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Besonderheiten psychosomatischer Konfliktverarbeitung bei Frauen in der Vorphase eines akuten Myokardinfarktes

  • K. H. Ladwig
  • T. Faus-Keßler

Zusammenfassung

Die psychosomatische Forschung hat wesentlich seltener geschlechtsspezifische Differenzen in der Prävalenz und Ausprägung psychisch mitverursachter Erkrankungen ermitteln können, als man gemeinhin annehmen könnte, So könten für funktionelle Syndrome im gastrointestinalen Bereich keine Häufigkeitsunterschiede zwischen Frauen und Männern ermittelt werden (19); gleiches gilt für psychosomatische Aspekte bei Morbus Crohn, und selbst bei der Colitis ulcerosa gibt das epidemiologische Material der verbreiteten Auffassung nicht recht, daB diese eine ausschlieBliche Erkrankung junger Frauen sei (3). Auch da, wo sich zwischen den Geschlechtem ein Unterschied in Inzidenz und Prävalenz abzeichnet - einige Untersuchungen deuten beispielsweise dar- -auf hin, daB Frauen haufiger an funktionellen kardiovaskularen Erkrankungen leiden als Manner - ist die Datenqualitat solcher Untersuchungen in der Regel unzureichend, urn sie für eine spezifische Geschlechtsauspragung generalisieren zu können, Nach der Lehrbuchauffassung der klinischen Psychologie gibt es keine Hinweise auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung von psychoneurotischen Entwicklungen. L. J. Pongratz beispielsweise faBt als Resultat von Untersuchungen zur Geschlechtsspezifitat der Neurose zusammen, daB „die Bedeutung der Geschlechtsunterschiede schwer zu belegen“ sei (S. 171). Er macht darauf aufmerksam, daB - selbst wenn ein Geschlecht von Neurosen starker befallen wäre wir kein Recht hatten, diesen Befund auf geschlechtsspezifische Gene zuriickzuflihren. „Viel naher liegt namlich die soziokulturelle Erklarung. So könte in unserer Gesellschaft die Neurose des Mannes mit dem vielfachen LeistungsstreB, die Neurose der Frau mit ihrem oft unerflillten Lebenskreis in einen einleuchtenden Zusammenhang gebracht werden“ (18).

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Copyright information

© Dr. Dietrich SteinkopffVerlag, GmbH & Co. KG, Darmstadt 1987

Authors and Affiliations

  • K. H. Ladwig
  • T. Faus-Keßler

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