Die Problematik von Haltung und Fortbewegung

  • F. J. J. Buytendijk

Zusammenfassung

Im Ablauf der menschlichen Selbstbewegung kann eine stehende Haltung entweder eine Endphase oder einen Ausgangspunkt darstellen, das Resultat einer Handlung : erreichtes Ziel beim Aufstehen oder Anhalten, oder eine Ausgangslage als erste Phase einer neuen Tätigkeit. Doch in beiden Fällen zeigt sich das Stehen von der beendeten oder zu beginnenden Handlung abhängig.

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Literatur

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    Auch wenn man, wie neuerdings R. Wagner („Probleme und Beispiele biologischer Regelung“, Stuttgart 1954) diesen „Apparat“ nicht mehr nach dem einfachen Reflexschema sondern als Regler im technischen Sinne begreift, bleibt er ein funktionelles Hilfsmittel. Man nimmt jetzt an, daß im peripheren Bogen Muskel-Rückenmark zwei Koppelungskreise ineinander greifen. Der eine hat einen dehnungsempfindlichen Fühler im Muskel. Er treibt bei dessen Dehnung ohne Gegenkoppelung die Erregung in die Höhe. Der Fühler des andern liegt in der Sehne und ist spannungsempfindlich. Er arbeitet mit Gegenkoppelung und hemmt die Erregung.Google Scholar
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    Man wird vielleicht einwenden, daß jeder, auch jedes Kind und jede Frau, etwas asymmetrisch steht oder sitzt. Insbesondere ein Kind kann schwer lange in derselben Haltung ausharren. Die unauffällige (unpersönliche) Haltung, die man früher von Kindern und Frauen verlangte, enthielt zugleich die Forderung, still und steif zu stehen und zu sitzen. Zwischen dem Respekt (der Symmetrie) und der Bequemlichkeit (die leichte Asymmetrie forderte) wurde dann ein Kompromiß geschlossen. Daß unter bestimmten Umständen (z. B. Verlegenheit) Kinder und Frauen asymmetrische Haltungen annehmen, ist allgemein bekannt. Vgl. dazu die Bemerkung auf der nächsten Seite.Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Berlin Heidelberg 1956

Authors and Affiliations

  • F. J. J. Buytendijk
    • 1
  1. 1.Reichsuniversität UtrechtHolland

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