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Kommunales Verfassungsrecht in den Stadtstaaten

  • Harry Goetz
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Part of the Monographien aus dem Gesamtgebiet der Physiologie der Pflanzen und der Tiere book series (volume 1)

Zusammenfassung

Bis zum Jahre 1920 wurde das alte Berlin nach der Preußischen Städteordnung vom 30. Mai 1853, also nach den Grundsätzen der sog. echten Magistratsverfassung, verwaltet. Im Rahmen der allgemeinen Landesverwaltung hatte die Stadt Berlin insofern eine Sonderstellung, als das Landesverwaltungsgesetz vom 30. Juli 1883 Berlin aus der Provinz Brandenburg herausnahm und ihm eine provinzähnliche Stellung zuerkannte. — Das Anwachsen der Vororte ließ um die Jahrhundertwende das Streben nach einer öffentlich-rechtlichen Vereinigung der Randgemeinden mit Berlin immer stärker werden. Es kam jedoch durch das Zweck-verbandsgesetz vom 19. Juli 1911 zunächst nur zur Errichtung eines „Zweckverbandes Groß-Berlin“, dessen Aufgabe im wesentlichen in der einheitlichen Regelung des Verkehrs- und Siedlungswesens lag. — Erst nach dem ersten Weltkrieg brachte das „Gesetz über die Bildung einer neuen Stadtgemeinde Berlin“ vom 27. April 1920 einen Zusammenschluß der alten Stadt Berlin mit 7 anderen Stadtgemeinden, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken zu einer Einheitsgemeinde. Das Gesetz teilte Berlin in 20 Verwaltungsbezirke, denen zunächst im Sinne einer echten Dezentralisation eine größere Reihe selbständiger Befugnisse zugewiesen war. Für die Hauptverwaltung galt die echte Magistratsverfassung im Sinne der Städteordnung von 1853, die im übrigen subsidiär bis 1933 galt.

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Literatur

  1. 1.
    So auch die Anordnung der Alliierten Kommandantur vom 8. Oktober 1951, BK/0(51)56.Google Scholar
  2. 2.
    Drath, Martin: „Berlin und Bonn; die Rechtsstellung Berlins in der Bundesrepublik“ in „Juristische Rundschau“, 1951, S. 385ff.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. die Anordnung der Alliierten Kommandantur vom 8. Oktober 1951, BK/0(51)56.Google Scholar
  4. 1.
    Vgl. Hans Peters: „Lehrbuch der Verwaltung“ 1949, S. 8ff.CrossRefGoogle Scholar
  5. 1.
    Vgl. Hans Peters: Lehrbuch der Verwaltung, 1949 S. 286ff.CrossRefGoogle Scholar
  6. 1.
    Vgl u. a. Breitfeld: Die verfassungsrechtliche Stellung der Berliner Bezirke, Berlin 1953, S. 88ff. u. a.Google Scholar
  7. 1a.
    ferner Kreutzer: Das öffentliche Recht in Berlin in DÖV 1955 S. 15.Google Scholar
  8. 1.
    Fischer-Goetz: Die Deputationen in der Berliner Bezirksverwaltung, Berlin 1953, S. 54ff.Google Scholar
  9. 1.
    Vgl. Kreutzer: Das öffentliche Recht in Berlin, in DÖV 1955 S. 50ff.Google Scholar
  10. 1.
    Gottorper Vergleich vom 27. Mai 1768, in dem Dänemark und Holstein-Gottorp auf ihre Ansprüche verzichteten und die Reichsstandschaft der Stadt Hamburg ausdrücklich anerkannten (Text in: Hamburgs Weg zum Reich und in die Welt, Urkunden zur 750-Jahr-Feier des Hamburger Hafens, 1939, Nr. 68 S. 235ff., dort auch alle wesentlichen anderen Dokumente zur Geschichte der hamburgischen Reichsunmittelbarkeit); hierzu Adolf Wohl will: Zur Geschichte des Gottorper Vergleichs, in: Jb. d. Hamb. Wiss. Stiftungen Bd. XIII (1896). — Zur Gesamtgeschichte: Heinrich Reincke: Hamburg, ein Abriß der Stadtgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart (1925). — Weitere Nachweise in: Bücherkunde zur Hamburgischen Geschichte, hrsg. von Möller und Tecke (1939) unter III und IV, S. 46ff.Google Scholar
  11. 1.
    Die Bezeichnung „Freie und Hansestadt Hamburg“ hatte Hamburg seit 1819 nach der Befreiung von der französischen Herrschaft geführt. Im Zuge der Groß-Hamburg-Lösung 1937/38 war sie trotz hamburgischer Bemühungen um ihre Erhaltung verlorengegangen.Google Scholar
  12. 2.
    Zusammenfassende Darstellung (in den §§ 9–22) unter Einschluß der Entwicklung seit 1919 (in den §§ 1–8) bei Hans Peter Ipsen: Hamburgs Verfassung und Verwaltung von Weimar bis Bonn (1956) (im Druck); dort auch alle weiteren Nachweise. — Ferner Drexelius-Weber: Die Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg vom 6. Juni 1952, Kommentar (1953); zur Entwicklung des öffentlichen Rechts in Hamburg seit 1948: Kern: DV 1948 S. 57, Prass: DV 1949 S. 680, DVB1.1950 S. 18, 749; Glatz: DVB1. 1951 S. 598, 1952 S. 306, 690, 1953 S. 398, 724, 1954 S. 513, 1955 S. 151 ff.Google Scholar
  13. 3.
    Art. 1 der Verfassung von Berlin vom 1. September 1950.Google Scholar
  14. 4.
    Art. 143 der Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen vom 21. Oktober 1947.Google Scholar
  15. 1.
