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Kongreß pp 375-376 | Cite as

Molekularbiologische Aspekte der Leukämien

  • C. R. Bartram
Conference paper
Part of the Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin book series (VDGINNERE, volume 93)

Abstract

Molekulargenetische Techniken haben in den letzten Jahren einen festen Platz in der medizinischen Grundlagenforschung eingenommen und werden in zunehmendem Umfang auch für klinisch relevante Fragestellungen herangezogen. Diese Entwicklung läßt sich besonders gut am Beispiel der Leukämien belegen. Mit Hilfe molekulargenetischer Methoden gelang es:
  1. 1.

    Teilschritte der Leukämieentstehung näher zu charakterisieren (pathologische Aktivierung von Onkogenen, Induktion eines T-Leukämie Subtyps durch Retrovirus HJVI),

     
  2. 2.

    molekulare Marker zur Diagnose und Subklassifikation von Leukämiepopulationen zu entwickeln (Genotypisierung),

     
  3. 3.

    die klinische Überprüfung neuer therapeutischer Strategien durch die Bereitstellung von Zytokinen (Interferone, Interleukine, Tumor-Nekrose-Faktor etc.) zu ermöglichen.

     

Zwei Beispiele sollen diese Entwicklung verdeutlichen. Anhand der chronisch myeloschen Leukämie (CML) kann gezeigt werden, wie Erkenntnisse aus der Onkogenforschung von unmittelbar klinischer Relevanz sein können. So wird der Nachweis eines Rearrangements zwischen den c-abl und bcr Gen, welches molekulargenetisch die Philadelphia-Translokation kennzeichnet, zur Diagnose, Subklassifikation und therapeutischen Verlaufsbeobachtungen bei CML und verwandter Krankheitsbilder genutzt.

Zu den bewährten morphologischen, zytochemischen, zytogenetischen und immu-nologischen Parametern, welche heute zur Klassifikation von Leukämien herangezogen werden, ist in den letzten Jahren auch die molekulargenetische Typisierung getreten. Diese Entwicklung wurde durch die Klonierung der Gene der Immunglobuline und des T-Zell-Rezeptors ermöglicht. Ein Rearrangement entsprechender Sequenz dient heute als hochspezifischer, individueller Klonalitätsmarker von Leukämien. Derartige Genotypisierungen ergaben den überraschenden Befund, daß eine nach phänotypischen Kriterien einheitliche Leukämie aus mehreren genetisch definierten Zellklonenn bestehen kann und entsprechende Subklone ganz unterschiedlich auf therapeutische Interventionen reagieren können.

Betont warden muß, daß viele der mit molekulargenetischen Techniken erhobenen Befunde erst im Kontext von klinischen Daten interpretiert warden können und somit eine enge Kooperation zwischen Klinik und Grundlagenforschung voraussetzen.

Copyright information

© J. F. Bergmann Verlag, München 1987

Authors and Affiliations

  • C. R. Bartram
    • 1
  1. 1.Universitätskinderklinik UlmDeutschland

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