Untersuchungen an hirngeschädigten Kindern

  • H. Müller-Küppers

Zusammenfassung

In der Konfliktsituation, über die Methodik oder die Ergebnisse meiner Untersuchung zu berichten, möchte ich eigentlich, insbesondere gestützt auf die Diskussion vom gestrigen Tage, der Darstellung der Methodik den Vorzug geben. Ich glaube, daß die so ungewöhnlich verdienstvolle Herausarbeitung des exogenen Psychosyndroms von Herrn Lempp allerdings folgende Schwierigkeit hat. Die Diagnose des exogenen Psychosyndroms wird meines Erachtens viel zu häufig gestellt, und zwar bei Fällen, für die Herr Lempp die Voraussetzungen für nicht gegeben erachten würde. Das bezieht sich insbesondere auf den Zeitfaktor. Herr Lempp will ja doch eine verhältnismäßig exakte Begrenzung nach oben, etwa bei dem ersten, höchstens zweiten Lebensjahr sehen. Ich würde aber nun auch mit ihm glauben, daß wir als Kinderpsychiater, die wir ja diese Fälle im allgemeinen doch erst nach dem dritten, vierten und noch späteren Lebensjahr — Höhepunkt ist der Zeitpunkt der Einschulung — zu sehen bekommen, uns eigentlich etwas weniger auf die Ätiologie und Pathogenese, als vielmehr auf die Schwere der Schädigung ausrichten sollten, und ich würde überlegen oder zur Diskussion stellen, ob man nicht besser von leichten, mittleren, oder schweren Hirnschädigungen spricht und etwa dieselben Definitionskriterien dabei ansetzt, die Herr Lempp gegeben hat. Ich würde jedenfalls meinen, daß die Differentialdiagnose dieses Krankheitsbildes immer um so schwieriger wird, je geringer die Ausprägung ist. Gestern ist ja schon mit Recht gefragt worden: Wie weist man eigentlich nach, daß keine leichte frühkindliche Hirnschädigung vorliegt?

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin-Heidelberg 1970

Authors and Affiliations

  • H. Müller-Küppers
    • 1
  1. 1.HeidelbergDeutschland

Personalised recommendations