    DVO vom 21. Februar 1950 (GVB1. S. 53) i. F. d. VO z. Änd. d. Anlage zur 1. DVO vom 14. Oktober 1952 (GVB1. S. 212) und d. 2. VO z.Änd. d. Anlage zur 1. DVO vom 16. Juni 1953 (GVB1. S. 111): Aufgabenbestimmung der Bezirksämter (hierzu ferner: Anordnung des Senats über die Aufgabenverteilung zwischen der Jugendbehörde und der Bezirksverwaltung vom 14. Oktober 1952, Amtl. Anzeiger S. 961); 2. DVO vom 21. Februar 1950 (GVB1. S. 66) i. F. der VO vom 16. November 1954 (GVB1. S. 118): beamtenrechtliche Stellung der Bezirksleiter; 3. DVO vom 21. Februar 1950 (GVB1. S. 67): Kompetenzbestimmung und -abgrenzung für Bezirksleiter, Bezirksfachämter und Fachbehörden; 4. DVO vom 23. Mai 1950 (GVB1. S. 144): Büdung von Ortsämtern; 5. DVO vom 22. September 1950 (GVB1. S. 199): Grenzen der Bezirke; 6. DVO vom 22. September 1950 i. F. vom 6. Januar 1953 (GVB1. S. 71) nebst Änderung vom 16. November 1954 (GVB1. S. 118): beamtenrechtliche Stellung der Ortsamtsleiter; 7. DVO vom 13. Oktober 1950 (GVB1. S. 211): Weisungsbefugnis der Fachbehörden; 8. DVO vom 11. Dezember 1951 (GVB1. S. 234): Einspruchsausschüsse der Bezirksämter; ferner: Gesetz über die Wahl der Bezirksverordneten zu den Bezirksausschüssen i. F. vom 4. Juli 1953 (GVB1. S. 117) nebst Landeswahlordnung (u. a.) für die Wahl der Bezirksverordneten vom 29. September 1953 (GVB1. S. 247); weitere Verwaltungsvorschriften (nebst den vorstehend genannten Rechtsgrundlagen) in: Sammlung wichtiger Gesetze, Verordnungen und anderer Bestimmungen über die Bezirks Verwaltung, hrsg. vom Amt für Bezirksvrwaltung (o. J.).Google Scholar
  16. 2.
    Letzte Änderungen in §§ 26–28 des 1. Überleitungsges. z. Landesges. üb. Ordnungswidrigkeiten v. 20. Dezember 1954 (GVB1. S. 155).Google Scholar
  17. 3.
    U. a.: Gebührengesetz vom 5. Juli 1954 (GVB1. S. 51); Gesetz über das Verfahren in Rekurssachen vom 4. April 1952 (GVB1. S. 63); Verwaltungszustellungsgesetz vom 21. Juni 1954 (GVB1. S. 33); VO über das Verwaltungszwangsverfahren i. F. d. Bek. vom 20. Juni 1939 (VOB1. S. 68) nebst späteren Änderungen; Gesetz über die Zwangsvollstreckung gegen die Freie und Hansestadt Hamburg vom 1. April 1954 (GVB1. S. 18); Landesges. üb. Ordnungswidrigkeiten v. 6. Dezember 1954 (GVB1. S. 137).Google Scholar
  18. 1.
    Drexelius-Weber: a. a. O. Vorbem. vor Art. 66, S. 66.Google Scholar
  19. 1.
    Drexelius-Weber: a. a. O. Anm. 2 zu Art. 3, S. 4.Google Scholar
  20. 2.
    BVerfGE Bd. 1 S. 19, Leitsatz 35, ferner S. 47 ff.Google Scholar
  21. 1.
    Ebensowohl Maunz: Deutsches Staatsrecht 4. Aufl. (1955) S. 310Google Scholar
  22. 1.
    Brell: Vom Gemeindeverfassungsrecht 2. Aufl. (1953) S. 55.Google Scholar
  23. 2.
    Vgl. ihre Darstellung bei Ipsen: Hamburgs Verfassung und Verwaltung a. a. O. § 5 unter 4–6.Google Scholar
  24. 1.
    Einzelbegründung bei Ipsen: a. a. O. § 18.Google Scholar
  25. 2.
    Über den institutionellen Bereich und seine Bedeutung für den Verfassungsrechtsschutz vgl. Geiger: Komm, zum BVerfGG (1952) Anm. 3 zu § 91, S. 288ff.Google Scholar
  26. 3.
    Ipsen: a. a. O. §4 unter 5, § 10 unter 4; Humburg: Hamburgs Rechtsstellung in Cuxhaven, Heft 45 der Abhandlungen des Seminars für Öffentliches Recht der Universität Hamburg (1955).Google Scholar
  27. 1.
    Drexelius-Weber: a. a. O. Anm. 5 zu Art. 6, S. 8.Google Scholar
  28. 1.
    Sie wird insbesondere für die vorbereitete Bundesverwaltungsgerichtsordnung erforderlich werden.Google Scholar
  29. 2.
    Beispiel eines derart neu errichteten Senatsamtes, dem Aufgaben einer Fachbehörde zugewiesen worden sind, ist das Sportamt; vgl. Anordnung über die Stellung des Sportamts vom 22. Juni 1954 (Amtl. Anzeiger S. 537). Senatsämter entscheiden ohne Mitwirkung von Deputierten; für das Sportamt ist ein Beirat gebildet worden, dem zwar Deputierte verschiedener Behörden angehören, der aber nur beratende Funktionen hat.Google Scholar
  30. 3.
    Sie entscheidet kollegial in Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung und in Gnadensachen; vgl. Anordnung vom 27. März 1952 (Amtl. Anzeiger S. 241).Google Scholar
  31. 1.
    Zur Rechtsstellung der Senatssyndici: Ewald: Der Hamburgische Senatssyndicus, Heft 43 der Abhandlungen aus dem Seminar für öffentliches Recht der Universität Hamburg (1954). Zur Zeit amtieren 7 Senatssyndici (sämtlich Volljuristen). Sie sind — in der überlieferten hamburgischen Formulierung — nur in senatu, nicht de senatu, da sie nicht Senats-mitglieder sind und (selten) von der Teilnahme an den Senatssitzungen ausgeschlossen werden können. Die meisten von ihnen wirken in den Senatsämtern, andere in Fachbehörden (vgl. Art. 47 Abs. III).Google Scholar
  32. 2.
    Gegenwärtige Organisation nach der Anordnung über die Reorganisation der Polizeibehörde vom 4. Mai 1954 (Amtl. Anzeiger S. 447).Google Scholar
  33. 1.
    Vgl. Kreutzer: DÖV 1954 S. 426.Google Scholar
  34. 2.
    Hierzu und zum folgenden: Nawiasky in: Demokratie und Rechtsstaat, Festgabe für Giacometti (1953) S. 195ff.Google Scholar
  35. 2a.
    ferner Scheuner: Der Städtetag 1954 S. 334Google Scholar
  36. 2b.
    von Coppenfels: Kommpol. Bl. 1952 S. 4ff.Google Scholar
  37. 1.
    Hierüber Ipsen: a. a. O. § 1 unter 7, § 2 unter 1, 2, § 3 unter 2.Google Scholar
  38. 2.
