Das statistische Schaubild

  • Wilhelm Winkler
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 12)

Zusammenfassung

Hat die statistische Tabelle den Zweck, dem Leser alle Einzelheiten des dargestellten Stoffes zu vermitteln, wobei sich für das geübte Auge unter Umständen, z. B. bei Beurteilung der Kurvengestalt einer zeitlichen oder sachlichen Reihe oder der in einer Tabelle hervortretenden Korrelation, auch ein Gesamtüberblick ergeben kann, so hat das statistische Schaubild nahezu ausschließlich den Zweck, einen solchen Überblick leicht und schnell zu vermitteln. Das Schaubild soll etwas zeigen, darf somit alle Mittel verwenden, die den zu zeigenden Tatbestand recht augenfällig machen. Das statistische Schaubild darf eine Absicht verfolgen, es darf tendenziös sein. Damit verläßt es aber den Boden der strengen Wissenschaft und bildet ein Grenzgebiet der Wissenschaft und Politik (Bevölkerungspolitik, Wirtschaftspolitik, Nationalitätenpolitik usw.). Ein Beispiel soll dies veranschaulichen. Wir konnen, wie in Abb. 16 auf S. 107, den Geburtenruckgang als Kurve in einem Koordinatensystem darstellen. Für die Wahl der Maßstäbe auf der Abszissen- und der Ordinatenachse kann eine objektive Kegel nicht aufgestellt werden. Wählen wir nun den Maßstab auf der Ordinatenachse klein, die Jahresabstände auf der Abszissenachse aber groß, so wird der Rückgang geringfügig erscheinen. Vertauschen wir dagegen das Verhältnis der Maßstäbe, so wird sich ein erschreckender Sturz der Geburten ergeben. Es kann also der gleiche Gegenstand, je nachdem er von einem bevölkerungspolitischen Optimisten oder Pessimisten dargestellt wird, ein ganz verschiedenes Bild liefern. Dieses Beispiel macht uns auch das Verhältnis von Tabelle und Schaubild klar. Niemals darf der Statistiker auf die Tabelle verzichten. Sie ist und bleibt die Grundlage seiner Arbeit. Das Schaubild kommt als ein willkommener Behelf hinzu, indem es manche Zusammenhänge klarer als die Tabelle hervortreten läßt; es kann aber niemals die Zahlentabelle ersetzen. Darum wird der Statistiker in einer ernsten Darstellung manchmal auf ein Schaubild, niemals aber auf die Tabelle verzichten können.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1931

Authors and Affiliations

  • Wilhelm Winkler
    • 1
  1. 1.Universität WienÖsterreich

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