Advertisement

Die Pulswellengeschwindigkeit

  • Ernst Gadermann
  • Horst Jungmann

Zusammenfassung

Der Funktionszustand der Gefäßmuskulatur ist der Untersuchung am Menschen nicht direkt zugänglich. Neben der Pulsform ist die Pulswellengeschwindigkeit das einzige Symptom, das gewisse Rückschlüsse unter Beachtung des Blutdrucks und des Lebensalters auf den „Tonus“der großen Arterien zuläßt. Die arterielle Druckwelle läuft nicht nur mit hoher Geschwindigkeit durch das Arteriensystem, sie wird auf ihrem Lauf auch noch beschleunigt und erreicht normalerweise die peripheren Verzweigungen vor dem Ende der Systole. Im Durchschnitt beträgt die Zeit von der Öffnung der Aortenklappen bis zum Auftauchen der Pulswelle in der Fußarterie 180 msec, die normale Systolendauer etwa 300 msec. Das bedeutet, daß gegen Ende der Systole des Herzens im gesamten Arteriensystem vom linken Ventrikel bis zu den Fußarterien für kurze Zeit ein maximaler systolischer Druck gleichzeitig herrscht. Zu diesem Zeitpunkt hat die Pulswelle eine vom Herz bis zum Fuß reichende Ausdehnung. Die landläufige Vorstellung, die Pulswelle werde durch die Arterien wie eine Wasserwelle über einen Teich fortgeleitet, oder das Gefäßrohr wie der Leib einer Schlange durch ein verschlungenes Kaninchen nur lokal erweitert, ist falsch. Aus der Verspätung der Fußpunkte des Fußpulses gegenüber dem Carotispuls errechnet sich eine durchschnittliche Ausbreitungsgeschwindigkeit der Pulswelle von 7, 5 msec, doch bestehen erhebliche Unterschiede in den einzelnen Abschnitten der Schlagadern. Die Pulswelle startet mit relativ niedriger Geschwindigkeit in den elastischen herznahen Arterien und beschleunigt ihren Lauf in den muskulären Arterien, z. B. im Bein oder im Arm bis auf das Doppelte (Gauer 1936; Dow und Hamilton 1939; Wezler und BöGer 1939; Peterson 1952 u. a.). Auch in den großen Halsschlagadern ist die Pulswellengeschwindigkeit etwa gleich derjenigen in der Aorta (Jordan 1956). Nach Untersuchungen von Siedeck und Klein (1961) scheint es in den muskulären Cerebralarterien jedoch beim Gesunden nicht zu einer Beschleunigung der Wellengeschwindigkeit zu kommen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Johann Ambrosius Barth München 1964

Authors and Affiliations

  • Ernst Gadermann
  • Horst Jungmann

There are no affiliations available

Personalised recommendations