    Hierzu Ipsek: a. a. O. § 5 unter 6.Google Scholar
  39. 3.
    Vgl. die Angaben in Anm. 1 S. 504.Google Scholar
  40. 4.
    Hamburg-Mitte, Altona, Eimsbüttel, Hamburg-Nord, Wandsbek, Bergedorf, Harburg. Ihre Einwohnerzahl schwankt zwischen etwa 400000 (Hamburg-Nord) und 100000 (Bergedorf). Ihre Struktur geht vom reinen City-Charakter (Hamburg-Mitte) über großstädtische Massenwohngebiete (Eimsbüttel) bis zu überwiegend landwirtschaftlichen Bezirken (Bergedorf mit den Vier- und Marschlanden).Google Scholar
  41. 1.
    Schon in ihrer frühesten Geschichte erstrebte die Stadt Bremen ihre Selbständigkeit, die sie nach langen Kämpfen auch rechtlich zu sichern und bis in die Gegenwart zu erhalten vermochte: 787 setzt Karl der Große Willehad als Bischof in den Gauen an der unteren Weser ein; er wählt Bremen zum Sitz des Bistums. Am 10. August 965 verleiht Otto I. dem Erzbischof Adaldag — 848 war Bremen Sitz des Erzbischofs geworden — das Marktprivileg. In den folgenden 200 Jahren wächst das Streben der Stadt nach politischer Eigenständigkeit. 1186 erhält die Stadt das erste der Stadtgemeinde als rechtlicher Körperschaft erteilte kaiserliche Diplom. 1358 wird Bremen Mitglied der Hanse. 1541/42 erlangt die Stadt von Karl V. kaiserliche Privilegien, die ihre Unabhängigkeit vom Landesherrn weiter stärken. Am 1. Juni 1646 stellt Ferdinand III. in Linz die Urkunde über die bremische Reichsfreiheit aus; sie wird nach vielfacher Anfechtung durch die Territorialgewalten im Frieden von Habenhausen (1666) und durch die von Georg IL 1731 zu Richmond ausgestellte Urkunde bestätigt. Von 1646–1806 hat Bremen Sitz und Stimme im alten Deutschen Reichstag. Unter den Vertragspartnern, die 1815 den Deutschen Bund, 1866 den Norddeutschen Bund und 1871 das Reich begründen, befindet sich gleichberechtigt neben den monarchischen Staaten stets auch die Freie Hansestadt Bremen, die dementsprechend Sitz und Stimme in den Bundesorganen besitzt. Auch unter der Weimarer Verfassung wahrt Bremen seine Landeseigenschaft in vollem Umfange; ihr droht erst Gefahr, als im Mai 1933 der oldenburgische Gauleiter zum Reichsstatthalter in Oldenburg und Bremen eingesetzt wird, und dieser sich jahrelang, wenn auch vergeblich, bemüht, die rechtlich fortbestehende Selbständigkeit Bremens zu beseitigen. Nach dem Kriege bestätigt zunächst die amerikanische Besatzungsmacht die Landeseigenschaft Bremens (Proklamation Nr. 3 vom 21. Januar 1947), das dementsprechend im süddeutschen Länderrat und den bizonalen Organen (Exekutiv- später Länderrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes) vertreten ist. Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 nennt als eines der (damals) elf Länder der Bundesrepublik die Freie Hansestadt Bremen. Vgl. im übrigen zur Geschichte Bremens, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, vor allem: v. Bippen: Geschichte der Stadt Bremen, 3 Bde., (1892, 1898, 1904); Johs. Bollmann: Das Staatsrecht der Freien Hansestädte Bremen und Lübeck (1914)Google Scholar
  42. 1a.
    Georg Bessell: Bremen, die Geschichte einer deutschen Stadt (1935)Google Scholar
  43. 1b.
    Heinrich Maas: Geist und Formen des bremischen Staatslebens (1951).Google Scholar
  44. 2.
    Denkschrift der Senatskanzlei der Freien Hansestadt Bremen zur Frage der staatlichen Selbständigkeit der Freien Hansestadt Bremen vom 30. November 1953 S. 75 ff. — unveröffentlicht.Google Scholar
  45. 1.
    Anders als im Falle des Senats besteht zwischen der Bürgerschaft (Landtag) und der Stadibürgerschaft keine Identität, da in letzterer die Bremerhavener Abgeordneten nicht mitwirken. Auf die Stadtbürgerschaft finden jedoch die Bestimmungen über die Bürgerschaft (Landtag) entsprechend Anwendung; s. dazu im einzelnen S. 527ff.Google Scholar
  46. 2.
    Von besonderer Bedeutung für die Zusammenarbeit von Senat und Bürgerschaft sind in späterer Zeit die „Deputationen“. Vgl. dazu Anm. 2 auf S. 531.Google Scholar
  47. 1.
    Vgl. zur allgemeinen bremischen Verfassungsgeschichte im einzelnen: Alexander Müller: Einleitung zum Studium der Verfassungsgeschichte der vier freien Städte des Deutschen Bundes (1825)Google Scholar
  48. 1a.
    Adolf Wolfard: Die staatsrechtliche Stellung des Bremischen Senates (1926)Google Scholar
  49. 1b.
    Karl Müller: Die Staats- und verfassungsrechtliche Entwicklung in Bremen bis zum Jahre 1848 (1931); Theodor Spitta, Martin Donandt (1938Google Scholar
  50. 1c.
    Heino Spannhake: Geltendes bremisches Verfassungsrecht, Hamburger Diss. (1948) sowie die in Anm. 1 auf S. 521 zitierten Werke.Google Scholar
  51. 2.
    Zitate von Artikeln ohne nähere Gesetzesangabe beziehen sich stets auf die Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen vom 21. Oktober 1947 (Brem.Ges.Bl. S. 251) i. d. F. des ÄndG. vom 16. Januar 1953 (Brem.Ges.Bl. S. 7).Google Scholar
  52. 3.
    Die Bedeutung dieser Bestimmung erschöpft sich darin, daß hiermit die Freie Hansestadt Bremen als Träger derjenigen Kommunalaufgaben ausgewiesen wird, die üblicherweise auf höherer Gebietsebene wahrgenommen werden (z. B. Aufgaben des Landesfürsorgeverbandes). Darüber hinausgehende praktische Bedeutung kommt dieser Bestimmung nicht zu. In gleichem Sinne: Werner Weber: Der gegenwärtige Verwaltungsaufbau Deutschlands (1948), S.35.Google Scholar
  53. 4.
