Cancerogene Faktoren in der Umwelt

  • D. Schmähl
Conference paper
Part of the Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin book series (VDGINNERE, volume 78)

Zusammenfassung

Untersuchungen der „geographischen Pathologie“ sowie der Epidemiologie von Geschwulsterkrankungen in den letzten 2 Jahrzehnten haben das überraschende Ergebnis erbracht, daß die Tumorlokalisationen von Kontinent zu Kontinent, ja von Land zu Land sehr unterschiedlich sein können [1] (und Einzelliteratur bei [2]). Dafür einige fast schon klassisch gewordene Beispiele: Es war schon lange bekannt, daß in Tibet und Kaschmir die sog. „Kangri Krebse“ 84% aller Krebsoperationen ausmachten. Es handelt sich dabei um Brandnarben krebse des Leibes, die dadurch entstehen, daß im Winter Töpfe mit glühender Holzkohle, auf der Bauchhaut befestigt, getragen werden, welche zu chronischen Verbrennungen führen, die zusammen mit dem Ruß und Rauch des Holzkohlenfeuers zu Krebsbildungen Anlaß geben. — Das Magencarcinom tritt am häufigsten in Japan auf, am wenigsten bei der weißen USA Bevölkerung. Die Unterschiede in der Frequenz verhalten sich 5:1. Aber auch innerhalb Japans ist die Magenkrebshäufigkeit nochmals wie 2:1 unterschieden. In der ganzen Welt verzeichnet man einen leichten bis mäßigen Rückgang der Magenkrebsmorbidität, nur in Japan nimmt diese Tumorart noch weiter zu. Es liegt nahe, daß dies spezifische Ursachen haben muß. — Ganz anders verhält sich dagegen die geographische Pathologie des Bronchuskrebses. Dieser Tumortyp tritt z. B. in Japan relativ selten auf, am häufigsten dagegen auf den britischen Inseln (Verhältnis 1: 4). Auch das muß natürlich besondere Gründe haben. — In Assam sind 57% aller Malignome in den oberen Verdauungswegen lokalisiert, während bei der Landbevölkerung Bulgariens das Hautcarcinom mit 72% aller Tumorformen dominiert. — Ganz besonders deutlich ist der Unterschied bei der Frequenz des Mundhöhlenkrebses in Europa im Verhältnis zu manchen asiatischen Ländern (Indien, Ceylon, Thailand) Das Verhältnis ist etwa wie 1:35. 30% aller in diesen asiatischen Regionen auftretenden Geschwülste sind Mundhöhlencarcinome (in Europa 0,5 bis 1%). Als Ursache dieser Tumorart wird das in Asien häufig geübte Kauen von Betelnüssen in einer Rohtabakumwicklung angesehen, denn es erkranken praktisch nur „Betelkauer“ an Mundhöhlenkrebs. — Innerhalb Afrikas ist die Relation Cervix zu Korpuscarcinom extrem unterschiedlich (Tabelle 1). Auch hierfür werden exogene Einflüsse (z. B. Sexualhygiene) verantwortlich gemacht.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1972

Authors and Affiliations

  • D. Schmähl
    • 1
  1. 1.Institut für experimentelle Toxikologie und ChemotherapieDeutschen Krebsforschungszentrum HeidelbergDeutschland

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