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Das Problem

  • Klaus Conrad

Zusammenfassung

Der strahlende Held der Sagen und Legenden, der den Drachen tötet und die Jungfrau befreit, ist nach Überlieferung aller Kulturen und Epochen von „ebenmäßiger Gestalt“, von „,edlem Wuchs“ — niemals hingegen kurz und fett oder lang und dürr, niemals schwächlich und klein, niemals aber auch klobig und ungeschlacht. Nach tief unbewußtem Empfinden des Volkes gehört zum Wesen des Edlen auch die Harmonie der äußeren Gestalt, das Wohlabgewogene, Wohlproportionierte, die harmonische Mitte, die die Gegensätze ausgleicht. Je weiter sich freilich der Held vom Ideal des Heldischen entfernt, je mehr gewisse Verzerrungen und kleine Schwächen seinem Bild die Unzulänglichkeit des Menschlichen verleihen, desto mehr — und zwar beinahe in gleichem Maße — entfernt sich auch seine körperliche Gestalt von dieser Mitte des Ideals. Und nun lehrt uns ein Blick in das dichterische Gedankengut aller Zeiten, wie ganz bestimmten Wesenszügen sich wie von selbst ganz bestimmte körperliche Wesensmerkmale zugesellen, so als könnte es gar nicht anders sein: Don Quijote, der seltsame Held einer imaginierten Welt, mußte hager, dürr und langgliedrig sein, ebenso wie sein Gegenspieler Sancho, dieser Ausbund realistischer Weltbetrachtung, wohlbeleibt und kurzbeinig zu sein und leicht in Schweiß zu geraten hatte. Das tapfere Schneiderlein hat seinen Erfolg nicht dem Mut des Helden, vielmehr seiner schlauen Wendigkeit zu verdanken, die seiner offenbar etwas zu kurz gekommenen Körperlichkeit dem „Schneidergewicht“, zuzugehören scheint, wie sie ja auch in Gestalt des kleinen David die klobige Dummheit des Riesen Goliath besiegt.

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References

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Copyright information

© Springer-Verlag oHG. Berlin · Göttingen · Heidelberg 1963

Authors and Affiliations

  • Klaus Conrad
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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