    Diese Bestimmung ist durch Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG abgelöst (Brem.StGH 1/1953 vom 4. Juli 1953; Brem.Ges.Bl. S. 89).Google Scholar
  54. 5.
    Von dem Recht nach Art. 145 Abs. 1 Satz 2, durch Gesetz Grundsätze für die Gemeindeverfassungen aufzustellen, ist bisher kein Gebrauch gemacht worden.Google Scholar
  55. 6.
    § 1 des Ortsgesetzes Nr. 3 vom 19. Dezember 1947 (Brem.Ges.Bl. 1948 S. 1).Google Scholar
  56. 7.
    Folgende Änderungen der Bremerhavener Stadtverfassung sind bisher vorgenommen: Ortsgesetz Nr. 3 vom 19. Dezember 1947 (Brem.Ges.Bl. 1948 S. 1) — Termin des Inkraft-tretens der Verfassung und Regelung des Rückkehrrechtes zur Stadtverordnetenversammlung für zurücktretende Magistratsmitglieder; Ortsgesetz Nr. 24 vom 20. November 1952 (Brem.Ges.Bl. S. 134) — Einfügung des Artikels 13 a, der die Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes über die Verfassungswidrigkeit der Sozialistischen Reichspartei zieht (Unfähigkeit, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats zu sein, Herabsetzung der gesetzlichen Mitgliederzahl der Stadtverordnetenversammlung für den Rest der laufenden Wahlperiode usw.).Google Scholar
  57. 1.
    Derartige Gesetze sind bislang nicht ergangen und nach den hergebrachten Grundsätzen der bremischen Verwaltungspolitik auch nicht zu erwarten.Google Scholar
  58. 2.
    Hierzu im einzelnen unten S. 533.Google Scholar
  59. 1.
    Heinz Kreutzer: DÖV 1954 S. 425ff., geht im Hinblick auf die Verhältnisse von Hamburg und Berlin bis zu der Feststellung, daß die Organisation der Stadtstaaten der gemeindlichen Selbstverwaltung im Rechtssinne überhaupt keinen Raum lasse. Die Rechtslage in Bremen unterscheidet sich, wie Kreutzer auch hervorhebt, von derjenigen in Hamburg und Berlin zwar dadurch, daß Bremen infolge der kommunalrechtlichen Selbständigkeit Bremerhavens kein Stadtstaat im eigentlichen Sinne mehr ist. Doch beansprucht seine Feststellung bedingt für die gemeinderechtliche Situation der Stadtgemeinde Bremen solange Beachtung, als Senat und Stadtbürgerschaft infolge des Verzichtes auf eine eigene Gemeindeverfassung den für die Landesorgane erlassenen Verfassungsbestimmungen zu folgen haben. Das Fehlen einer Selbstverwaltung im rechtlichen Sinne scheint mir jedoch in Bremen zum Teil dadurch aufgewogen, daß wesentliche Elemente gemeindlicher Verfassungsordnung in die Institutionen der Staatsverfassung (Deputationswesen, Beschlußrechte der Bürgerschaft auf wichtigen Verwaltungsgebieten; s. im einzelnen unten S. 527, 533 ff.) aufgenommen sind.Google Scholar
  60. 2.
    Wahlvorschläge müssen von 250 Wahlberechtigten unterzeichnet sein; bei Parteien, die in der letzten Bürgerschaft vertreten waren, genügt die Unterschrift der zuständigen Parteileitung (§ 14 des Wahlgesetzes). Interessant ist die Bestimmung des § 15 des Wahlgesetzes, welche die Parteien zwingt, ihre Listenkandidaten in einer ordnungsgemäßen Versammlung von Parteimitgliedern in geheimer Abstimmung mit Mehrheit festzustellen.Google Scholar
  61. 3.
    Der StGH Brem. hat in seinen Beschlüssen vom 29. Oktober 1952 und vom 21. November 1953 (St 2/1951) in Anlehnung an Grundsätze des Bundesverfassungsgerichtes (Entscheidung vom 5. April 1952–2 BvH 1/52 Ziffer III) die Auffassung vertreten, daß Art. 75 Abs. 3 der Landesverfassung und § 2 Abs. 2 des Wahlgesetzes mit Art. 28 Abs. 1 GG unvereinbar seien, da infolge getrennter Anwendung der 5%-Klausel für die beiden Wahlbereiche nicht jede Stimme den gleichen Erfolgswert habe (Parteien erhalten Sitze, auch wenn sie im ganzen Lande keine, sondern nur in einem Wahlbereich 5 % der Stimmen erreichen. Auf der anderen Seite wurde in der Praxis eine Partei, die im Lande, nicht aber in jedem der beiden Wahlbereiche die 5 % -Klausel erfüllte, gegenüber einer Partei mit insgesamt geringerer Stimmenzahl benachteiligt, da ihre Wähler überwiegend in dem kleineren Wahlbereich Bremerhaven saßen und sie im Wahlbereich Bremen unter 5%, d. h. insoweit ohne Sitze blieb.). Das Verfahren schwebt zur Zeit vor dem Bundesverfassungsgericht. In einer anderen Entscheidung (St. 1/51 vom 20. April 1951, Brem.Ges.Bl. S. 52) hat der Staatsgerichtshof festgestellt, daß die 5%-Klausel des Art. 75 Abs. 3 auch ein kombiniertes Mehrheits-/Verhältniswahlsystem nicht ausschließe.Google Scholar
  62. 1.
    Von diesem Recht hat die Stadtbürgerschaft bislang keinen Gebrauch gemacht.Google Scholar
  63. 2.
    Die Entschädigungen, die Mitglieder der Bürgerschaft für ihre Abgeordnetentätigkeit erhalten, regelt das gemäß Art. 82 ergangene Gesetz über eine Aufwandsentschädigung an die Mitglieder der bremischen Bürgerschaft vom 3. Oktober 1952 (Brem.Ges.Bl. S. 105). Danach werden eine monatliche Aufwandsentschädigung und als Ersatz für Erwerbsausfall bis zu 3,00 DM je Stunde sowie einige andere Vergünstigungen gewährt. Den Fraktionen wird für ihre Geschäftsstellen ein nach der Mitgliederstärke berechneter, gesonderter Betrag zur Verfügung gestellt.Google Scholar
  64. 3.
