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Bewegungssehen und Gestalttheorie

  • Franz Bruno Hofmann
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Zusammenfassung

Eine besondere Art von Eindrücken, die uns der Gesichtssinn vermittelt, besteht in dem Sehen von Bewegungen. Wenn wir die Lokalisation der Sehdinge als eine von ihnen untrennbare Eigenschaft betrachten, so ist das Bewegungssehen ebenso aufzufassen, wie die Wahrnehmung der Änderung einer Empfindungsqualität, also etwa einer Änderung der Helligkeit, des Farbentons usw., gehört also in die Klasse der Veränderungswahrnehmungen (vgl. Lasersohn, 1238, S. 85 ff., Ebbinghaus-Dürr, 5 [I], S. 528; [II], S. 4 99). Exner (1186) und Vierordt (1292 a) haben daher, um den spezifisch-anschaulichen Charakter der Bewegungswahrnehmung scharf zu kennzeichnen, von einer Bewegungsempfindung gesprochen. Die sinnliche Deutlichkeit des Eindrucks unterscheidet das Bewegungssehen von dem bloßen Rückschluß auf Bewegung, den wir bei sehr langsam bewegten Gegenständen aus dem nach längerer Zeit festgestellten Ortswechsel ziehen1). Übrigens sind Unterscheidungen dieser Art nicht etwa auf das Erkennen von Bewegungen beschränkt, sondern finden sich ganz ebenso bei der Änderung anderer Empfindungsqualitäten, die unterhalb einer gewissen Schwelle auch bloß erschlossen werden.

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Notes

Literatur

  1. 4.
    Wenn v. KRIES (793, S. 242) den bloßen Rückschluß auf Bewegung als »indirekte Bewegungswahrnehmung« bezeichnet, so erweitert er damit den Begriff der Wahrnehmung in einer sonst nicht gebräuchlichen Weise.Google Scholar
  2. 1.
    Die Scheinbewegungen bei der Drehung besprechen wir unten S. 607.Google Scholar
  3. 4.
    KAHN (975) schien es, als ob sich die zentralen Teile eines ausgedehnten Musters dabei »in größerem Umfang bewegen« als die peripheren.Google Scholar
  4. 1.
    Ganz genau trifft das allerdings nicht zu. Wenn man einen Gegenstand rasch hin und her bewegt, so geben nur die Anfangs-und Endlage eine ganz deutliche Wahrnehmung. Dort, wo der Gegenstand rasch über den Grund wegwandert, erscheint er nicht so klar, wie in der Ruhelage. Bewegt man einen schmalen schwarzen Streifen über weißem Papier sehr rasch in kleinen Exkursionen (zitternd) hin und her, so sieht man schließlich überhaupt bloß die beiden Endlagen und dazwischen einen grauen flimmernden Streifen entsprechend der Lichtverschmelzung von Objekt und Grund.Google Scholar
  5. 2.
    Weiteres darüber bei LINKE (1240, S. 472ff.). LINKES Versuchspersonen sahen skroboskopische Scheinbewegung je nach den Umständen noch bei einem Zeitintervall von 0,7–0,8 Sekunden.Google Scholar
  6. 1.
    Analoge Beobachtungen beschrieb schon BOSWELL (14 55).Google Scholar
  7. 4.
    Nach einem kritischen Studium der Beobachtungen an Kriegsverletzten schließt sich auch GNEISSE (4206) der Ansicht der MEINONGSchen Schule über die Gestaltproduktion an.Google Scholar
  8. 1.
    Nach POPPELREUTER (1267) liegt im Falle von GOLDSTEIN und GELB wahrscheinlich gar kein Verlust der optischen Gestaltwahrnehmungen vor. Vielmehr sei dieser durch eine ringförmige paramakuläre Amblyopie vorgetäuscht. Man kann die Erscheinung, daß Personen optische Formen nur durch nachfahrende Bewegungen erkennen, dadurch künstlich erzeugen, daß man die Bilder der seitlichen Netzhautteile bis auf ein ganz kleines zentrales Gebiet abblendet.Google Scholar
  9. i.
    Als ß-Bewegung bezeichnet KENKEL das Bewegungssehen bei sukzessiver Darbietung wirklich verschieden großer oder verschieden gelagerter Objekte, also die stroboskopische Elementarbewegung.Google Scholar
  10. 1.
    Dasselbe ist bei vielen Personen der Fall, wenn ihnen bei Betrachtung stereoskopischer Bilder nach vorausgegangenem Flachsehen plötzlich der binokulare Tiefeneindruck auftaucht (v. KARPINSKA, 979).Google Scholar
  11. 2.
    Eine Scheinbewegung in der Weise, daß ein zwei schwarze Flächen trennender weißer Streifen entweder in der Ebene der schwarzen Flächen erscheint oder als ein den schwarzen Grund verdeckendes Band darüber vorspringt, beschreibt auch PIKLER (14, S. 377 ff.).Google Scholar
  12. 4.
    Man vgl. gerade für dieses Beispiel und für zahlreiche andere HOPPE (124 9).Google Scholar
  13. 4.
    Eine ähnliche Scheindrehung beschreiben STERN (4 384, S. 330) und HANSELMANN (4 24 0, S. 44) bei Pendelversuchen.Google Scholar
  14. 2.
    Gleichzeitig scheinen die ungradzahligen Streifen, wenn man die Spitze von links nach rechts führt, nach unten, die geradzahligen nach oben zu steigen (bei Bewegung der Spitze von rechts nach links umgekehrt). Das geschieht aber nur bei einer gewissen mittleren Geschwindigkeit und ist höchstwahrscheinlich bedingt durch die Vereinigung des positiven Nachbilds jedes vorhergehenden Querstrichs mit dem Bild des nachfolgenden, entspricht also den unten S. 587 beschriebenen Erscheinungen (vgl. auch PIERCE, 4 259). Zwei andere Scheinbewegungen, die man an der ZöLLNERSchen Täuschung beobachten kann, beschreiben FILEHNE (4 74) und PIERCE (1259, 4 264).Google Scholar
  15. 1.
    Eine interessante Modifikation dieses Versuches s. NAGEL (1254).Google Scholar
  16. 4.
    Es ist selbstverständlich ausgeschlossen, hier mehr als einen kurzen Hinweis auf den Grundgedanken von KöHLER ZU geben. Eine etwas eingehendere Besprechung bringt BECHER (1145).Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1925

Authors and Affiliations

  • Franz Bruno Hofmann

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