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Depression pp 185-194 | Cite as

Die Rolle von Scham, Schuld und Gewissenskonflikten in der Depression

  • Léon Wurmser
Conference paper

Zusammenfassung

Es gibt wohl keine Form klinisch wichtiger Depression, bei der sich nicht das Problem massiver Selbstkritik und Selbstverurteilung als zentral erweist, wo sich mithin Fragen von Scham und Schuld stellen. In der Behandlung mancher schwer depressiver Patienten steht die pharmakologische Zugangsweise so sehr im Vordergrund und ist auch offenkundig so wirksam, daß es einen manchmal verführen mag, diese Ausdrucksformen intrapsychischen Konflikts abzuschreiben (to give them short shrift). Auf der anderen Seite besteht bei der psychoanalytischen oder psychotherapeutischen Behandlung, bei der Offenkundigkeit schwerer innerer Konflikte und gegen den Hintergrund oft massiver Traumatisierung, die Verlockung, trotz schweren, andauernden Leidens des Patienten eine Lösung ausschließlich auf psychologische Weise zu versuchen und, trotz geringer Bewegung, auf diesem einseitigen Zugang zu beharren. In meiner eigenen Erfahrung ist es aber oft so, daß wir erst dann, wenn wir beide Zugangsweisen, gleichsam die horizontale, symptomgerichtete durch Medikamente und andere stützende Eingriffe, und die vertikale, auf die Lösung innerer, weitgehend unbewußter Konflikte gerichtete, in kluger und individuell angemessener Weise kombinieren, am weitesten kommen. Entsprechend habe ich manche Patienten sowohl in Analyse, während sie gleichzeitig, gewöhnlich unter der Aufsicht eines Kollegen, medikamentös behandelt werden.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993

Authors and Affiliations

  • Léon Wurmser

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