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Deutung der Befunde und Zusammenschau klinisch-psychopathologischer und pneumencephalographischer Bilder

  • Gerd Huber
Chapter
Part of the Monographien aus dem Gesamtgebiete der Neurologie und Psychiatrie book series (MONOGRAPHIEN, volume 79)

Zusammenfassung

Bei der Beurteilung und Bewertung unserer insgesamt 244 Pneumencephalogramme war zunächst eine im 2. Hauptteil durchgeführte Abgrenzung des Normalen gegen das Pathologische allein auf Grund des pneumencephalographischen Bildes notwendig. Schon diese Entscheidung, ob und in welchem Ausmaß ein pneumencephalographischer Gesamt- oder Teilbefund als pathologisch zu gelten hat, stellt streng genommen den ersten Schritt einer über die reine Beschreibung hinausgehenden Deutung dar, die sich jedoch auf Grund der an einem großen neurologisch-psychiatrischen Krankengut seit Einführung der Pneumencephalographie bis heute gewonnenen Unterlagen auf eine breite empirische Grundlage stützen kann und an Hand des Pneumencephalogramm-Materials jederzeit objektivierbar und nachprüfbar wird (s. Teil A). Die jetzt interessierende und viel wichtigere Frage ist jedoch die der Genese der aufgefundenen und in Teil B beschriebenen pathologischen pneumencephalographischen Befunde, d. h. die Frage, ob der pathologische pneumencephalographische Befund in Beziehung steht zu dem klinisch-psychopathologischen Krankheitsbild der endogenen Psychose und weiter, welcher Art diese Beziehung ist.

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Literatur

  1. 1.
    Die Existenz eines sogenannten „idiopathischen“angeborenen Hydrocephalus (im Sinne einer anlagemäßigen Liquorsekretionsstörung) muß heute bezweifelt werden, da bei der Sektion in jedem Fall von Hydrocephalus die zugrundeliegende Störung aufzufinden ist (Dandy, Stutte).Google Scholar
  2. 1.
    Schiffer stellte aus dem Encephalogramm-Material der Kretschmerschen Klinik 163 Fälle zusammen, die eine „isolierte“— d. h. nicht mit eindeutig pathologischen Veränderungen an den übrigen Ventrikelabschnitten verbundene — Erweiterung des 3. Ventrikels zeigten und fand diesen röntgenologischen Befund bei verschiedenen psychiatrischen und neurologischen Krankheitsbildern ohne Koppelung an bestimmte klinische Syndrome (besonders häufig aber bei Epilepsie und pseudopsychopathischen Bildern), während sich ihm bei der konstitutionsbiologischen Auswertung eine deutliche Betonung endokriner, sexualpathologischer und dysplastischer Varianten ergab.Google Scholar
  3. 1.
    Zwar hat man bei letal verlaufenen und bei später interkurrent verstorbenen Therapiefällen grundsätzlich gleiche histologische Hirnveränderungen festgestellt wie bei spontanen Krämpfen; doch wird die Schockbehandlung, bei der die Gefährdung nach den Erfahrungen von Scholz in erster Linie auf der mangelnden Erholungszeit bei Krampfserien beruht, bei schonender Dosierung der Krämpfe „meist ohne merkbaren bleibenden Schaden” vertragen (Scholz, Scholz u. Hager).Google Scholar
  4. 1.
    Daß nicht jeder Druck, der zur Erweiterung des 3. Ventrikels führt, auch zu einer Erweiterung der übrigen Ventrikel führen muß, hat Stenvers 1936 in seinem Handbuchartikel durch den Hinweis auf die unterschiedliche Stärke des Bodens des 3. Ventrikels einerseits und des Hirnmantels andererseits zu erklären versucht.Google Scholar
  5. 2.
    Vom Referenten hervorgehoben.Google Scholar
  6. 1.
    Die verschiedenen Vorstellungen, die im einzelnen hinsichtlich des Zustandekommens der schizophrenen Leibgefühlstörungen möglich sind, können hier nicht erörtert werden. Man kann wie bei den thalamischen Spontanschmerzen und der Hyperpathie an eine Beizung thalamischer Kerngebiete bzw. der im Thalamus endigenden sensiblen Fasern, einen Ausfall des epikritischen Systems der Schleifen-Thalamus-Rindenbahn (Förster) oder eine Schädigung einer cortico-thalamischen Hemmungsbahn durch Unterbrechung im lateralen Thalamuskern (Head u. Holmes) denken. Lhermitte glaubt, daß bei Zerstörung des thalamischen Filters sonst zurückgehaltene Reize zur Rinde und damit zum Bewußtsein gelangen. Die Genese der thalamischen Hyperpathie und Spontansensationen ist letztenendes, wie die voneinander abweichenden Deutungen dieser und einer Reihe anderer Autoren zeigen, nicht geklärt; die pathophysiologische Erklärung der thalamischen Spontanschmerzen bleibt auch heute, wie Gottschick feststellt, weitgehend in der Theorie stecken.Google Scholar
  7. 1.
    Besonders die Erfahrungen bei der Encephalitis epidemica ließen die schon früher bemerkte Situationsabhängigkeit im Bereich sicher organischer, neurologisch extrapyramidaler Störungen erkennen, auf die kürzlich Bräutigam in einer anthropologischen Studie hingewiesen hat.Google Scholar
  8. 1.
    Wir sehen hier davon ab, daß das physiopathologische Wesen der thalamischen Spontansensationen unklar ist, es sieh dabei auch um ein Ausschaltungs- bzw. Enthemmungssymptom handeln kann (s. Bern. 1 S. 183).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag OHG. Berlin · Göttingen · Heidelberg 1957

Authors and Affiliations

  • Gerd Huber
    • 1
  1. 1.Psychiatrischen und Neurologischen KlinikUniversität HeidelbergDeutschland

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