Zusammenfassung

Die Agnosie nimmt in der klassischen Hirnpathologie eine ganz bestimmte Stellung ein, die allein durch die prinzipielle Bedeutung dieser an sich seltenen Störung verständlich gemacht wird. Zusammen mit der Apraxie, der Aphasie und spezielleren Störungen wie Alexie, Akalkulie usw. bildet sie in der klassischen Lokalisationslehre eine eigentümliche Zwischenschicht zwischen den „elementaren“, sozusagen auf physiologischer Ebene Hegenden Lähmungen, sensiblen und sensorischen Störungen, die an bestimmte, einigermaßen genau definierte anatomische Substrate geknüpft sind, und zwischen den höchsten Äußerungen seelischer Tätigkeit, die sich jedenfalls bisher einer anatomischen und physiologischen Betrachtungsweise weitgehend entziehen. Dabei gehört diese Zwischenschicht und mit ihr die Agnosie zweifellos in den Bereich der psychischen Leistungen, aber — und das macht ihre Bedeutung aus — diese Leistungen werden an umschriebener Stelle des Gehirns lokalisiert gedacht. Wenn diese Annahme richtig wäre, so würde dies beweisen, daß psychische Vorgänge in einzelne, isolierte Elemente zerlegbar, und diese elementaren psychischen Funktionen isoliert und im Gehirn lokalisiert werden können, das dann zu einem Konglomerat vieler Einzelorgane für diese verschiedenen seelischen Elementarfunktionen würde.

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Copyright information

© Springer-Verlag OHG. in Berlin, Göttingen and Heidelberg 1950

Authors and Affiliations

  • E. Bay
    • 1
  1. 1.NervenabteilungLudolf-Krehl-KlinikHeidelbergDeutschland

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