    Die Mitglieder der Bürgerschaft unterliegen einer besonderen Treuepflicht gegenüber der Freien Hansestadt Bremen, sind nur ihrem Gewissen unterworfen und an Aufträge nicht gebunden (Art. 83 Abs. 1). Letztere Bestimmung hat der StGH Bremen in seiner Entscheidung vom 19. 5. 1953 — St 2/1952 — (Brem.Ges.Bl. S. 45) dahin ausgelegt, daß ein Abgeordneter nicht gezwungen werden könne, mit der Fraktionsmehrheit zu stimmen, und daß es insbesondere unzulässig sei, ihn mit rechtlich unerlaubten Mitteln dazu anzuhalten. Vgl. DVB1. 1953 S. 437 mit Anm. von Hans Schneider. Weitere Bindungen der Abgeordneten ergeben sich aus Art. 83 Abs. 2 (Verschwiegenheitspflicht) und Art. 84 (Interessenkollision). Bei grober Pflichtverletzung kann ein Bürgerschaftsmitglied durch besonders qualifizierten Beschluß ausgeschlossen werden (Art. 85).Google Scholar
  65. 4.
    Über die weiteren Einzelheiten der inneren Ordnung und Organisation der bremischen Bürgerschaft vgl. deren Geschäftsordnung, abgedruckt im Handbuch der Bremischen Bürgerschaft, 3. Wahlperiode (1953).Google Scholar
  66. 1.
    So auch der St GH Brem. in den Gründen seiner Entscheidung St 3/1952 vom 17. Dezember 1952 (Brem.Ges.Bl. 1953 S. 2).Google Scholar
  67. 2.
    Gesetzesvorlagen werden vom Senat oder aus der Mitte der Bürgerschaft eingebracht (Art. 123 Abs. 1). Das Recht der Gesetzgebung kann nach Art. 67 Abs. 1 auch durch Volksentscheid — nach vorangehendem Volksbegehren — ausgeübt werden. Die Wirksamkeit dieser Bestimmungen erstreckt sich jedoch nicht auf den kommunalen Bereich, da Art. 148 nur die Bestimmung über Senat und Bürgerschaft, nicht aber über den Volksentscheid für entsprechend anwendbar erklärt. Der Senat hat die verfassungsmäßig zustande gekommenen Gesetze innerhalb eines Monats auszufertigen und zu verkünden (Art. 123 Abs. 3), es sei denn, er erhebt Einspruch gemäß Art. 104 (s. unten S. 530).Google Scholar
  68. 3.
    Auch hierin kommt der städtische Ursprung der Institutionen des Landesverfassungs-rechts zum Ausdruck. — Daß auf diesen Gebieten „einfache Beschlußfassung“ der Bürgerschaft genügt, hat auch der StGH Brem. in den Gründen seiner Entscheidung St 3/1953 vom 22. Januar 1954 (Brem.Ges.Bl. S. 8) zum Ausdruck gebracht.Google Scholar
  69. 4.
    Die Aufgaben der Bürgerschaft sind in der Verfassung abschließend geregelt. Nach der Auffassung des StGH Brem. (in den Gründen seiner Entscheidung St 3/1952 vom 17. Dezember 1952 — Brem.Ges.Bl. 1953 S. 2) ist das Wort „insbesondere“ vor dem Katalog des Art. 101 so zu verstehen, daß neben den an anderen Stellen der Verfassungsurkunde geregelten Aufgaben nunmehr im Art. 101 noch besonders auf die dann folgenden Aufgaben hingewiesen werden soll.Google Scholar
  70. 5.
    In dieser Darstellung interessiert der Senat nur in seiner Eigenschaft als kommunales Organ der Stadtgemeinde Bremen. Funktionen, die ihm ausschließlich in seiner Eigenschaft als Landesregierung zustehen, sind nur insoweit erwähnt, als es zum allgemeinen Verständnis erforderlich ist.Google Scholar
  71. 1.
    Die Mitglieder des Senats sind nicht Beamte, sondern stehen in einem besonderen öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis; ihre Bezüge und sonstigen Ansprüche sind in dem Senatsgesetz vom 29. November 1949 (Brem.Ges.Bl. S. 241) i. d. F. des ÄndG. vom 7. April 1953 (Brem.Ges.Bl. S. 33) geregelt. Danach erhalten vollamtliche Senatoren Bezüge in gleicher Höhe wie Beamte der Besoldungsgruppe B 5 zuzüglich einer monatlichen Aufwandsentschädigung von 300.00 DM (Präsident des Senats 600.00 DM; zweiter Bürgermeister 500.00 DM). Nach dem Ausscheiden aus dem Senat wird bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen ein nach der Dauer der Amtstätigkeit gestaffeltes Übergangsgeld gezahlt; es wird jedoch nur insoweit gewährt, als ein Einkommen aus regelmäßiger Beschäftigung hinter den bisherigen Bezügen als Senator zurückbleibt. Ruhegehalt wird unter der Voraussetzung mindestens 5 jähriger Amtstätigkeit bei Vollendung des 65. Lebensjahres oder bei Dienstunfähigkeit infolge gesundheitlicher Schäden, Hinterbliebenenversorgung wird auch dann, wenn das Senatsmitglied eine Anwartschaft auf Ruhegehalt erworben hatte, gewährt.Google Scholar
  72. 2.
    Zur Zeit besteht der Senat nach dem Gesetz vom 7. Dezember 1951 (Brem.Ges.Bl. S. 123) aus 13 Mitgliedern.Google Scholar
  73. 3.
    Es erhebt sich die Frage, ob die Stadtbürgerschaft auch dieses Recht gemäß Art. 148 Abs. 1 in Anspruch nehmen, d. h. dem Senat oder einzelnen Mitgliedern des Senats das Mißtrauen mit rechtswirksamen Konsequenzen aussprechen kann. Das ist schon deshalb zu verneinen, weil der Stadtbürgerschaft das Recht versagt sein muß, die Landesregierung absetzen zu können. Die Stadtbürgerschaft kann aber auch die Bedingung des konstruktiven Mißtrauensvotums, Neuwahl des Senats, nicht erfüllen oder etwa durch Gesetz die Mitgliederzahl des Senats herabsetzen. Zudem übt der Senat seine Funktionen als Kommunalorgan nicht kraft eines Mandates der Stadtbürgerschaft, sondern unmittelbar kraft Verfassungsrechtes aus, solange die Stadt Bremen auf eine eigene Gemeindeverfassung verzichtet.Google Scholar
  74. 4.
    Zwei Mitglieder des amtierenden Senates sind nebenberuflich tätig.Google Scholar
  75. 1.
