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Die ärztliche Haftpflicht

  • E. Deutsch

Zusammenfassung

Wie den Angehörigen anderer Berufsgruppen unterlaufen auch den Ärzten in ihrem Beruf Fehler, die zu Schäden bei den Patienten führen können. Während in anderen Berufen solche Schäden nebst ursächlichen Fehlern im Regelfall leicht feststellbar sind und durch einen finanziellen Ausgleich relativ einfach behoben werden können, weisen die im Zusammenhang mit ärztlichem Handeln auftretenden Schadensfälle zwei Besonderheiten auf. Einmal läßt sich zumeist schwer feststellen, ob der Schaden auf ärztlichem Fehlverhalten beruht oder durch einen unvorhersehbaren, schicksalshaften Vorgang beim Patienten hervorgerufen wurde. Zum anderen sind die Schäden zumeist keine Vermögensschäden, sondern beeinträchtigen das Leben der Patienten zeitweise oder dauernd in erheblichem Maße. Diese besondere Art der Schäden führt beim Patienten dazu, einen Schuldigen zu suchen, der oft im behandelnden Arzt gesehen wird, weil dieser seiner Ansicht nach angetreten war, den Schaden zu verhindern, zu beseitigen oder zu vermindern. Die Konsequenz beider Besonderheiten ist, daß Arzthaftungsprozesse mehr als andere von Emotionen und Mißtrauen ausgelöst und begleitet werden. Ziel der rechtswissenschaftlichen Forschung und der Rechtsprechung auf dem Gebiet des Arztrechtes muß es daher in den nächsten Jahren sein, das System der Arzthaftung durch Herausarbeiten klarer Konturen für beide Seiten überschaubarer zu machen und zu vereinfachen. So kann dazu beigetragen werden, daß die Patienten bei wirklichen ärztlichen Fehlern nicht erst den oft langen Weg durch die Instanzen beschreiten müssen, um zum Schadensersatz zu kommen, und andererseits die Ärzte nicht mit einer Vielzahl von ungerechtfertigten Klagen überzogen werden.

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Bibliographie

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1981

Authors and Affiliations

  • E. Deutsch

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