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Zusammenfassung

Die Erkrankungen des Zentralnervensystems, die dieser Abhandlung zugrundeliegen, haben das Gemeinsame, daß ihnen eigenartige, mit Tonusveränderungen gepaarte Bewegungsstörungen zugrunde liegen, die sich besonders deutlich vondem Pyramidenbahnsyndrom abheben. v. Strümpell gebührt hier das große Verdienst, aufbauend auf den feinsinnigen Feststellungen anderer Autoren und eingehenden Analysen eigener Beobachtungen den ganzen Komplex von Erscheinungen unter einem einheitlichen Gesichtswinkel betrachtet und die dabei auftretenden mannigfaltigen Bewegungsstörungen in der gemeinsamen Bezeichnung des „amyostatischen Symptomenkomplexes“zusammengefaßt zu haben. Wenngleich ich mit vielen Autoren in einzelnen Punkten von der Strümpellschen Auffassung abweiche und auch die Bezeichnung selbst nicht für glücklich und viel zu eng ansehe, so kann darin keine Herabsetzung der außerordentlichen Bedeutung liegen, mit welcher die Strümpellsche Autorität das ganze Gebiet befruchtet hat.

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Literatur

  1. 1).
    Die Monographie Bostroems: „Der amyostatische Symptomenkomplex“, klinische Untersuchungen unter Berücksichtigung allgemein-pathologischer Fragen, Berlin: Julius Springer 1922, lag bei Abschluß dieser Arbeit noch nicht vor und konnte daher nicht mehr berücksichtigt werden. (Anm. b. d. Korr.)Google Scholar
  2. 2).
    Das neueste Buch F. H. Lewys: „Die Lehre vom Tonus und der Bewegung“, Berlin: Julius Springer 1923, wurde mir erst nach Abschluß meines Manuskriptes durch die Liebenswürdigkeit des Autors und Verlegers in den Korrekturbogen zugänglich, ich habe daher dieses Werk nur mehr in für meine Fragestellung besonders wichtigen Punkten berücksichtigen können. Die Lewyschen Untersuchungen sind ja im wesentlichen anders orientiert als die meinen.Google Scholar
  3. 1).
    Nach dem heutigen Stande unseres tatsächlichen Wissens wird der Muskeltonus im wesentlichen pyramidal und extrapyramidal innerviert, wobei vielleicht der vegetativen Innervation (E. Frank, de Boer, die japanische Schule, insbesondere Kuré u. a.) ein mehr indirekter Einflußeingeräumt werden muß. Le wy betont letztere ganz besonders, während sich v. Weizsäcker in kritischen Ausführungen gegenüber allen bisherigen Tonustheorien sehr skeptisch äußert. Nach ihm erscheint das, was für eine Doppelfunktion des quergestreiften Skelettmuskels spricht, so gering, daß wir vorläufig auf dem Standpunkt beharren müssen, die Funktion des Skelettmuskels als eine einheitliche aufzufassen (Hansen, Hoffmann, v. Weizsäcker). Auch die physiologischen Untersuchungen Weigeldts 1921 entsprechen denen dieser Autoren. Toenissen meint in seinem kritischen Referat über die Bedeutung des vegetativen Nervensystems für die Wärmeregulation und den Stoffwechsel (Klin. Woch. Bd. 2, S. 1. 1923): „Die vegetative Innervation beeinflußt den vitalen, spezifisch stofflichen Umsatz derMuskulatur (Kreatinstoffwechsel), und es ist wohl sicher, daß durch eine Änderung dieses Stoffwechsels neben anderen vitalen Funktionen der Muskelzellea uch der Tonus wenigstens im gewissen Grade beeinflußt wird, im wesentlichen ist aber der Muskeltonus von der willkürlich-motorischen und extrapyramidalen Innervation abhängig. “Auch Spiegel (Zur Physiologie und Pathologie des Skelettmuskeltonus. Zeitschrift f. d. ges. Neurol. und Psych. Bd. 81. H. 5. 1923) hält alle dualistischen Anschauungen in der Tonuslehre für ncoh völlig unbewiesen und kommt zu der Auffassung, daß an den Vorderhornzellen sowohl jene zentralen Mechanismen angreifen, welche der Fortbewegung dienen, als auch jene, welche die Haltung der Skelettmuskulatur (Tonus) beherrschen.Google Scholar
  4. 1).
    Nach Spiegel (1923) beruht der Rigor des Parkinsonismus auf einer hochgradigen Erhöhung der Bremsung, jener Vorrichtung, die den Muskel in seiner ursprünglichen Ruhelänge zu erhalten sucht (Rieger).Google Scholar
  5. 1).
    Vgl. auch die klinische Studie C. Rosenthals: Torsionsdystonie u. Athetosedouble Arch. f. Psych. u. Neur. Bd. 68, H. 1 u. 2. 1923.Google Scholar
  6. 2).
    Wartenberg, R., Zur Klinik u. Pathophysiologie der extrapyramidalen Bewegungsstörungen. Z. f. d. ges. Neur. u. Psych. Bd. 83. 1923.Google Scholar
  7. 1).
    Vgl. auch die neue Abhandlung von Kleist: „Die psychomotorischen Störungen und ihr Verhältnis zu den Motilitätsstörungen bei Erkrankungen der Stammganglien“. Monats-schr. f. Psychiatrie u. Neurol. Bd. 52. 1923.Google Scholar
  8. 2).
