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Der Kranke und seine Krankheit in der Literatur

  • Dietrich von Engelhardt
Conference paper
Part of the Veröffentlichungen aus der Forschungsstelle für Theoretische Pathologie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften book series (VERÖFF PATHOL)

Zusammenfassung

Krankheit und Kunst, Medizin und Literatur hängen auf vielfältige Weise zusammen; Katharsis wird seit der Antike mit dem Besuch von Tragödien verbunden. Bibliotherapie basiert auf der therapeutischen Kraft des Lesens, die heilsame Wirkung des Schreibens wird mit dem Ausdruck Graphotherapie bezeichnet. Goethe empfindet sich nach der Niederschrift des Werther erlöst „wie nach einer Generalbeichte, wieder froh und frei zu einem neuen Leben“. Jede Kunsttherapie hat eine rezeptive und produktive Form, heilsam kann die Aufnahme des Allgemeinen, ebenso aber auch die Entäußerung des Individuellen sein. Kafka erinnert mit Recht allerdings daran, daß Kunst jede Therapie im unmittelbar medizinischen Sinn überschreitet; Bücher seien wie „die Axt für das gefrorene Meer in uns“. Genialität und Wahnsinn werden seit der Antike in eine innere Verbindung gebracht. Hölderlin fühlt sich von „Apollo geschlagen“, als er im Herbst 1802 geistig gestört aus Frankreich in seine schwäbische Heimat zurückkehrt. Geisteskrankheit kann zur Produktivität in den Bereichen der Literatur wie Malerei anregen; über den Kunstcharakter dieser Werke sind die Auffassungen geteilt.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • Dietrich von Engelhardt

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