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Gemeinrecht gegen Naturrecht: Sir Edward Coke König Jakob I. und Bacon

  • Carl J. Friedrich
Chapter
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE)

Zusammenfassung

Diese Auseinandersetzung ließ nicht lange auf sich warten. In dem vielfach verschlungenen Kampf von König Jakob I. mit seinen Ständen und Gerichten, in denen Sir Edward Coke (1552–1634) eine führende Rolle spielte, kommt die Antithese der englischen Rechtsentwicklung, ihre eigentümliche Dialektik sehr deutlich zum Ausdruck. In diesem Kampfe nahm Sir Francis Bacon (1561–1626) sehr ausgesprochen für die Anschauungen des Königs Partei, und dadurch wurde der grundsätzliche politische und juristische Gegensatz philosophisch verschärft und vertieft. Jakobs Versuch, gegenüber der Kompromißlösung Elisabeths, wie sie von Sir Thomas Smith und Hooker theoretisch vertreten wurde, das göttliche Recht eines absoluten Herrschers zu begründen, konnte sich gegenüber der traditionssicheren und im konkreten Recht verwurzelten Rechtsauffassung Cokes nicht durchsetzen. Das lag zum Teil auch daran, daß hinter Coke die englische rechtsgelehrte Gilde stand, die dann auch im Parlament ihren entschlossenen Ausdruck fand. Dies Parlament darf aber, wie oben gezeigt, nur als eine den König mitumfassende Institution des positiven Rechts vorgestellt werden. Coke spricht das genauso deutlich aus wie Sir Thomas Smith, wenn er das berühmte erste Kapitel des vierten Buches seiner Institutes of the Laws of England, das vom Parlament als dem höchsten Gericht handelt, mit der Feststellung eröffnet, daß „dieser Gerichtshof besteht aus des Königs Majestät ... und den drei Ständen des Reiches, d. h. aus den geistlichen Herren ... aus den weltlichen Herren ... und aus dem dritten Stande der Gemeinen ...“ Es ist sehr interessant, wie stark Coke die gerichtliche Funktion des Parlaments betont und mit der gesetzgebenden zusammen behandelt, als law making oder rechtsetzend. Denn wenn man law making nur als gesetzgebend auffassen wollte, so würde man der Auffassung von Coke nicht gerecht werden. Coke stellt in diesem weiteren Sinne dann fest, daß „die Macht und Zuständigkeit des Parlaments zur Rechtsetzung (law making) so weitreichend und unbeschränkt ist, daß sie in keinerlei Grenzen gebannt werden kann, weder mit Bezug auf Rechtsfälle noch mit Bezug auf Personen“. Es zeigt sich hier, wenn man von der richterlichen Seite zunächst noch absieht, wie in England die gesetzgebende Gewalt als die entscheidende Gewalt im Staate nicht einem oder mehreren anvertraut, sondern bewußt verteilt ist auf verschiedene Obrigkeiten, die aber in ihrer Gesamtheit als das Volksganze repräsentierend vorgestellt werden.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Berlin Heidelberg 1955

Authors and Affiliations

  • Carl J. Friedrich

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