Berücksichtigung der Schwerhörigkeit bei der Erziehung in Haus und Schule

  • F. Göppert
Part of the Enzyklopaedie der Klinischen Medizin book series (EKM)

Zusammenfassung

Es ist dringend nötig, daß die Eltern sich mit Kindern, die von früher Kindheit an schwerhörig sind, energischer beschäftigen. Es gibt Gruppen von Kindern, die schon bei geringer Schwerhörigkeit, ja in seltenen Fällen selbst ohne solchen Fehler akustische Reize wenig beachten. Abgesehen von diesen pathologischen Kindern werden stark schwerhörige, intelligente Kinder durch Schärfung ihrer anderen Sinne und nicht durch Übung der Hörreste den Defekt auszugleichen sich bemühen. Es ist daher das Kind zur akustischen Aufmerksamkeit direkt zu erziehen. Kleine Musikinstrumente, ja mitunter das Grammophon, ebenso Erziehung zum Singen sind notwendig, damit das Kind seine Aufmerksamkeit auf Hörreize konzentrieren lernt. Unaufmerksamkeit ist gerade bei Schwerhörigen noch mehr zu bekämpfen als bei Gesunden. In der Schule ist schon von 4 m Flüstersprache an ein besonderer Platz nötig. Bei einseitiger Herabsetzung des Hörvermögens ist auch beim normalen anderen Ohre das Kind so zu setzen, daß das gesunde Ohr dem Lehrer zugewandt ist. Für stärker Schwerhörige hat Hartmann mit Recht besondere Klassen verlangt. Von 2 m Flüstersprache an ist eine derartige besondere Berücksichtigung wohl für alle obligatorisch. Denn selbst für das strebsamste Kind ist die Notwendigkeit einer extremen Anspannung der Aufmerksamkeit, wie es die normale Schulklasse erfordert, eine schwere Aufgabe.

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© Julius Springer in Berlin 1914

Authors and Affiliations

  • F. Göppert
    • 1
  1. 1.Universitäs-KinderklinikGöttingenDeutschland

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