Zusammenfassung

Die Geschichte der Phthise kennt drei Versuche synthetischer Auffassung des krankhaften Einzelgeschehens, der Betrachtung unter dem Gesichtspunkte einer übergeordneten und komplexeren planhaften Handlung. Eine solche Betrachtung geht im Altertum von konstitutionellen Gegebenheiten und der Tatsache des allgemeinen Körperschwundes aus (Hippokratiker, Aretaios, Galenos); in der Naturphilosophie der Romantikerzeit — vor etwa hundert Jahren — ist es der Lebensaltergedanke, der die Verschiedenheit der Tuberkuloseformen erkennt und als zu einem einheitlichen Gesamtgeschehen gehörig wertet (Reil, Malfatti u. a.), der gegenwärtigen Heilkunde hat die Lebensarbeit der ROB. KOCH, BEHRING, RÖMER und RANKE den Immunitätsgedanken zur Erfassung der Tuberkulose als Ganzheitsablaufs gewiesen, der mit der Gesamtheit der spezifischen Beziehungen der Person zum Virus bestimmt ist.

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Literatur

  1. 1.
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  10. 1.
    Der Ausdruck „Interferenz“, den ich gleichbedeutend mit „Interposition“von Stadien gebraucht habe, ist — wie ich sehe — leider mißverstanden worden (Curschmann, Brauers Beitr. 69, H. 5 (1928). Ein Nebeneinander verschiedener Stadien im Sinne eines „verschiedenen Entwicklungs- und Wachstumstempos zweier koexistenter Abläufe“habe ich seinerzeit ausdrücklich abgelehnt (Zur Frage der Pubertätsphthise. Brauers Beitr. 60, 321). Zur gleichen Zeit kann natürlich nur eine Allergieform vorhanden sein. Unter „Interferenz“verstehe ich das Dazwischenkommen etwa einer isolierten Phthise zwischen eine anteund posttertiäre Verallgemeinerung, also im Prinzip genau das gleiche wie Ranke, nur daß es für diesen eine posttertiäre Verallgemeinerung nicht gab. Es entgeht übrigens Curschmann, daß Ranke selbst wörtlich schrieb: „Das Gebiet der Phthise zerfällt, je nachdem es sich um eine isolierte Phthise handelt oder um ein Anteponieren tertiärer Erscheinungen bei noch fortbestehenden sekundären Prozessen, in zwei Hauptgruppen.“(Dtsch. Arch. 119, S. 367).Google Scholar
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    Verhältnismäßig schwer zu deuten sind die Verhältnisse nur bei der angeborenen Tuberkulose. Hier haben wir gewöhnlich mit dem Sitz der Primärveränderungen im Mutterkuchen zu rechnen. Anderseits ist mit Baumgarten spurloser Virusdurchtritt in die fetalen Gewebe als möglich anzunehmen. Dafür sprechen vor allem die Virusbefunde in fetalen Organen und der Placenta ohne Herde. Es würde dann beim Kinde früher oder später zur Ausbildung des Primärkomplexes kommen. Auch im ersten Lebenshalbjahr tuberkulös erkrankende Säuglinge zeigen das klassische Bild des pulmonalen Primärkomplexes (Ghon), nicht aber einen gleichmäßigen allgemeinen käsigen Organzusammenbruch.Google Scholar
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    Herrn Dr. A. Albert verdanke ich u. a. den freundlichen Hinweis auf Rankes Schlußwort nach seinem Münchener Vortrag (Münch. med. Wsch. 1917, S. 917). Danach, wie nach gleichlautenden Aussprachen Alberts mit Ranke ist anzunehmen, daß dieser die anergische Endperiode als atypische aus dem Stadienaufbau herausfallende Form ansah. Das gilt sowohl für die von Beitzke neuerdings wieder herausgestellten posttertiären Lymphknoten verkäsungen wie die von Lydtin angeführten Beobachtungen aus dem russischen Gefangenenlager in Sibirien.Google Scholar
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    Bemerkungen zur klinischen Diagnose der Entwicklungsformen der menschlichen Tuberkulose. Münch. med. Wschr. 1922, 72. Bemerkungen zum Schrifttum über Ranke und seine Lehre. Ranke selbst gab eine kurze Zusammenfassung seiner Lehre in verschiedenen Vorträgen, so in dem über die Entwicklungsformen der menschlichen Tuberkulose (10. Vers. d. Tuberkuloseärzte 1917) und dem über primäre, sekundäre und tertiäre Tuberkulose des Menschen (Münch. med. Wschr. 1917, Nr 10). Eine Ranke-Bibliographie enthält sein posthum herausgegebenes philosophisches Hauptwerk: Die Kategorien des Lebendigen. München: C. H. Beck 1928, 703–705. Hier hat der Herausgeber dieses Werkes, Manfred Schröter, eine tiefdringende Einführung in Rankes Leben und Schaffen niedergelegt sowie Sauerbruch im Geleitwort seine Verdienste um die Tuberkuloseforschung gewürdigt. An Nachrufen besitzen wir den von hoher Warte geschriebenen Ulricis (Klin. Wschr. 1927, Nr 5) und die, die Größe der Persönlichkeit meisterhaft herausarbeitenden von Albert (Die Tuberkulose 1927, Nr 1) und Baer (Münch. med. Wschr. 1926), seiner Freunde und Mitarbeiter sowie den von Gähwyler: Schweiz, med. Wschr. 1928, Nr 16. Darstellungen der Rankeschen Lehre gaben Schürmann in „Ablaufs- und Erscheinungsformen der Tuberkulose des Menschen. Brauers Beitr. 57, 185 (1923)“sowie in,,Der Primärkomplex Rankes unter den anatomischen Erscheinungsformen der Tuberkulose“. Virchows Arch. 260, 664 (1926), ferner Schmincke in „Einige grundsätzliche Tuberkulosefragen“. Münch. med. Wschr. 1926, 1223 und Sekundärstadium der Tuberkulose vom anatomischen Standpunkt. Brauers Beitr. 62, 221 (1925) sowie Herausgeber in Die allgemeinen pathomorphologischen Grundlagen der Tuberkulose. Berlin: Julius Springer 1927. Endlich vgl. man noch die sehr beachtliche, wegweisende Studie von A. Albert: Kritisches über Reinfektion bei Tuberkulose. Brauers Beitr. 68, 3 (1928).Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1928

Authors and Affiliations

  • K. E. Ranke
    • 1
  1. 1.Universität MünchenMünchenDeutschland

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