Frequenzselektionsvermögen und Spracherkennung bei Kindern

  • H. G. Demus
  • C. Rasinski
Conference paper
Part of the Verhandlungsbericht 1994 der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie book series (VBDG HNO, volume 1994 / 2)

Zusammenfassung

Zur Fehlhörigkeit zählt neben dem zeitlichen Auflösungsvermögen („gap detection“) das Frequenzselektionsvermögen (FSV), die Fähigkeit des peripheren Hörorgans, ein Nutzsignal bei Anwesenheit eines Störsignals zu selektieren. Reduziertes FSV hat zur Folge, daß die höheren Formanten nicht oder nur eingeschränkt erkannt werden und damit Spracherkennung gemindert ist. Mittels einer von Zwicker (1974) inaugurierten Meßmethode, die auf Verdeckungsmessungen beruht, haben wir psychoakustische Tuningkurven (pTK), eine Art Filtereingangskurven des Ohres, gemessen. Wegen der nicht ganz leichten Entscheidungsfindung durch den Patienten, „Testton verdeckt durch Maskierton“, wurden bisher nur Erwachsene untersucht. Wir konnten bei normalhörenden, kooperativen Kindern bis zum 5. Lebensjahr herab pTK messen. Offen bleibt bisher die aufgeworfene Frage, ob Kinder schmalere pTK aufweisen als jugendliche Erwachsene. Bei schwerhörigen Kindern konnten bis zum 7. Lebensjahr pTK gemessen werden. Während im unteren Formantgebiet bei der Testfrequenz fT= 500 Hz meist noch ein gutes FSV ermittelt wurde, bestätigt durch Sprachaudiogramme (Zahlentest), war bei allen Kindern das FSV bei fT = 4000 Hz wesentlich eingeschränkt. Vom Audiogramm kann man nicht auf das FSV schließen. Kinder mit auffällig schlechter Sprache oder Spracherkennung sollten bzgl. ihres FSV untersucht werden. Eine Hörgeräteversorgung kann vermindertes FSV nicht kompensieren.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1994

Authors and Affiliations

  • H. G. Demus
    • 1
  • C. Rasinski
    • 1
  1. 1.Halle/SaaleDeutschland

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