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Beziehungen zwischen Hormonen und Tumorwachstum

  • G. Martz
Part of the Heidelberger Taschenbücher book series (HTB, volume 41)

Überblick

Zwischen Endokrinologie und Onkologie bestehen vielfältige Beziehungen und Abhängigkeiten, deren Studium in vollem Fluß ist. Eine ganze Reihe wichtiger Erkenntnisse über Wesen und Ausbreitung der Neoplasien stammt aus diesem Grenzgebiet der Onkologie. Das Verständnis der Carcinogenese durch endogene und exogene Faktoren ist auf Grund verschiedener Manipulationen am endokrinen Gleichgewicht bei Versuchstieren vertieft worden. Das während langer Zeit aufrecht gehaltene Dogma des autonomen Wachstums aller bösartigen Tumoren konnte durch die erstaunliche Wirkung der Kastration bei Patienten mit Mamma- und Prostatacarcinom widerlegt werden. Jedoch hat nicht nur die Onkologie aus der endokrinologischen Forschung Gewinn gezogensondern umgekehrt auch die Endokrinologie aus Beobachtungen an Krebspatientenbesonders an solchen mit Tumoren die große Hormonmengen produzieren und dadurch zu klassischen Krankheitsbildern führen (z. B. zum Cushing-Syndrom). Geschichtlich gesehen entwickelten sich Onkologie und Endokrinologie ungefähr zur gleichen Zeit d. h. um die Jahrhundertwende zu experimentell fundierten klinischen Wissenschaften wobei sie sich immer wieder gegenseitig befruchtet haben.

Es ist wahrscheinlich, daß wir erst dann die Gesetze der Entstehung und der Ausbreitung maligner Tumoren verstehen werden, wenn die normalen Wachstumsvorgänge auf molekularbiologischer Ebene klar geworden sind. So wird jede Wachstumsforschung gleichzeitig zur Krebsforschung. Umgekehrt kann das Studium onkologisdier Fragestellungen zu neuen Erkenntnissen der allgemeinen Biologie führen, wie z. B. Ergebnisse der Chromosomen- und Virusforschung beweisen. Die praktische Medizin, die täglich mit der Behandlung bösartiger Geschwülste konfrontiert wird, kann jedoch nicht auf die endgültige Lösung der Grundlagenprobleme warten, sondern muß vorläufig durch Empirie gefundene therapeutische Mittel einsetzen. Es ist durchaus denkbar, daß — in Analogie z. B. zur klinischen Anwendung des Penicillins lange vor der Klärung seines Wirkungsmechanismus — kurative Krebsbehandlungsmethoden zur Verfügung stehen werden, bevor die Art ihrer Tumorwirkung verstanden wird.

In drei verschiedenartigen experimentellen bzw. klinischen Beobachtungen treten die engen Beziehungen zwischen Endokrinologie und Onkologie besonders deutlich zu Tage:

Tumorinduktion durdi Störung des hormonalen Gleichgewichtes;

hormonale Beeinflussung des Tumorwadistums;

hormonproduzierende Neoplasien.

Kenntnisse und Forschungen auf dem Gebiet der Tumorinduktion betreffen vorwiegend Tierversuche, die beiden anderen Gebiete gehören hauptsächlich der Klinik an.

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© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1968

Authors and Affiliations

  • G. Martz

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