Spezielle Verfahren

  • Wolfgang Petro
  • Nikolaus Konietzko

Zusammenfassung

Die Bestimmung der Lungendehnbarkeit zählt zu den objektiven, d. h. von der Mitarbeit des Patienten unabhängigen Verfahren. Sie zeichnet sich durch eine hohe Empfindlichkeit und gute Reproduzierbarkeit aus. Die Methodik ist einfach, die diagnostische Aussage klar; ebenso ergeben sich kaum Probleme bei der Interpretation der Befunde. Die Lungendehnbarkeitsmessung komplettiert die atemmechanische Diagnostik durch die Aussage über die elastischen Eigenschaften der Lunge (Lungendehnbarkeit = Compliance = ΔV/Δp). Der Wert der Compliance ist im Falle einer starren, d. h. wenig dehnbaren Lunge, vermindert, oder im Falle einer schlaffen oder stark dehnbaren Lunge vergrößert (46). Das Meßprinzip beruht auf der Erkenntnis, daß der Druck im Pleuraraum ein direktes Abbild der elastischen Rückstellkraft der Lunge ist (Abb. 28). Die Elastizität der Lunge mit ihrem Streben nach Verkleinerung steht der Zugkraft des Thorax entgegen. Der Druck im Pleuraspalt ist negativ. Die Druckschwankungen im Pleuraspalt ergeben — bezogen auf das bewegte Lungenvolumen — einen Hinweis auf die Dehnbarkeitsverhältnisse. Registriert wird eine sogenannte Druck-Volumen-Kurve, wobei das Volumen mittels Spirometrie am Mund und statt des Pleuradruckes der Druck im Ösophagus mit Hilfe einer Sonde gemessen wird. Die Lungendehnbarkeit ergibt sich als Quotient aus Volumenänderung und Druckänderung (ΔV/Δp) ; (40). Bei einer „starren“ oder „steifen“ Lunge zeigen sich hohe Druckänderungen bei geringerer Volumenänderung, bei „schlaffer“ Lunge verhält es sich umgekehrt. Es muß Klarheit darüber bestehen, daß in die Messung der Lungendehnbarkeit ein erhöhter Atemwegswiderstand eingehen kann. Zu seiner Überwindung müssen die Druck-schwankungen im Pleuraspalt bzw. im Ösophagus größer werden, sie täuschen somit eine verminderte Lungendehnbarkeit vor. Deshalb ist die Compliance als Meßwert unter statischen Bedingungen definiert, d. h. bei der Strömung Null. Da dies im Rahmen einer Messung, ganz besonders bei schwerkranken Patienten, nicht realisierbar ist, wird in der klinischen Funktionsdiagnostik die quasistatische Compliance, d. h. die Druck-Volumen-Beziehung bei der geringsten dem Patienten zumutbaren Atemfrequenz gemessen. Der so ermittelte Meßwert wird als „statische Compliance“ (CLstat) bezeichnet.

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Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag, GmbH & Co. KG, Darmstadt 1989

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Petro
    • 1
  • Nikolaus Konietzko
    • 2
  1. 1.Klinik Bad ReichenhallFachklinik für Erkrankungen der Atmungsorgane der LVA Niederbayern-OberpfalzBad ReichenhallDeutschland
  2. 2.Ruhrland-KlinikZentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie der LVA RheinprovinzEssen-HeidhausenDeutschland

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