    Hiermit ist jedoch kein materielles Aufsichtsrecht gegeben, da jedes Senatsmitglied dem Parlament unmittelbar für seinen Geschäftsbereich verantwortlich ist. Vgl. Spannhake, a. a. O., S. 48. Zu den Grenzen der Funktionen des Präsidenten des Senats im gleichen Sinne Kern, DV 1949 S. 210.Google Scholar
  76. 2.
    Der Senat tritt im Landes- und kommunalen Bereich auf, ohne daß im allgemeinen äußerlich sichtbar gemacht wird, in welcher Eigenschaft er handelt; das gleiche gilt für die entsprechende Doppelfunktion der Senatoren. Daß dieser Praxis rechtliche Bedenken nicht entgegenstehen, hat der VerwGerH. Bremen in den Gründen seines Urteils A 106/52, BA 44/52 vom 28. Mai 1953 (DVB1. S. 697) bestätigt.Google Scholar
  77. 3.
    Die geltende „Geschäftsverteilung im Senat“ vom 10. August 1953 (Amtliche Mitteilungen für die bremischen Behörden S. 157) legt folgende Ressortgliederung fest: Präsident des Senats, Senator für Justiz und Verfassung, Senator für kirchliche Angelegenheiten, Senator für Inneres, Senator für die Finanzen, Senator für die Wirtschaft, Senator für Außenhandel, Senator für Arbeit, Senator für das Wohlfahrtswesen, Senator für das Jugendwesen, Senator für das Gesundheitswesen, Senator für Häfen, Schiffahrt und Verkehr, Senator für Ernährung und Landwirtschaft, Senator für das Bauwesen, Senator für das Wohnungswesen und Senator für das Bildungswesen. Einige der 13 Mitglieder des Senats leiten in Personalunion jeweils zwei Ressorts. Daneben bestehen im Geschäftsbereich des Präsidenten des Senats als von mehreren Mitgliedern des Senats kollegial geleitete Verwaltungseinrichtungen: die Geschäftskommission, deren Funktionen auf organisatorischem Gebiet liegen, die Senatskommission für das Personalwesen, deren Aufgabe die zentrale Bearbeitung aller Personal- und Rechtsfragen des Landes und der Stadtgemeinde Bremen ist, und die Senatskommission für Verwaltungsvereinfachung, die einen befristeten Auftrag zur Verwaltungsreform durchzuführen hat. Auch bei den senatorischen Ressorts bestehen Senatskommissionen; sie sind jedoch im Gegensatz zu den erstgenannten kein kollegiales Verwaltungsorgan, da der zuständige Senator alleinverantwortlicher Leiter seiner Behörde ist. Ihre praktische Bedeutung ist daher gegenwärtig gering; Sitzungen dieser Kommissionen finden selten statt. Bedeutung hat die Bestellung der Senatskommissionen dagegen insofern, als die Mitglieder der für die einzelnen Ressorts bestellten Kommissionen stets zugleich die Senatskommissare in den betreffenden Deputationen sind (dazu s. unten S. 530 ff).Google Scholar
  78. 1.
    Auch die Satzungen der Stadt werden als „Gesetze“ bezeichnet.Google Scholar
  79. 2.
    Der Senat kann seine Bedenken mit beliebigen rechtlichen oder politischen Gründen motivieren (so der StGH.Brem. in den Gründen seiner Entscheidung St 2/1954 vom 23. Oktober 1954, Brem.Ges.Bl. S. 109).Google Scholar
  80. 3.
    Der StGH. Brem. kommt in den Gründen seiner Entscheidung St 3/1952 vom 17. Dezember 1952 (Brem.Ges.Bl. 1953 S. 2) zu der Auffassung, daß es sich bei den ständigen Ausschüssen nach Art. 105 Abs. 1 und den Deputationen nach Art. 129 um verschiedene Einrichtungen handele. Er stützt sich vor allem darauf, daß es bei den Ausschüssen nach Art. 105 Abs. 1 um solche zur Erledigung ihrer — der Bürgerschaft — Aufgaben, d. h. um typische Parlamentsausschüsse gehe (dem steht schon entgegen, daß der zuständige Senator den Vorsitz innehat), während die Deputationen nach Art. 129 „für die Angelegenheiten der verschiedenen Verwaltungszweige“ gebildet werden, d. h. außerhalb der legislativen Aufgabensphäre des Parlaments stehen. Dem ist u. a. rechtlich entgegenzuhalten, daß die ständigen Ausschüsse (Deputationen) nach dem Wortlaut des Art. 129 ausdrücklich „gemäß“ (nicht etwa in „entsprechender Anwendung“) Art. 105 eingesetzt werden. In der Praxis sind auch andere ständige Ausschüsse als solche nach Art. 129 und dem darauf gestützten Deputationsgesetz nicht eingesetzt worden. Zudem fehlt es an jeder Ausführungsvorschrift zu Art. 105, wenn nicht das Deputationsgesetz als solche angesehen werden kann. Auch Spannhake, a. a. O., S. 74ff., und die Bürgerschaft selbst im § 36 Abs. 1 ihrer Geschäftsordnung gehen von der Identität der ständigen Ausschüsse nach Art. 105 und Art. 129 aus. Die Unebenheiten der Formulierung dieser Vorschriften erklären sich meines Erachtens aus dem Widerspruch zwischen den Grundsätzen (Gewaltenteilung) der geltenden Verfassungsordnung und dem gerade im Hinblick auf die Deputationen bewahrten alten bremischen Staatsprinzip gemeinsamer Wirksamkeit von Senat und Bürgerschaft. Die Deputationen sind weder reine Parlamentsausschüsse noch reine Verwaltungsorgane; sie stehen vielmehr in eigentümlicher Art zwischen beiden Gewalten, die jede an ihr teilhaben.Google Scholar
  81. 1.
    Zur Mitwirkung bei einer Verwaltungsbehörde können, auch wenn sie lediglich beratende Tätigkeit ausüben, nur solche bürgerschaftlichen Ausschüsse eingesetzt werden, die dem Deputationsgesetz entsprechen (Entscheidung des StGH. Brem. St 3/1952 vom 17. Dezember 1952; Brem.Ges.Bl. 1953 S. 2).Google Scholar
  82. 2.
