Die Notwendigkeit der Feststellung von Normalmaßstäben und die Möglichkeit ihrer Ermittlung

  • Hans L. Lauber

Zusammenfassung

Im letzten Kapitel wurde skizziert, welche Auffassungsdifferenzen in der Beurteilung encephalographischer Befunde bei verschiedenen Krankheiten bestehen können, worauf schon Schiersmann, u. a. hingewiesen haben. Bei Überprüfung der Frage, welche Gründe für solche Differenzen in Betracht kommen, drängt sich der Gedanke auf, daß hier u. U. verschiedene Untersucher verschiedene Maßstäbe angelegt haben, wie es auch z. B. in dem Vergleich zahlenmäßig fixierter Schätzungen der Normalgrße des Encephalogramms zum Ausdruck kommt. W. Schulte, hat mit Stiawa, formuliert, daß der »Blick der Erfahrung« das beste diagnostische Kriterium sei und in dieser Behauptung wird ihm zweifellos ein Großteil der »Erfahrenen« folgen. Das Kriterium der Erfahrung wird aber beispielsweise durch unüberbrückbare Schwierigkeiten in der Bewertung erschüttert, wenn voneinander differierende Auffassungen auftreten. So darf noch einmal darauf hingewiesen werden, daß Scheid kürzlich eine Reihe von encephalographischen Röntgenaufnahmen mehreren »besonders erfahrenen« Kliniken zur getrennten Beurteilung übersandt und dabei — nicht einmal ü berraschend — sich beachtlich widersprechende Ergebnisse erzielt hat und sich zeigte, daß von 12 Encephalogrammen lediglich 4 praktisch übereinstimmend als pathologisch beurteilt worden waren. Auf der anderen Seite stand ein Fall, der für die meisten Untersucher keine Auffälligkeiten bot, aber doch von einer Klinik als sicher pathologisch, von einer anderen mit Einschränkungen als krankhaft verändert angesehen wurde. Dieübrigen 7 Fälle fanden eine ähnlich abweichende Beurteilung, manche Bilder waren sogar grob gegensätzlich ausgedeutet. So erschienen einige Encephalogramme dem einen Untersucher unbedingt pathologisch, dem anderen ebenso unzweifelhaft normal. Besonders wichtig ist die Tatsache, daß Scheid, keinerlei Systematik in der Beurteilung fand, also nicht etwa die eine Stelle ganz allgemein dazu neigte, häufiger Normalbefunde anzunehmen, und die andere höhere Anforderungen an ein unverdächtiges Encephalogramm stellte. Vielmehr streuten die Abweichungen zwischen den gefällten Urteilen praktisch ohne jede Regel.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturhinweise

  1. *).
    Einzelheiten und mathematische Beweisführung statistischer Methoden müssen i. w. als bekannt vorausgesetzt werden. Sie sind ggf. nachzulesen in den einschlägigen Lehrbüchern der Statistik.Google Scholar

Copyright information

© Johann Ambrosius Barth München 1965

Authors and Affiliations

  • Hans L. Lauber
    • 1
    • 2
  1. 1.Medizinischen Akademie DüsseldorfDeutschland
  2. 2.Rheinischen Landeskrankenhauses LangenfeldDeutschland

Personalised recommendations