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Kongreß pp 54-54 | Cite as

Aktueller Stand und Ergebnisse der Pankreastransplantation — Internistische Aspekte

  • R. Landgraf
Conference paper
Part of the Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin book series (VDGINNERE, volume 93)

Abstract

Die Zunahme der Pankreastransplantationen und die Verbesserung sowohl des Patienten- als auch des Transplantatüberlebens macht es jetzt möglich, Vorteile und Risiken der Pankreastransplantation bei Typ-I-Diabetikern detaillierter zu diskutieren. Insbesondere kann die Frage angegangen werden, ob die durch Pankreastransplantation erreichte Normoglykämie diabetische Komplikationen verhindert oder bereits bestehende vaskuläre Komplikationen stoppen oder rückgängig machen kann.

Aufgrund einer Reihe von technischen und immunologischen Problemen sowie wegen der geringen Anzahl von Organspendern ist die Indikation zur Pankreastransplantation heute noch sehr eng umrissen. Es kommen ausschließlich Typ-I-Diabetiker in Frage mit präterminaler und terminaler Niereninsuffizienz und bei schwerster proliferativer Retinopathie auch ohne wesentliche Einschränkung der Nierenfunktion. Bei Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz wird die simultane Transplantation einer Niere und des Pankreas vom gleichen Spender empfohlen. Die Selektion der Patienten erfolgt durch eine ausgedehnte Voruntersuchung, die sich von anderen Organtransplantationsuntersuchungen dadurch unterscheidet, daß neben einer ophtalmologischen und neurologischen Untersuchung auch der Grad der Makroangiopathie durch angiographische Verfahren einschl. Koronarangiographie dokumentiert wird. Eine Kontraindikation zur Pankreastransplantation ergibt sich bei Patienten, die älter sind als 50 Jahre und bei jüngeren Patienten mit schweren vaskulären Veränderungen insbesondere der hirnversorgenden und koronaren Gefäße. Die außerordentlich intensiven Voruntersuchungen dienen nicht nur der Selektion der Diabetiker, sondern sind darüber hinaus außerordentlich wichtig für die Beantwortung der Frage nach dem Verlauf der diabetischen Spätkomplikationen nach erfolgreicher Organtransplantation. Die Pankreastransplantation ist in den letzten 3–4 Jahren wesentlich erfolgreicher geworden. Weltweit ist das Einjahrestransplantatüberleben im Moment bei etwa 40%, wobei in einzelnen Zentren Einjahrestransplantatüberleben bis zu 70% beschrieben wurden. Das Einjahrespatientenüberleben liegt im Schnitt bei 80–85%, in einzelnen Zentren wiederum bei 95–100%. Die mit der erfolgreichen Transplantation erreichte Normoglykämie führt trotz des meist fortgeschrittenen diabetischen Spätsyndroms zu einer wesentlichen Besserung nicht nur der peripheren Neuropathie gemessen an den subjektiven und klinischen Zeichen, und mit Hilfe der sensiblen und motorischen Nervenleit- geschwindigkeit, sondern auch in den allermeisten Fällen zu einer Stabilisierung der meist vorhandenen proliferativen Retonopathie. Es gibt darüber hinaus erste Hinweise für eine Regression vorhandener diabetischer Komplikationen nicht nur am Auge, sondern auch am Nervensystem und an Parametern der peripheren Mikrozirkulation. Die Entwicklung einer diabetischen Nephropathie läßt sich durch eine erfolgreiche Pankreastransplantation verhindern und bereits eingetretene Veränderungen der glomerulären Basalmembran und des Mesangiums können sich zurückbilden. Trotz der bisher begrenzten Erfahrungen mit der erfolgreichen Pankreastransplantation bei Typ-I-Diabetikern läßt sich jetzt sagen, daß schwere diabetische Komplikationen durch Glukosenormalisierung gebessert werden können. Die Pankreastransplantation ist deshalb für kritisch ausgewählte Typ-I-Diabetiker bereits heute eine neue therapeutische Möglichkeit.

Copyright information

© J. F. Bergmann Verlag, München 1987

Authors and Affiliations

  • R. Landgraf
    • 1
  1. 1.Medizinische Klinik InnenstadtUniversität MünchenDeutschland

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