Zusammenfassung

Die Gruppe der sogenannten „endogenen“ Psychosen (Schizophrenie und Cyclothymie) hat bis heute und unverändert seit der Kraepelinschen Ära ihre Sonderstellung zwischen den körperlich begründbaren Psychosen bei bekannten organischen Gehirnerkrankungen und den Variationen seelischen Wesens beibehalten und immer wieder sind alle Bemühungen auf neuroanatomischem oder pathophysiologischem Gebiet gescheitert, bei den beiden Formen der Schizophrenie und der Cyclothymie (= manisch-depressives Irresein) eine — primäre oder sekundäre — Gehirnkrankheit nachzuweisen. Bei diesem nach Jahrzehnten intensiver Forschung im ganzen immer noch negativen Ergebnis aller auf die Entdeckung einer Somatose Schizophrenie gerichteten Untersuchungen ist man vielerorts nicht mehr gewillt, geduldig weiter auf die Auffindung des Morbus Schizophreniae zu warten und eher bereit, das Krankheitspostulat bei der Schizophrenie und Cyclothymie aufzugeben und alle Hoffnungen auf die psychologische Forschung und psychogenetische Deutung zu setzen. Diese sich anbahnende Wandlung in der Schizophrenieauffassung kommt sehr deutlich in dem letzten großen, von M. Bleuler erstatteten Schizophreniereferat (1951) zum Ausdruck.

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Literatur

  1. 1.
    Wir behalten hier diese Bezeichnung trotz ihrer neuerdings noch von Kurt Schneider (Klinische Psychopathologie 1955) herausgestellten Fragwürdigkeit bei und verstehen darunter immer die körperlich bis heute nicht faßbaren Psychosen „Schizophrenie“ und „Cyclothymie“ mit all ihren Übergängen und atypischen Zwischen-Fällen im Unterschied zu den körperlich faßbaren, auf eine bekannte Gehirnerkrankung zurückführbaren Psychosen, die wir der Einfachheit halber, der klinischen Umgangssprache folgend, oft kurz als „organische“ Psychosen bezeichnen.Google Scholar
  2. 1.
    Steiner u. Strauss schreiben auf Seite 287 des Schizophrenie-Bandes: „Jacobi u. Winkler glaubten durch encephalographische Studien bei chronischen Schizophrenen in 18 bei 19 Fällen einen deutlichen Hydrocephalus internus feststellen zu können. Selbst wenn dies richtig wäre (vom Ref. hervorgehoben!), so beweist es natürlich nichts für die Pathogenese des schizophrenen Prozesses“.Google Scholar
  3. 2.
    Vom Referenten hervorgehoben.Google Scholar
  4. 3.
    Auf Seite 397 seines Lehrbuches (2. Aufl. 1948) schreibt er: „Die geringen Unregelmäßigkeiten des Ventrikulogrammsund ein gelegentlich beobachteter leichter Hydrocephalus internus besagen nichts“.Google Scholar
  5. 1.
    Neuerdings (1956) verweist Peters auf die „zahlreichen, bei Sektionen gemachten Feststellungen der fehlenden Hirnatrophie“.Google Scholar
  6. 2.
    In seiner Monographie (1911) schreibt E. Bleuler : „Die Anatomie zeigt uns in vorgeschrittenen Fällen eine leichte Hirnatrophie“.Google Scholar
  7. 1.
    Morel u. Wildi fanden histologisch nur in etwa 10% ihrer Fälle eine akute Schwellung der Ganglienzellen und glauben, durch diesen negativen histologischen Befund eine Hirnschwellung ausschließen zu können ; doch ist gerade die Hirnschwellung nach Auffassung maßgeblicher Autoren durch das Fehlen eines histologischen Befundes gekennzeichnet (Peters, Jaburek).Google Scholar
  8. 1.
    Man kann allenfalls die Breite einzelner Furchen der Hirnoberfläehenzeichnung messen, die nach Davidoff u. Dyke normalerweise selten größer ist als 0,3 cm.Google Scholar
  9. 2.
    Russel fand leichte Ventrikelerweiterungen mit geringer Trübung der Hirnbasismeningen als Zufallsbefund bei Todesfällen, die wegen einer nicht cerebralen Erkrankung zur Autopsie kamen und bei denen eine Meningitis in der Anamnese nicht bekannt war. Allerdings fehlen nähere Daten über die psychische Verfassung solcher Patienten.Google Scholar
  10. 1.
    Von einer nennenswerten Variabilität der Weite des 3. Ventrikels in Abhängigkeit von den praktisch vorkommenden, geringgradigen Abweichungen der Kopflagerung (Heidrich), insbesondere einer mehr oder weniger starken Mentalwärtsneigung konnten wir uns bei zahlreichen Fällen, in denen wir beim gleichen Patienten unmittelbar hintereinander a.p.-Aufnahmen mit stärker oder geringer angezogenem Kinn anfertigten, nicht überzeugen. Wir fanden, daß bei der praktisch in erster Linie als Fehlerquelle in Betracht kommenden, nicht ausreichenden Mentalwärtsneigung die Weite des 3. Ventrikels eher geringer erscheint als bei ausreichend angezogenem Kinn, d. h. Projektion der Pyramidenkanten in die Mitte der Orbitae.Google Scholar
  11. 1.
    Die Bezeichnung Cyclothymic wird, Kurt Schneider folgend, für das zirkuläre oder manisch-depressive „Irresein“ im ganzen Umfange gebraucht.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag OHG. Berlin · Göttingen · Heidelberg 1957

Authors and Affiliations

  • Gerd Huber
    • 1
  1. 1.Psychiatrischen und Neurologischen KlinikUniversität HeidelbergDeutschland

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