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Zusammenfassung

Die alten Griechen hätten nicht wenig gestaunt, daß es jemandem einfallen soilte, eine Veranstaltung wie die unsere, morgenhell, nüchtern und geordnet, als em Symposion zu bezeichnen. Tm Altertum verstand man unter Symposion einen Herrenabend, bei dern scharf gezecht wurde. (Symposion von sym-posis = zusammen trinken.) Gelage wäre die treffendste Übersetzung. Bei dem Symposion, das in Platos Dialog verherrlicht ist, ging es allerdings etwas anders zu — doch nicht so ganz anders. Die Gäste, die sich in Agathons Haus versammelten, hatten dort schon am Vorabend heftig getrunken, seinern Dichtersieg zu Ehren. Nun, nachdem die Herren die Begierden des Leibes nicht ohne Ungemach gestilit hatten, waren sie am zweiten Festtag bereit, geistigen Freuden zu frönen. Die Bedauernswerten kannten ja weder Aspirin noch Megaphen. So legte sich jeder auf seine Couch nieder und, während die Weinschale nur langsam kreiste, folgten der Abrede gemäß einer dern anderen mit einer Lobrede auf den Gott Eros. Unter den Teilnehmern fanden sich Aristophanes, Sokrates und andere Celebritäten. Wenn ich das alles so bedenke, dann will es mir scheinen, als ob unser Symposion dem Original außerordentlich nahegekommen sei. Gestern war der Vorabend, an dem wir in der Kongreßhalle und auf dem Dolder zusammen schrnausten, um Bleulers Sieg zu feiern.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1958

Authors and Affiliations

  • E. Straus
    • 1
  1. 1.LeixingtonUSA

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