Zusammenfassung

Die zunehmende Erkenntnis der Funktion der Blutdrüsen hat gezeigt, daß eine Reihe von Erkrankungen, für die man früher keine Ursache nachweisen konnte und die man wegen ihrer Eigenart, wegen der in den Vordergrund tretenden Allgemeinerscheinungen, oder wegen der starken Betonung der nervösen Symptome, oder endlich wegen der Änderungen von Seiten des Stoffwechsels als Konstitutionskrankheiten, als Neurosen, oder als Stoffwechselkrankheiten gedeutet hat, auf Erkrankung der Blutdrüsen zurückzuführen sind. Verhältnismäßig frühzeitig gelang es, für die Schilddrüse gewisse Krankheitsbilder zu ermitteln. Die Operationen Billroths an der Schilddrüse waren Veranlassung, die Tetanie mit der Thyreoidea in Beziehung zu bringen und gaben Anstoß zu einer Reihe von Tierversuchen. Wissen wir auch heute, daß die Tetanie mit der Schilddrüse nichts zu tun hat, sondern mit den Epithelkörpern in Beziehung steht, so war doch das Augenmerk der Chirurgen auf die vitale Bedeutung der Schilddrüse gelenkt und konnten Reverdin und Kocher bald darauf das Symptomenbild der Cachexia strumipriva zeichnen. Die Ähnlichkeit dieses Zustandes mit den von Gull, Ord, Charcot beim Menschen auch ohne Schilddrüsenoperation beschriebenen Veränderungen, die Ord als Mxyödem bezeichnete, war Veranlassung, diese Zustände auch auf die Schilddrüse zu beziehen. Seither ist der Funktionsausfall der Schilddrüse als Ursache einer Reihe von Zuständen sichergestellt, die als Hypothyreosen bezeichnet werden können und eine klinisch gut charakterisierte Gruppe bilden.

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1917

Authors and Affiliations

  • F. Chvostek
    • 1
  1. 1.Universität WienAustria

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