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Kongreß pp 121-122 | Cite as

Die Organisation der vegetativen und neuroendokrinen Transmittersysteme

  • T. Hökfelt
Conference paper
Part of the Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin book series (VDGINNERE, volume 93)

Abstract

Mit Hilfe von modernen histochemischen Techniken ist es nun möglich, eine ziemlich genaue Vorstellung von dem chemischen Inhalt von Neuronen im peripheren und zentralen Nervensystem zu erhalten. Im besonderen hat sich die immunohistochemische Technik, zuerst von Coons in den 40er Jahren entwickelt, als sehr wertvoll herausgestellt. Mit dieser Technik können fast alle Substanzen, gegen welche Antikörper hergestellt werden können, in Schnitten nachgewiesen werden, sowohl auf dem Niveau des Lichtmikroskopes als auch des Elektronenmikroskopes. Weiter ist es möglich, die direkten Projektionen von Neuronen mit Hilfe von retrograden Spurungstechniken zu analysieren. Diese können auch mit Immunohistochemie kombiniert werden, und damit können die Projektionen von histochemisch definierten Neuronpopulationen untersucht werden.

Im Zentrum von unserem Interesse steht der Nachweis von Substanzen, die bei der Übertragung von Nervenimpulsen von einem Neuron zu einem anderen als Transmittersubstanzen eingeschaltet werden. Es ist nun möglich, eine Reihe von solchen Substanzen nachzuweisen und ihre Lokalisation zu bestimmen, zum Beispiel Acetylcholine (ACh), die Katecholamine, Dopamin (DA), Noradrenalin (NA) und Adrenalin (A), 5- Hydroxytryptamin (5-HT) und die Aminosäuren GABA und Glycine. Neuerdings haben auch eine Reihe von Peptiden, heutzutage bis auf vierzig Stück, das Interesse von vielen Wissenschaftlern erregt. Solche Peptide inkludieren hypothalamische Faktoren wie LHRH, TRH, Somatostatin, CRF und GRF und auch noch eine Reihe von Mitgliedern dieser Gruppe, zum Beispiel Substanz P, opioide Peptide, VIP und so weiter.

Die große Zahl von solchen potentiellen Überträgersubstanzen hat die Frage aufgebracht, in welchem Ausmaße alle Substanzen in der Tat in separaten Systemen vorliegen, d.h. hat ein Neuron nur eine Überträgersubstanz wie bisher allgemein angenommen wurde? Eine genaue Analyse hat ergeben, daß man öfters mehr als eine solche Substanz in einem Neuron findet, und dieses Phänomen wird oft Koexistenz von Überträgersubstanzen genannt. Folglich können nicht nur klassische Transmittoren (ACh, DA, NA, A, 5-HT, GABA) mit einem oder mehreren Peptiden zusammen gefunden werden, sondern neuerdings ist es auch moglich, mehrere klassische Transmittoren in einem Neuron nachzuweisen. Die funktionelle Bedeutung der Koexistenz ist noch nicht ganz klar, aber Versuche sind durchgeführt werden, die auf verschiedene Typen von Interaktion hinweisen. In vielen Fällen scheint das Peptid den klassischen Transmitter zu unterstützen und in anderen Fallen ihm entgegenzuwirken, zum Beispiel durch eine Reduktion der Freisetzung.

Die Koexistenz von multiplen Überträgersubstanzen ist besonders häufig in Systemen, die in den neuroendokrinen Kontrollen eingeschaltet sind. Zum Beispiel kann man in hypothalamischen Neuronen, die hin zu der Eminentia mediana projizieren und die Freisetzung von Hormonen der Hypophysenvorderlappen kontrollieren, bis zu fünf Substanzen vorfinden. Auch hier findet vermutlich eine komplizierte Reihe von Interaktionen statt, bevor die endgültige Freisetzung von den hauptsachlichen „Releasing and Inhibitory Factors“ stattfindet. In dem Vortrag werden Beispiele gezeigt, die die oben genannten prinzipiellen Befunde illustrieren.

Copyright information

© J. F. Bergmann Verlag, München 1987

Authors and Affiliations

  • T. Hökfelt
    • 1
  1. 1.Department of HistologyKarolinska InstitutetStockholmSweden

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