Unreife und Lebensschwäche

  • Kurt Walcher
Part of the Gerichtliche Medizin in Einzeldarstellungen book series (GME, volume 1)

Zusammenfassung

Ein Kindsmord kann selbstverständlich auch an einer unreifen Frucht begangen werden. Seitens der Justizbehörden wird freilich bei einer unreifen Frucht regelmäßig die Frage gestellt, ob sie lebensfähig gewesen sei, bzw. ob sie fähig gewesen sei, das Leben außerhalb des Mutterleibes fortzusetzen. Hier gibt es naturgemäß keine scharfe Grenze, wie man etwa aus den ministeriellen Bestimmungen entnehmen könnte, nach denen die gerichtliche Öffnung einer Frucht dann unterbleiben kann, wenn die Frucht offenbar vor Vollendung der 26. Schwangerschaftswoche geboren wurde, wenn die Öffnung nicht vom Richter ausdrücklich gefordert wird. Wir sprechen bei erheblich unreifen Kindern von bedingter Lebensfähigkeit. Damit ist gemeint, daß eine solche Frühgeburt unter Umständen am Leben erhalten werden kann, wenn besondere Maßnahmen dafür getroffen werden. Manche Autoren haben sich gegen den Begriff Lebensfähigkeit gewandt, indem sie das Hereinziehen eines derartig irrationalen Begriffes in das Gutachten für bedenklich erklärten; es sei besser, meinen sie, zu sagen, lebensfähig sei eine Frucht, die tatsächlich gelebt hat, bzw. die längere Zeit gelebt hat. Nach YLPPÖ genügt es für die Beurteilung der Lebensfähigkeit einer Frühgeburt, wenn man sich an das Geburtsgewicht hält und das klinische Verhalten dabei berücksichtigt. Bei den forensischen Fällen freilich, bei denen das klinische Verhalten infolge der Unsicherheit der Aussagen der Kindsmutter nicht exakt beurteilt werden kann, bestehen erheblich größere Schwierigkeiten; man wird den ganzen anatomischen Zustand deshalb zur Beurteilung heranziehen und sich natürlich nicht etwa nur mit dem Fehlen der sogenannten klassischen Reifezeichen begnügen.

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© Springer-Verlag OHG in Berlin 1941

Authors and Affiliations

  • Kurt Walcher
    • 1
  1. 1.Instituts für gerichtliche Medizin und KriminalistikUniversität WürzburgDeutschland

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