    Ich beschränke mich hier aus praktischen Gründen auf diese Hauptzentren, obwohl ich der Überzeugung bin, daß die zahlreichen grauen Kerne, die noch in dieser Gegend liegen, in Beziehung zu diesem System stehen. Da wir aber über ihre anatomischen Verhältnisse und ihre Bedeutung noch nichts Sicheres wissen, kann eine Diskussion über all die Streitfragen nicht dem Zwecke der vorliegenden Abhandlung dienen.Google Scholar
  9. 1).
    Den Basalkern (N. ansae pedunc. sive subst. innom. sive plan, septi u. dgl.) schalte ich bei meiner Darstellung aus, da wir noch zu wenig über seine Abgrenzung, seine Bahnverbindungen und seine Bedeutung im System wissen. Eine direkte Homologisierung der einzelnen hier liegenden Kerngruppen in der aufsteigenden Tierreihe ist bei den großen morphologischen Verschiebungen in dieser Hirngegend heute noch unmöglich trotz der vorzüglichen Studien der Edinger- und Kappersschen Schule. Nach Kappers besteht das Paläostriatum bei den Amphibien nur aus dem Basalkern, dem ein kleines „primäres“Epistriatum nach vorn übergelagert ist, Fasern aus dem Tractus olfactorius aufnehmend. Bei den Reptilien wird durch die Entwickelung der tertiären Riechfasern dieses primäre Epistriatum zum sekundären „Epistriatum“oder „Archistriatum“. Bei den Reptilien zeigt sich auch schon ein Neostriatum vor dem Paläostriatum, entstehend durch Einwärtswachstum der Hemisphärenwände. In der weiteren Tierreihe verschiebt sich dieses Neostriatum die obere Seite des Paläostriatum entlang, das Archistriatum nach hinten und unten drückend in die Basis des Uncus, wo man es als Nucleus amygdalae wiederfindet.Google Scholar
  10. 1).
    Nach neueren Untersuchungen von Kappers (De ontogen. ontwikkeling van het Corp. striatum der vogels en een vergelijking met de verhoudingen bij de zoogdieren en den mensch. Verslag van de Gewone Vergaderingen der Wis- en Natuurkundige Afdeeling, Deel XXXI, 9, 10. 1922) entwickelt sich das Neostriatum teils aus der Mantelwand, teils aus der Basis des Vorderhirns dicht hinter dem Niveau des Lob. olfact. ant.Google Scholar
  11. 1).
    Die mediale Begrenzung des Caudatum auf Frontalschnitten (vgl. Abb. 1) gibt eine Einkerbung, in der zumeist ein größeres Gefäß verläuft; medial von ihr liegen Gruppen von Ganglienzellen von pallidärem Charakter, andere ähneln jenen grauen Kernen, die weiterhin dem dritten Ventrikel benachbart sind. Aus entwickelungsgeschichtlichen Gründen wird diese Grenzlinie von Kappers „Fiss. neo-palaeostriata“genannt, ich bezeichne sie, da ich die Ausdrücke „Neo- und Paleostriatum“nicht gebrauchen will, „Fissura strio-pallida.“Google Scholar
  12. 2).
    Lewy unterscheidet hier 4 Typen, die man aber im Nisslbild nicht genau abtrennen kann.Google Scholar
  13. 1).
    Kappers hat jedoch jüngst (1. c. 1922) die Ansicht ausgesprochen, daß das Pallidum aus der „Fortsetzung der Vorderseitenwand des Recessus praeopticus“entsteht, also telencephalen Ursprungs ist. Diese Frage bedarf noch weiterer Klärung. — Aus den in meinem Laboratorium unternommenen entwicklungsgeschichtlichen Untersuchungen des menschlichen Gehirns von Hajashi — Tokio geht hervor, daß sich das Pallidum in deutlichem Zusammenhang mit dem Hypothalamus entwickelt.Google Scholar
  14. 1).
    Nach neueren Untersuchungen von Ingvar im Kappersschen Institut gehört aber der N. rotundus zu den dorsalen Thalamuskernen, so daß er nicht mit dem Corp. Luysi homologisiert werden kann (persönliche Mitteilung von Herrn Dr. Ingvar).Google Scholar
  15. 1).
    Melaninhaltige Ganglienzellen zeichnen ferner noch den sympathischen X-Kern und die Zellgruppen des Locus coeruleus (Oculomotorius- und Trigeminus-Anteils) aus. Über die Bedeutung des Melanins wissen wir nichts Sicheres.Google Scholar
  16. 1).
    Das rubrospinal Bündel verläuft zum kleineren Teil ungekreuzt, größtenteils kreuzt es in der Decussatio Foreli und zwar bereits in Höhe der hinteren Ebenen des roten Kerns. (Im Schema Abb. 11 sind die gekreuzten Fasern der Übersichtlichkeit wegen fortgelassen.)Google Scholar
  17. 1).
    Nähere Ausführungen hierüber finden sich für den interessierten Leser vornehmlich in den diesbezüglichen Arbeiten von C. und O. Vogt, Pollak, Wilson, Jelgersma, v. Economo, Spiegel, J. und A. D éj érine.Google Scholar
  18. 1).
    Weitere Untersuchungen an normalem und pathologischem Material machen es mir sehr wahrscheinlich, daß auch noch andere thalamische Kerngebiete, besonders der laterale Kern (l), mit dem Striopallidum in zuleitender und mit dem Pallidum in ableitender Faserverbindung stehen.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von Julius Springer 1923

Authors and Affiliations

  • A. Jakob
    • 1
  1. 1.Anatomischen Laboratoriums der Staatskrankenanstalt und Psychiatr. UniversitätsklinikHamburg-FriedrichsbergDeutschland

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