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Zusammenfassung

Wir begegnen im Bereich der Symptomatologie der Psychosen, ganz besonders bei schizophrenen Erkrankungen symptomatologisch oft sehr bedeutsamen Äußerungen von Patienten, die unserem Verständnis die allergrößten Schwierigkeiten bereiten, weil wir nicht in der Lage sind, die diesen Äußerungen zugrunde liegenden Erlebnisweisen in eine verständliche Beziehung zu anderen Tatbeständen psychischen Geschehens zu bringen oder sie auf die Störung eines uns aus der Psychologie des Normalen bekannten psychischen Tatbestandes zurückzuführen. Man denke an die Angaben Schizophrener, ihre Gedanken oder Bewegungen würden beeinflußt, sie ständen unter Hypnose oder sie seien gar nicht die Persönlichkeiten, für die sie selbst und andere sie bisher gehalten hatten. Wir wissen nicht, worauf wir die solchen Äußerungen zugrunde liegenden Erlebnisweisen beziehen sollen. Anders verhält es sich z. B. mit Selbstvorwürfen und Befürchtungen Depressiver. Die die depressive Erkrankung charakterisierende krankhafte Veränderung der Affektlage hat wie jede Affektlage Gesunder einen Einfluß auf die Selbsteinschätzung und die zwischen Optimismus und Pessimismus liegenden Erwartungen künftigen Schicksals. Es sind uns hier aus dem normalen psychischen Erleben Zusammenhänge bekannt, die für das Verständnis der krankhaften Erlebnisse von einleuchtendem Wert sind. Es besteht ein sinnvoller Zusammenhang zwischen depressiver Verstimmung, Selbstvorwürfen und Befürchtungen. Solche sinnvollen Beziehungen können wir für die oben angeführten Erlebnisweisen Schizophrener nicht angeben. Sie sind für uns charakteristische Symptome, bleiben aber in einem besonderen Sinne unverständlich, weil ihnen jede Beziehung untereinander und zu normalpsychologischen Erlebnisweisen zu fehlen scheint.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1963

Authors and Affiliations

  • Jürg Zutt
    • 1
  1. 1.Johann-Wolfgang Goethe UniversitätFrankfurt A. M.Deutschland

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