    Die Anfänge des Deputationswesens sind heute nicht mehr eindeutig festzustellen. Sicher ist, daß sie aus dem Wunsche der Bürgerschaft entstanden, die „Vollmächtigkeit“ des aristokratischen Rates (s. oben S. 522), wenn auch zunächst nur auf einzelnen Gebieten (vor allem bei der Verwaltung der öffentlichen Gelder), einzuschränken und durch eine gemeinsame Wirksamkeit von Bürgern und Rat zu ersetzen. Zwar nennt schon der bremische Staatskalender von 174122 Deputationen, aber erst die Verfassungen von 1849 und 1854 sowie vor allem das letzterer beigegebene Gesetz, die Deputationen betreffend, (Brem.Ges.Bl. S. 35) bringen erstmals eine geschriebene Ordnung des Deputationswesens. Sie sind schon deshalb fortan von größter Bedeutung, weil die bremischen Verfassungen von 1849 und 1854 für wesentliche Gebiete von Gesetzgebung und Verwaltung gemeinschaftliche Ausübung der Staatsgewalt durch Senat und Bürgerschaft vorsehen. Dieses gemeinsame Wirken vollzog sich, unbeschadet der Möglichkeit übereinstimmender Beschlußfassung der Plena beider Körperschaften, überwiegend mittelbar in den Deputationen, die aus Mitgliedern beider Institutionen bestanden. Man unterschied beratende und verwaltende, staatliche und städtische Deputationen; aus ihnen ragte — dies gilt bis auf den heutigen Tag — nach Bedeutung und Funktion die Finanzdeputation heraus. Zwar mußte die Einführung des parlamentarischen Regierungssystems und die damit verbundene weitgehende Preisgabe der dualistischen Verfassungsordnung die Rechte der Deputationen mindern; sie wurden aber desungeachtet, in ihren organisatorischen Grundzügen fast unverändert, auch in die Verfassungen von 1920 und 1947 übernommen. Vgl. zur Geschichte der Deputationen im einzelnen besonders: Merlino, Kurt: Die Deputationen der Bremer Verfassung (1917); Adolf Wolfard: a. a. O., S. 106ff.; Johs. Bollmann: a. a. O., S. 69ff. u. S. 76ff.; Heinrich Maas: a. a. O., S. 36ff.Google Scholar
  83. 3.
    Die in diesem Abschnitt angegebenen Paragraphen beziehen sich, soweit nicht anderes vermerkt ist, auf dieses Gesetz.Google Scholar
  84. 4.
    Gegenwärtig bestehen folgende staatliche Deputationen: für die Wirtschaft, für Arbeit, für den Fischereihafen in Bremerhaven, für Wiedergutmachung, für Justiz und Gefängniswesen, für Wirtschaftsforschung und Außenhandel sowie folgende städtische Deputationen: für Häfen, Schiffahrt und Verkehr, für die Innere Verwaltung, für das Bauwesen, für das Wohnungswesen, für das Wohlfahrtswesen, für Ernährung und Landwirtschaft für allgemeinbildende Schulen, für Kunst und Wissenschaft, für Berufs- und Fachschulen, für Leibesübungen und Jugendförderung, für das Gesundheitswesen und für das Schlacht- u. Viehhofwesen. Eine besondere Stellung nimmt nach Organisation und Befugnissen die Finanzdeputation ein.Google Scholar
  85. 1.
    Mit Fällen, „die nicht an die Bürgerschaft gehen“, können nur solche Angelegenheiten gemeint sein, welche die Bürgerschaft gemäß Art. 105 Abs. 5 den Deputationen aus dem eigenen Aufgabenbereich zur selbständigen Beschlußfassung übertragen hat. Dagegen würde die Anwendung des Verfahrens nach § 14 auf andere Angelegenheiten der Verwaltung, bei denen die Deputationen beratend mitwirken, gegen Art. 67 (Gewaltenteilung) verstoßen, da es der Bürgerschaft auch außerhalb der in Art. 101 Abs. 1 Ziff. 2–7 vorbehaltenen Befugnisse Entscheidungsgewalt einräumen würde.Google Scholar
  86. 2.
    Ausgenommen diejenigen Verwaltungsentscheidungen, die die Landesverfassung in Art. 101 ausdrücklich der Bürgerschaft zuweist und die diese daher gemäß Art. 105 Abs. 5 den Deputationen übertragen kann. In einem solchen Falle binden Beschlüsse der Deputationen die Exekutive. Auch bedeutet es keine Verletzung der Rechte des Senates als des Inhabers der vollziehenden Gewalt, wenn die Bürgerschaft im Bereiche der ihrer Beschlußfassung unterworfenen Verwaltungsentscheidungen (Art. 101 Ziff. 2–7) einen Deputationsbeschluß aufhebt oder abändert (so der StGH.Brem. in seiner Entscheidung St3/4/1953 vom 22. Januar 1954, Brem.-Ges.Bl. S. 8).Google Scholar
  87. 1.
    Im gleichen Sinne Spannhake: a. a. O., S. 79ff.Google Scholar
  88. 2.
    Seit 1947 werden für Stadt und Land trotz der weitgehenden Ämterunion getrennte Haushalte aufgestellt und gesonderte Vermögensnachweise geführt.Google Scholar
  89. 3.
    Vgl. zu den Befugnissen der Finanzdeputation in Vergangenheit und Gegenwart: Merlino: a. a. O., S. 89ff.; Wolfard: a. a. O., S. 112ff. und Spannhake: a. a. O., S. 82f.Google Scholar
  90. 4.
    Die Stadt Bremen zählt insgesamt rund 490000 Einwohner; die Einwohnerzahl der jetzigen Ortsämter liegt zwischen 600 und 45000 Einwohnern. Vgl. zu den verschiedenen Formen großstädtischer Verwaltungsdezentralisation und -dekonzentration die rechtsvergleichenden Betrachtungen bei Artur Breitfeld: Die verfassungsrechtliche Stellung der Berliner Bezirke (1953) und bei Walter Bauer: Dezentralisation der Großstadtverwaltung (1951).Google Scholar
  91. 1.
    Eingemeindet wurden ehemals preußische Gemeinden (4. VO über den Neuaufbau des Reiches vom 28. September 1939, RGBl. I S. 2041 — § 2 —) und die bremische Stadt Vege-sack, der bremische Landkreis sowie diesem zugehörige bremische Landgemeinden (§ 3 der 4. Neuauf bau VO und Gesetz über die Vereinigung des bremischen Landgebietes mit der Stadt Bremen vom 19. September 1945, Brem.Ges.Bl. S. 9).Google Scholar
  92. 2.
