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Zusammenfassung

Die Theorie der idealen Kristalle, an der ich seit mehr als 40 Jahren gearbeitet habe, ist trotz mancher Erfolge weder logisch noch empirisch befriedigend. Die wichtigsten Einwände sind die folgenden:

Die Schwingungen des idealen Gitters stellen ein quantenmechanisches System von makroskopischen Dimensionen dar; denn die Normalkoordinaten sind die Amplituden von Wellen, die sich durch das ganze Gitter erstrecken. Das scheint eine bedenkliche Annahme. Allerdings wird eine Milderung erzielt durch Debyes Theorie der Wärmeleitung [1], die darauf beruht, daß die durch Anharmonizität der Gitterkräfte bewirkte Streuung der Wellen berücksichtigt wird. Man kann eine freie Weglänge für den Energietransport definieren, die gewissermaßen eine Grenze setzt für die Idealität des Gitters und die Kohärenz der Wellen. Neuere Abschätzungen dieser Weglänge durch Peierls [2], Pomeranchuk [3] und Klemens [4] haben zu komplizierten Formeln geführt, die die Erfahrungen über Wärmeleitung gut darstellen, aber weder eine prinzipielle Lösung der genannten logischen Schwierigkeit, noch eine Erkärung andrer Tatsachen liefern, nämlich jene Eigenschaften der Festkörper, die man als strukturempfindlich bezeichnet. Es sind die praktisch wichtigsten Eigenschaften, wie Plastizität, Reißfestigkeit, Versetzungen usw. Zu ihrer Erklärung hat man eine Theorie der Realkristalle entwickelt, die mit der Theorie der idealen Kristalle nur in lockerer Berührung steht und ganz andre, semi-empirische Methoden benutzt. Dies ist eine unbefriedigende Situation; man muß verlangen, daß die Gültigkeitsgrenzen der idealen Theorie aufgewiesen werden und die Behandlung der Realkristalle logisch an sie angeschlossen wird.

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag OHG. in Berlin, Göttingen and Heidelberg 1951

Authors and Affiliations

  • Max Born
    • 1
  1. 1.F. R. S.EdinburghDeutschland

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