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Einleitung

  • Günter Kersting
Chapter
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Part of the Monographien aus dem Gesamtgebiete der Neurologie und Psychiatrie book series (MONOGRAPHIEN, volume 90)

Zusammenfassung

Die von Bailey und Cushing erstmals 1926 vorgeschlagene und inzwischen von den meisten Kliniken und Laboratorien mit nur geringen Abänderungen übernommene Einteilung der Hirngeschwülste auf histogenetischer Grundlage (A Classification of tumors of the glioma group on a histogenetic basis with a correlated study of prognosis) ist keine histogenetische Klassifikation im Sinne der Allgemeinpathologie. Histogenetisch bedeutet dort eine Einteilung der Geschwülste nach den Geweben, von denen sie sich ableiten. Dieses in der allgemeinen Geschwulstpathologie bis auf wenige, nicht rubrizierbare Geschwülste konsequent durchgeführte Prinzip ist einfach, übersichtlich und vor allem im Hinblick auf die noch ungeklärte Frage der Geschwulstentstehung nicht vorgreifend. Die genannten Einteilungen der Hirngeschwülste sind demgegenüber cytogenetisch, teils embryogenetisch. Ihre Bezeichnung als histogenetische Klassifikation beruht auf der engen Anlehnung der einzelnen Ordnungen an die Histogenese des Zentralorgans und dem Versuch der Ableitung der einzelnen Tumorarten von ihren verschiedenen Differenzierungsstufen. Daß die Einordnung und Benennung der Hirngeschwülste nach den ihrem Zellbild vornehmlich in der Metallimprägnation entsprechenden Reifestadien der zentralnervösen Glia genetische Vorstellungen über ihre Entstehung fixiert, die nicht durch wissenschaftliche Erfahrungen gestützt werden, ist von den Autoren (s.a. Zülch) bald erkannt worden und hat zu einer ausdrücklichen Ablehnung derartiger Assoziationen geführt. Die nun gleichsam beziehungslose Benennung einzelner neuroektodermaler Geschwulstformen nach Begriffen, die der Embryogenese des Nervensystems entlehnt sind, bietet keinen Anlaß mehr zur Beanstandung, wie auch die Ordnung nicht mehr dadurch entwertet wird, daß einzelne der gewählten Differenzierungsstufen nur einen hypothetischen Charakter haben.

Copyright information

© Springer-Verlag OHG. Berlin · Göttingen · Heidelberg 1961

Authors and Affiliations

  • Günter Kersting
    • 1
  1. 1.Experimentelle Neurologie und NeuropathologieUniversität BonnDeutschland

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