Verbesserte Cisplatinsensitivität bei Plattenepithelkarzinomen

  • W. Bergler
  • H. Bier
Conference paper
Part of the Verhandlungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie book series (VBDG HNO, volume 1991 / 2)

Zusammenfassung

Cisplatin, ein für Karzinome des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches effektives Zytostatikum, ruft neben seiner Wirkung auf den Zellkern ebenso verschiedene Veränderungen in der Zellmembran hervor, wo sich u. a. der Rezeptor des epidermalen Wachstumsfaktors befindet und von dem nach Aktivierung durch EGF eine proliferationsstimulierende Wirkung ausgeht. Unsere Untersuchungen hatten zum Ziel, über eine verstärkte Proliferationshemmung die Effektivität von Cisplatin zu steigern. Als Testsubstanzen kamen sog. Phorbolester oder ähnliche Substanzen z. B. TPA oder Mezerein in Frage, die beide bei manchen Zellarten das Wachstum zu hemmen vermögen, indem die Proteinkinase C aktiviert wird, die ihrerseits den EGF-Rezeptor hemmt. Die in vitro-Studien wurden mit einer Larynxkarzinom-Zellinie in serumhaltigem Medium durchgeführt. Die Wachstumsveränderungen durch die Testsubstanzen wurden anhand des MTT-Tests, eines BdrU-Assays sowie eines EGF-Rezeptorassays untersucht. Die Dosis für Cisplatin lag bei 1 μg bis 10 μg/ml, die für TPA und Mezerein von 10 ng bis 100 ng/ml. Bei der Kombinationstherapie von Cisplatin und TPA zeigte sich eine deutliche Wachstumshemmung bei bereits geringster Dosierung, die, angewendet als Einzelsubstanz noch keine Wachstumsbeeinflussung hervorgerufen hatte. Beim Vergleich der Resultate von MTT-Test und BdrU-Assay fand sich eine Diskrepanz dahingehend, daß beim BdrU-Assay eine Proliferationshemmung der behandelten Zellen zu verzeichnen war, obwohl unter gleichen Bedingungen der MTT-Test noch keine Veränderung zur Kontrolle zeigte. Die Erklärung hierfür liegt darin, daß der BdrU-Test als Proliferationstest, der den Einbau eines Testsubstanz in die DNA bestimmt, für Proliferationsveränderungen empfindlicher ist als der MTT-Test, der prinzipiell lediglich die stoffwechselaktive Zelle nachweisen kann. Der EGF-Rezeptorassay zeigte keine qualitative oder quantitative Veränderung der Rezeptoren unter den unterschiedlichen Behandlungen. Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß eine Cisplatintherapie kombiniert mit TPA eine deutliche Steigerung der Cisplatinwirkung hinsichtlich einer Proliferationshemmung im in-vitro-Experiment gezeigt hat. Inwieweit dieser in-vitro-Effekt in vivo übertragbar ist, muß z. B. im Tiermodell überprüft werden.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • W. Bergler
    • 1
  • H. Bier
    • 1
  1. 1.MannheimDeutschland

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