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Zur Gefahr des Perilymphlecks im Ligamentum anulare bei Präparationen am mobilen Steigbügel

  • K.-B. Hüttenbrink
Conference paper
Part of the Verhandlungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie book series (VBDG HNO, volume 1991 / 2)

Zusammenfassung

Manipulationen am Steigbügel im Rahmen einer Tympanoplastik, z.B. die Entfernung von festhaftender Cholesteatommatrix, führen aufgrund der elastischen Aufhängung im Ligamentum anulare nicht zu einem hydraulischen Innenohrtrauma. Gefahr droht jedoch bei ekzessiven Verlagerungen der Fußplatte durch einen Einriß des Ligamentum anulare mit Eröffnung des Innenohres. Es wurde daher in Felsenbeinexperimenten die Widerstandsfähigkeit des Ligamentum anulare und das Auftreten von Perilymphfisteln bei definierten Manipulationen am Steigbügel untersucht. Erleichtert wurde die Entdeckung auch kleinster Lecks, indem ein Überdruck in den methylenblaugefüllten Innenohrräumen erzeugt wurde (s. Abb. 1). Bei zunehmender Verlagerung des Stapesköpfchens war nie ein Durchsickern von Flüssigkeit durch das Ringband festzustellen. Erst beim Einriß der Haltefasern entleerte sich schwallartig die Innenohrflüssigkeit. Bei dieser maximalen Auslenkung weist das Ringband neben elastischen auch Fließeigenschaften auf. Kurz vor dem Riß wanderte das Stapesköpfchen trotz nicht weiter erhöhter seitlicher Belastung weiter aus, bis nach wenigen Sekunden das Ringband riß. In dieser Phase „floß“ der Steigbügel praktisch weg, der seitliche Druck auf das Köpfchen sank sogar. Wahrscheinlich reißen in dieser Phase nacheinander die kollagenen Haltefasern, während das Innenperiost des Vestibulums noch intakt bleibt, bis es als letzte Barriere auch einreißt. Bei normalen Ringbandverhältnissen sind Perilymphfisteln somit erst bei komplettem Einriß der Haltefasern zu erwarten. Die Versuche mit den verschiedenen Präparationsrichtungen am Steigbügel zeigten, daß eine Präparation von hinten, im Verlauf der Sehne des M. stapedius, am vorteilhaftesten ist. Zwar erhöht die Sehne nicht die Festigkeit des Ringbandes, sie stabilisiert jedoch den schwankenden Steigbügel etwas gegen die drückende Nadel. Aufgrund der Hebelwirkungen sollte ein Eintauchen der Fußplatte durch zu starken Druck von oben vermieden werden. Denn bei einer Präparationsrichtung von hinten kann sich die Fußplatte gegen den bandartigen Rahmen des ovalen Fensters abstützen; erst wesentlich höhere Kräfte führen dann zum Riß der Ringbandfaser. Bei Crurarudimenten kann eine Krafteinwirkung aufgrund der wesentlich geringeren Stabilität der Fußplatte zu Querfrakturen führen, noch bevor das Ringband einreißt. Diese veränderten Hebelbedingungen sollte der Operateur bedenken, wenn er die granulationsgefüllte ovale Nische freipräpariert.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • K.-B. Hüttenbrink
    • 1
  1. 1.MünsterDeutschland

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