    Auf die Tätigkeit der Bürger in den Beiräten und Ausschüssen findet nach § 37 des Ortsamtsgesetzes das Gesetz betreffend die ehrenamtliche Tätigkeit der Stadtbürger vom 17. Januar 1950 (Brem.Ges.Bl. S. 11), insbesondere dessen §4 (Interessenkollision) und §5 (Ersatz für Auslagen und Verdienstausfall) Anwendung.Google Scholar
  93. 3.
    Nur die größeren Ortsämter haben einen eigenen Haushalt; die Haushaltsmittel der anderen Ortsämter bewirtschaftet der Senator für Inneres.Google Scholar
  94. 1.
    So auch der StGH. Brem. in den Gründen seiner Entscheidung St 3/1952 vom 17. Dezember 1952 (Brem.Ges.Bl. 1953 S. 2).Google Scholar
  95. 2.
    Kritisch zur Unbestimmtheit dieser Formel Hans Schneider in seiner Anmerkung zur Entscheidung St 2/1952 des StGH. Brem. vom 13. Mai 1953 (DVB1. 1953 S. 440).Google Scholar
  96. 3.
    Hiernach kann auch die Stadt Bremerhaven den Staatsgerichtshof anrufen.Google Scholar
  97. 4.
    Die Stadt Bremerhaven, 1827 von Bremen gegründet, wurde 1939 aus dem Lande Bremen aus- und in die preußische Stadt Wesermünde eingegliedert (§ 1 Abs. 1 der 4. VO über den Neuaufbau des Reiches vom 28. September 1939, RGBl. I S. 2041). Von diesem Zeitpunkt an führte nur noch das zum Gemeindebezirk Bremen gehörende Hafengelände den Namen Bremerhaven (s. S. 536 Anm. 1). Mit Wirkung vom 31. Dezember 1946 ist der Stadtkreis Wesermünde dem Lande Bremen eingegliedert (VO Nr. 76 der Brit. Militärregierung, Amtsbl. d. MR. S. 411) und durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 7. Februar 1947 in „Bremerhaven“ umbenannt worden. Vgl. im übrigen zur Geschichte Bremerhavens innerhalb des bremischen Staatsverbandes, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, vor allem Georg Bessell: Geschichte Bremerhavens (1927).Google Scholar
  98. 1.
    Gemäß VO über die Einführung der Deutschen Gemeindeordnung in den Gemeinden des bremischen Landesgebietes vom 30. März 1938 (RGBl. I S. 343).Google Scholar
  99. 2.
    Ein Gesetz über Grundsätze des Gemeindeverfassungsrechts nach Art. 145 Abs. 1 Satz 2 hat das Land bislang nicht erlassen.Google Scholar
  100. 3.
    Verfassung für die Stadt Bremerhaven vom 4. November 1947 (Brem.Ges.Bl. S. 291). Änderungen siehe oben S. 523 Anm. 7.Google Scholar
  101. 4.
    Die in den folgenden Abschnitten verzeichneten Paragraphen beziehen sich, soweit anderes nicht vermerkt ist, auf die Stadtverfassung Bremerhavens.Google Scholar
  102. 5.
    Zu den Einzelheiten des Wahlrechts vgl. das Ortsgesetz Nr. 17, betreffend die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung der Stadt Bremerhaven vom 4. Juli 1951 (Brem.Ges.Bl. S. 77).Google Scholar
  103. 1.
    Die Beschlußfassung über bestimmte, in § 25 Abs. 1 aufgeführte, besonders wichtige Angelegenheiten bleibt von der Übertragung auf Ausschüsse ausgeschlossen (allgemeine Grundsätze über die Verwaltungsführung, Wahl der Magistratsmitglieder, Anstellungs- und Besoldungsgrundsätze, Erlaß von Ortsgesetzen usw.).Google Scholar
  104. 2.
    Dem Finanzausschuß gehört außer dem Oberbürgermeister auch der Stadtkämmerer als stellvertretender Vorsitzender mit Stimmrecht an.Google Scholar
  105. 3.
    Hiermit wird auch in der Stadtverfassung von Bremerhaven der Anschein erweckt, als könnte die Aufgabenabgrenzung der Organe einer Gemeindeverwaltung den Prinzipien der „Gewaltenteilung“ unterworfen werden, während es sich in Wirklichkeit nicht um die Abgrenzung wesensverschiedener Gewalten (Legislative, Exekutive), sondern um die Zuweisung der Kompetenzen an verschiedene Organe der gleichen Gewalt, nämlich der Verwaltung, handelt.Google Scholar
  106. 4.
    Ein hauptamtliches Mitglied muß die Befähigung zum Richteramt oder höheren Verwaltungsdienst besitzen.Google Scholar
  107. 5.
    Nach dem z. Zt. geltenden Ortsgesetz Nr. 18 über die Mitgliederzahl des Magistrates der Stadt Bremerhaven vom 25. Januar 1952 (Brem.Ges.Bl. S. 14) besteht der Magistrat aus fünf hauptamtlichen und neun ehrenamtlichen Mitgliedern.Google Scholar
  108. 2.
    Im einzelnen: Ausführung der Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung im allgemeinen (§ 40 Abs. 1) und Vorbereitung der Beschlüsse (§ 48 Abs. 1 Ziff. 2), Verwaltung der öffentlichen Einrichtungen (§ 48 Abs. 1 Ziff. 3), Vermögensverwaltung sowie die üblichen Verwaltungsgeschäfte.Google Scholar
  109. 1.
    § 98; die Begründung der Zuständigkeit der Verwaltungsgerichtsbarkeit überschreitet die Grenzen der gemeindlichen Satzungsgewalt; jedoch ergibt sich die Anwendbarkeit des Verwaltungsstreitverfahrens ohnehin aus § 22 des Gesetzes über die Verwaltungsgerichtsbarkeit vom 5. August 1947 (Brem.Ges.Bl. S. 171).Google Scholar
  110. 2.
    Ähnliche Probleme, wie sie Art. 147 für die Beurteilung über die Gesetzmäßigkeitskontrolle hinausgehender Aufsichtsmaßnahmen aufwirft, ergeben sich aus Art. 75 der Verfassung des Landes Baden-Württemberg vom 11. November 1953 (GBl. S. 173). Vgl. dazu die Untersuchung von Richard Kunze, DÖV 1954 S. 430ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1956

Authors and Affiliations

  • Harry Goetz
    • 1
  1. 1.Kommunalwissenschaftlichen Instituts BerlinDeutschland

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