer

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